Mittwoch, 21. Februar 2018

Meine Depression und ich - ein Artikel von mir erschienen auf dem Blog von Mediteo

(WERBUNG. Ich habe für das Verfassen des unten verlinkten Artikels über meine Depression eine Vergütung enthalten. Deswegen muss ich diesen Blogpost rein rechtlich als Werbung kennzeichnen. Dass mein Text hierdurch nicht beeinflusst wurde, ist aber selbstredend, oder?!) 


Hier auf meinem Blog berichte ich fortlaufend über den Alltag mit meiner Depression. Hierdurch bekommt ihr Einblicke in mein Erleben, meine Vorgeschichte und meine Umgangsweise mit meiner Krankheit. Außerdem seht ihr auch andere Aspekte meines Alltages.

Fräuleins wunderbare Welt Depression Erfahrungsbericht

Die Macher des Start-Ups Mediteo sind vor kurzem auf mich und meinen Blog aufmerksam geworden. Auf ihrem Blog berichten sie nämlich nicht nur über die Details ihrer kostenlosen App, die Menschen an ihre regelmäßige Medikamenteneinnahme erinnert, sondern ab sofort auch über chronische Krankheiten.

Ganz aktuell ist dort mein Text erschienen, in dem ich über meine Depression erzähle: wie sie sich ankündigte, wie die erste Zeit mit der Diagnose war und auch, wie ich heute damit umgehe.

 

Wenn ihr nun neugierig geworden seid, dann schaut mal hier auf dem Blog von Mediteo vorbei :-)


Montag, 19. Februar 2018

Mein Bad wird nach und nach nachhaltiger

Kurz vor unserem Schwedenurlaub vor 1,5 Jahren fing ich an, mir immer mehr Gedanken über den Inhalt meines Badezimmerschrankes zu machen. Da standen so viele Packungen von Dingen rum, wo ich mich fragte, ob ich all diese Kosmetiksachen wirklich brauche. Gezielt lass ich deshalb einige Artikel zum Thema "Zero-Waste im Bad" und hinterfragte immer mehr meiner bisher benutzten Produkte.

Neben viel Verpackung, waren viele auch irgendwie überflüssig oder zumindest mit für mich nicht nachvollziehbaren Inhaltsstoffen. Brauchte ich wirklich all diese verschiedenen Flaschen, Cremes und Sprühdosen? Doch einfach alles auf einmal rausschmeißen und mich komplett mit alternativen Produkten eindecken ist auch nicht meins. Zum einen schmeiße ich ungern noch verwendungsfähige Dinge weg und zum anderen muss ich die neuen Sachen nacheinander testen, ob ich mit ihnen klar komme. Wenn ich da eine Hauruck-Aktion draus mache, fühle ich mich zu schnell überladen und gefrustet, weil ich zu viel Baustellen gleichzeitig habe. Außerdem ist es ja auch eine Frage des Geldes: einfach Produkte wegschmeißen, die ich ja bezahlt habe, und mir dafür etliche neue kaufen, ohne genau zu wissen, mit welchen ich klar komme oder welche ich wirklich brauche? Da gehe ich lieber stückchenweise vor und tausche nach und nach die einzelnen Dinge aus.

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Angefangen habe ich mit dem Umstieg von (Volumen-)Shampoo auf Haarwaschseife. Dies war besonders auf dem Campingtrip durch Schweden praktisch, weil ein Stück Seife nun mal nicht auslaufen kann und sehr wenig Platz braucht ;-) Außerdem kann man nach und nach die Abstände zwischen den einzelnen Haarwäschen verlängern, weil Haarwaschseife im Gegensatz zu Shampoo die Kopfhaut nicht entfettet. So wird die Kopfhaut entspannter und produziert nicht ständig so viel Fett nach, dass ich täglich meine Haare waschen muss. Mein Favorit sind die Seifen von Savion. Hier habe ich 3 Sorten, mit denen ich problemlos klar komme. Klar, ich musste einige ausprobieren und von manchen fing meine Kopfhaut an zu jucken, doch die habe ich dann einfach für die normale Körperpflege weiterverwendet. Generell kaufe ich kein extra Körperduschzeug mehr, sondern verwende ich hier auch einfach die Haarwaschseifen. Diese sind übrigens maximal mit einer Papierbanderolle verpackt und in Bezug auf Zero-Waste weit vorne.

Die Anwendung sieht bei mir so aus, dass ich meine Haare nass mache, die Seife in den Händen aufschäume und dann den Schaum nach und nach im Haar verteile. Der Schaum ist nicht annähernd mit dem gewohnten Shampooschaum vergleichbar, aber etwas schaumig wird es schon. Dann noch ordentlich ausspülen, damit keine evtl. Rückstände im Haar verbleiben. Das Ganze funktioniert bei mir nur im Stehen unter der Dusche. Kopfüber bleiben meine Haare fettig. Warum das so ist, ist mir ein Rätsel, aber ich kann damit leben.

Auf den ersten Blick erscheinen Haarseifen recht teuer, wenn man sie mit dem herkömmlichen Shampoo aus der Drogerie vergleicht. Doch sie reichen meist wesentlich länger, weil die Haare seltener gewaschen werden müssen. Gerade in der Anfangszeit waren meine Haare nicht immer so komplett mit der Reinigung durch die Seife zufrieden. Einige Male waren sie nach dem Waschen noch strähnig oder fetteten sehr schnell nach. Dies kann an den noch im Haar befindlichen Rückständen meines vorherigen Shampoos gelegen haben, wie ich auf verschiedenen Seiten nachgelesen habe. Die herkömmlichen Shampoos legen einen Film um die Haare, damit sie seidiger und gesünder aussehen. Dadurch können sie sich aber nicht selbst regenerieren und brauchen erstmal etwas Zeit, um a) den Mantel abgewaschen zu bekommen und b) die eigene Regeneration wieder zu erlernen. Und die Kopfhaut braucht ja auch etwas Umlernzeit, um nicht mehr so stark nachzufetten. Zum Überbrücken hat mir Maisstärke geholfen. Hierfür habe ich die ganz normale aus dem Supermarkt verwendet und mit einer Puderquaste scheitelweise auf der Kopfhaut und den Haaransätzen verteilt. (Die Puderquaste auf dem Foto ist aus Kunststoff. Aber die hatte ich halt noch da und kaufe mir jetzt keine neue, wenn die alte noch voll funktionsfähig ist.) Danach bürste ich meine Haare sehr ordentlich in alle Richtung aus, damit die Maisstärke wieder rausgeht und das Fettige mitnimmt. Die Rückstände in der Bürste wasche ich ganz einfach mit Seife raus. Heute verwende ich die Maisstärke übrigens immer noch als Trockenshampoo: um die Abstände zwischen den einzelnen Haarwäschen zu verlängern, überbrücke ich ein oder zwei Tage mit dem Trockenshampoo. So bin ich in den letzten 1,5 Jahren auf eine Haarwäsche alle 5 - 7 Tage gekommen (je nach Zyklusstand mal kürzer oder länger).

Seitdem brauche ich kein Volumen-Produkt mehr. Meine früher sehr, sehr dünnen Haare sind dank der Seifenwäsche viel voluminöser geworden!

(Eine weitere Alternative zum herkömmlichen Shampoo ist noch Roggenmehl. Hierfür verrührt man etwa 5 Eßl. Roggenmehl mit so viel Wasser, dass es breiig wird. Diese Masse wird dann im Haar verteilt, einige Minuten einwirken lassen und ausspülen. Doch meine Haare wollen diese Art der Haarwäsche nicht so richtig und werden schwer und strähnig.)

Falls ich mal, was wirklich sehr selten vorkommt, eine Haarspülung brauchte, mache ich mir eine saure Rinse aus 3 Eßl. Apfelessig und 1 Liter Wasser. Diese kippe ich nach der Haarwäsche einfach über die Haare. Damit werden sie sehr gut kämmbar und es riecht erstaunlicherweise nicht nach Essig.

Von meiner früheren Haarbürste mit Metallborsten bin ich auf eine Holzbürste umgestiegen. So kann ich den Talk vom Haaransatz bis in die Spitzen besser verteilen und dabei gleichzeitig die Kopfhaut massieren. Klar, die Haarspitzen sind viel länger trocken und unfettig, während der Ansatz nachfettet. Durch das Bürsten kann ich ein bißchen von der Nachfettung in die Haarlängen verteilen.

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Haargummis sammel ich auf der Straße und wasche sie im Wäschesäckchen in der Waschmaschine. Das spart Geld und ich sammel gleichzeitig noch etwas Müll von der Straße ;-) Außerdem sind neue Haargummis immer mit sehr vielen überflüssigen Plastikstreifen verpackt. Mehr Zero-Waste und Nachhaltigkeit geht fast nicht mehr, oder? :-)

Zum Abschminken meiner Wimperntusche verwende ich mittlerweile Sonnenblumenöl und selbstgenähte Abschminkpads aus Baumwollresten. Hierfür habe ich einfach Kreise aus Baumwolle ausgeschnitten und immer zwei mit Zickzack-Stich zusammengenäht, damit sie nicht ausfransen. Nach der Benutzung reibe ich etwas Alepposeife auf die Baumwolle, damit beim Waschen das Öl besser rausgeht und auch die Reste meiner (leider immer noch) wasserfesten Wimperntusche gelöst werden. (Wer nicht selbst nähen mag: man kann genähte Abschminkpads auch online kaufen.)

Zum Eincremen benutze ich natives Kokosöl in Bioqualität. Das ist unter Mitte 20 Grad fest und darüber flüssig. Im Winter nehme ich ein Stück davon und lasse es in der Handinnenfläche schmelzen um es zu verteilen. Im Sommer ist es eh flüssig. Auf unseren Campingreisen habe ich immer welches in diesen (leider aus Kunststoff) Lock-und-Lock-Dosen dabei, die so dicht sind, dass das Öl wirklich drin bleibt. Mit Schraubgläser oder ähnlichem habe ich hier schlechte Erfahrungen gemacht...

Das Kokosöl pflegt nicht nur die Haut, sondern soll auch gegen Zecken helfen. Mina und ich sind ja viel im Wald und auf Wiesen unterwegs und ziehen Zecken magisch an. Allein in diesem recht warmen Januar hatte ich eine und Mina zwei (...wir hatten damit noch nicht wirklich gerechnet und uns vorher nicht mit Kokosöl eingecremt...) Die im Kokosöl enthaltene Laurinsäure soll einen fiesen Geruch für Zecken haben und so abschreckend wirken. Auch wenn bei uns ein paar trotzdem durchkommen, kann ich die grundsätzliche Wirkung bei Hund und Mensch aus eigener Erfahrung bestätigen. Mina und ich haben seit dem Kokosöl viel weniger Zecken.

Für sehr trockene Hautstellen durch Heizungsluft im Winter verwende ich Sesamöl (aus der Nahrungsmittelecke, in Bioqualität) oder Sheabutter (unraffiniert und ebenfalls bio). Doch das ist sehr selten und meist reicht meiner Haut das Kokosöl.

Beides, als Kokosöl und Sesamöl, verwende ich übrigens auch hin und wieder für eine Haarkur: einfach einige Zeit vor der Haarwäsche auf die Haarspitzen auftragen und einwirken lassen.

Früher habe ich manchmal ein Peeling verwendet. Doch gerade hier ist sehr häufig Microplastik enthalten, das ja bekanntermaßen echt scheiße ist. Deshalb habe ich mir ein kleines Bürstchen zugelegt, mit dem ich die Haut sanft abbürste und so eigentlich den gleichen Effekt, wie mit einem Peeling, erziele. 

Mein Deo rühre ich mir aus Kokosöl und Natron selbst an. Ich habe verschiedene Rezepte im Internet gefunden und mich für 30 gr. Natron + 50 gr. Kokosöl entschieden. Das Kokosöl erwärme ich etwas, falls es zu hart sein sollte, und rühre das Natron ein. Die Masse fülle ich in ein Schraubglas und creme mich morgens mit einem kleinen Klecks hiervon unter den Achseln ein. Das Natron verändert den ph-Wert, sodass die Bakterien, die sonst den Schweiß riechen lassen, sich einfach nicht mehr so wohl fühlen. (Chemie und Physik waren nie meine Stärken, deshalb diese sehr laienhafte Zusammenfassung, so wie ich sie von diversen Internetseiten herausgelesen habe. Meine liebsten Links findet ihr übrigens ganz am Ende dieses Textes.)  (Eine andere Variante für selbsthergestelltes Deo findet ihr z. B. hier.)

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Statt meiner früher üblichen Zahnpasta verwende ich mittlerweile selbsthergestelltes Zahnputzpulver. Dies besteht aus 3 Eßl. Natron + 3 Eßl. Heilerde. Beides wird kurz durch den Mixer gejagt und in ein Schraubgläschen abgefüllt. Zum Zähneputzen feuchte ich dann meine Zahnbürste unter dem Wasserhahn kurz an und stupse sie in das Zahnputzpulver. Zu viel aufgenommenes Pulver klopfe ich vorsichtig ab und putze mir mit dem Rest die Zähne. Das schäumt natürlich gar nicht und fühlt sich anfangs etwas ungewohnt an. Doch mittlerweile erschrecke ich mich immer, wenn ich mir irgendwo anders mal mit herkömmlicher Zahnpasta die Zähne putze ;-) Auf Campingreisen ist das Zahnputzpulver übrigens auch super für den Transport: ich fülle mir einfach etwas in ein sehr kleines Gefäß ab! (Weitere Ideen für selbsthergestellte Zahnputzalternativen findet ihr z. B. hier.)

Vor etwa einem 3/4 Jahr bin ich auf die Menstruationstasse umgestiegen. Die spart nicht nur sehr viel Müll ein, sondern auch echt Geld. Der Anfang war gewöhnungsbedürftig und ich habe sie nicht immer "dicht" bekommen, doch es klappt immer besser. Um auf Nummer sicher zu gehen, habe ich früher herkömmliche Slipeinlagen verwendet. Nun habe ich selbstgenähte aus Baumwollresten (die sind übrigens nicht auf dem Foto), die ich ganz einfach waschen und so immer wieder verwenden kann. (Wer nicht selbst nähen mag: man kann genähte Slipeinlagen und Binden auch online kaufen.)

Statt des früher anwesenden Kunststoff-Nagelbürstchens wohnt seit geraumer Zeit eines aus Holz hier.

Ganz neu eingezogen und deshalb noch nicht auf dem Bild erkennbar ist übrigens Zahnseide aus Seide mit Bienenwachs. Die Zahnseide befindet sich in einem Glasröhrchen, das im Biosupermarkt (wo ich es gefunden habe) aber leider eine Plastikumverpackung hat. Auch wenn ich wegen der Seide, dem Bienenwachs und der Plastikverpackung noch etwas skeptisch bin, ist es schon mal etwas umweltschonender als der sonst übliche Nylonfaden in der kompletten Kunstsstoffverpackung. Leider ist sie auch nicht sonderlich preiswert. Aber ich habe einige Zahnzwischenraumfüllungen, die sehr kantig sind und an denen preiswerte Zahnseide immer zerfasert. Deshalb muss ich eh etwas mehr Geld für die besonders reißfeste ausgeben. Die Seide-Zahnseide mit Bienenwachs reißt bei mir überraschenderweise nicht ein. Doch so ganz überzeugt bin ich noch nicht. (Eine schöne Übersicht über verschiedene Möglichkeiten findet ihr übrigens hier.)


In den letzten 1,5 Jahren hat sich in meinem Bad also schon eine ganze Menge getan! Alles Schritt für Schritt und nicht überstürzt. So habe ich mittlerweile einen guten Weg gefunden und meine früher übliche Produktvielfalt im Bad ist sehr stark zurückgegangen. Das spart neben Müll und meinem Geld übrigens auch Zeit, weil ich vieles eh im Haus habe und so viel weniger Zeit in Drogerien verbringe. Außerdem weiß ich, was in meinem Produkten enthalten ist und schone nebenbei noch die Umwelt.


Allerdings gibt es auch noch ausbaufähige Dinge:

  • Nach wie vor verwende ich eine Schallzahnbürste, die meine Zähne sehr gut reinigt. Selbst die sonst halbjährlich bis jährlich fällige Zahnreinigung beim Zahnarzt entfällt. Deshalb tue ich mich sehr schwer, hier auf ein anderes Produkt umzusteigen. Im Vergleich verbrauche ich zwar ein paar neue Aufsätze und natürlich Strom, doch sonst werden beim Zahnarzt auch ganz schön viele Produkte für die Zahnreinigung verwendet. (Wenn ich auf Reisen bin habe ich mittlerweile übrigens eine Bambuszahnbürste statt das frühere Plastikmodell.)
  • Meine wasserfeste Wimperntusche ist immer noch fester Bestandteil meines Bades. Diese benutze ich nur für die Arbeit oder bei Hochzeiten oder für Fotos. In meiner Freizeit verwende ich keine. Wasserlösliche Wimperntusche wäre wesentlich umweltschonender, doch ich schwitze sehr leicht und habe bei manchem Pollenflug tränende Augen. Deshalb verläuft mir wasserlösliche direkt...
  • Meine Augenbrauen sind, wie meine sonstigen Haare, sehr hell. Während es mich bei allen anderen Haaren nicht sonderlich stört, fühle ich mich ohne gefärbte Augenbrauen sehr kahl, weil sie einfach nicht zu sehen sind. Deshalb färbe ich mir diese etwa alle 6 Wochen. 
  • Mein Rasierer ist etwa 15 Jahre alt und natürlich aus Kunststoff. Weil ich sehr weiche Haare habe, brauche ich sehr wenige Wechselklingen. 
  • Für den Camping-/Wanderurlaub verwende ich Microfaserhandtücher, die zwar extrem schnell trocknen und ein kleines Packmaß haben, aber halt auch Microplastik abgeben. Baumwollhandtücher sind beim Camping leider unpraktisch. 

Ihr seht, da gibt es ein paar Baustellen, wo ich gerade selbst nicht weiß, wo meine Reise dabei noch hingeht. Ich halte meine Augen weiter nach Alternativen offen!


Wenn ich euch mit dem Einblick in mein minimalistischeres und etwas mehr Zero-Waste-Bad neugierig gemacht habe, kann ich euch folgende Links auch sehr ans Herz legen:
Habt ihr noch Tipps oder Anregungen für weitere Umstellungen im Bad?



Nachtrag: wo ich auch noch Nachbesserungsbedarf habe, es mir im Winter aber nicht wirklich präsent ist, ist das Thema Nagellack. Sobald es halbwegs warm genug ist, sieht man mich nur noch in Sandalen und dann halt mit besagtem Nagellack. Der und der notwendige Nagellackentferner sind alles andere als sonderlich nachhaltig. Doch auch hier habe ich noch keine Lösung, außer erst einmal Restbestände aufbrauchen und sich in der Zeit nach Alternativen umsehen.

Dienstag, 13. Februar 2018

Was mir bei meiner Depression hilft stabiler zu werden und einige Tipps für euch


Meist bekommt man bei der Diagnose "Depression" ein Antidepressivum, evtl. etwas Antriebsförderndes, Beruhigendes oder etwas zum Einschlafen kombiniert mit einer Psycho- oder Verhaltenstherapie. So war es damals auch bei, als ich 2013 beim Arzt saß und die Diagnose das erste Mal hörte.

Doch in der Zwischenzeit sind 4,5 Jahre vergangen und ich habe durch ausprobieren verschiedene Dinge gefunden, die mir helfen stabiler zu werden und auch zum Teil zu bleiben. Klar, eine Therapie ist sinnvoll und hat bei mir auch sehr grundlegend geholfen. Doch ich kann mit kleinen Dingen meinen Körper beim Gesundwerden unterstützen. Während eines Tiefs kann ich meinem Körper mit bestimmten Verhaltensweisen und der Ernährung eine gute Grundlage geben, damit meine Psyche wieder Halt findet. Zwischen den Tiefs kann ich versuchen meinen Körper zu unterstützen, damit meine Psyche möglichst lange stabil bleibt. Außerdem kann ich mit bestimmten Verhaltensweisen meinen Alltag mehr auf mich und meine Bedürfnisse ausrichten, sodass es mir auch langfristig gelingt, auf mich und mein Wohlbefinden zu achten.

Es gibt viele Quellen, wo man alle möglichen Tipps und Ratschläge erhält. Mal mehr, mal weniger qualifiziert oder seriös. Die, die mir nachvollziehbar erschienen, habe ich in den letzten 4,5 Jahren nach und nach ausprobiert. Die, die mir geholfen haben, habe ich versucht in meinen Alltag zu integrieren.

Genau diese Dinge möchte ich euch heute zusammengefasst vorstellen, denn mich erreichen immer wieder Emails, wo ich gefragt werde, was mir neben dem klassischen Weg noch geholfen hat. Über die Zeit ist da eine Menge zusammen gekommen.

Mir geht es vor allem darum, was ich mir neben der Therapie und evtl. Medikation Gutes tun und wie ich meinen Körper begleitend zu den klassischen Ansätzen unterstützen kann. Und das ganze bitte ohne Humbug, Traritara oder offensichtlicher Geld-aus-der-Tasche-zieh-Masche inkl. Wunder-Sofort-Heilung.

[Bei allem, was ich im Folgenden schreibe, kann ich nur für mich selbst sprechen. Ich habe keinerlei fachliche Qualifikation oder sonst irgendeine Art der Fortbildung. Durch Recherchen im Internet und in Fachliteratur, durch Gespräche mit Heilpraktikern und den Erfahrungsaustausch mit anderen an Depressionen erkrankten Menschen habe ich mir diese Informationen selbst zusammen gesucht. Ich erhebe hierbei keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit. Durch meine eigenen Erfahrungen bin ich Expertin in meiner eigenen Depression geworden. Doch bei allem, was ich euch nachfolgend schildere, handelt es sich um meine eigenen subjektiven Erfahrungswerte. Falls ihr einige der Tipps ausprobieren wollt, achtet ausreichend auf euch und sprecht mit eurem Arzt/Therapeuten! Sucht euch im Zweifelsfalle IMMER qualifizierte Hilfe!]

was hilft bei Depressionen


Entspannung, Entschleunigung und Achtsamkeit

Mir hilft Lavendelduft sehr gut um etwas runterzufahren und mich ein wenig mehr zu entspannen. Im Drogeriemarkt oder Bioladen gibt es bereits für kleines Geld ätherisches Öl. Hierbei ist wichtig, dass es wirklich ein "100 % reines ätherisches Öl" ist. (Hier gibt es noch einige Tipps zum Kauf von ätherischen Ölen.) Ich träufel einige Tropfen entweder in eine Duftlampe oder auf meine sehr dunklen und unempfindlichen Vorhänge. Ganz klassisch hilft mir außerdem eine heiße Badewanne mit einem entspannenden Badezusatz.

Ich habe einige Entspannungs- und Meditationsmethoden bei der VHS, in Wochenend-Workshops, mit Youtube, etc. ausprobiert, doch bei vielem wurde ich sehr unruhig. Hier hat es einige Jahre gedauert, bis ich dann auf Yoga stieß. Seitdem versuche ich ein- bis zweimal  in der Woche Yoga zu machen. Die Dehn- und Halteübungen kombiniert mit der bewussten und regelmäßigen Atmung fördern meine Körperwahrnehmung und fahren meinen Stresspegel sehr runter. (Am liebsten mache ich mir übrigens die Videos von Yogamour an.)

Außerdem beschäftige ich mich mit Achtsamkeit und probiere immer mal wieder kleine Übungen im Alltag aus. Dieses bewusste Konzentrieren auf das Hier und Jetzt und das Wahrnehmen ohne zu bewerten tun mir sehr gut. Es fällt mir nach wie vor nicht immer leicht und gerade, wenn ich viele Gedanken im Kopf habe, schaffe ich es noch (zu) selten und häufig verurteile ich mich dann für mein vermeintliches "Versagen". Doch es wird besser und ich bleibe am Ball!

Meine Tipps an euch: 
Hilft euch vielleicht auch Yoga? Oder kommt ihr mit Progressiver Muskelentspannung, Achtsamkeitstraining bzw. Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (Mindfulness-Based Stress Reduction –> MBSR), Autogenem Training, Qigong oder einer völlig anderen Technik besser zurecht? Probiert einfach verschiedenes aus. Hierfür findet ihr im Internet kostenlose und kostenpflichtige Anleitungen oder auch bei euch zuhause vor Ort Kurse. Schaut z. B. mal bei eurer VHS, ob es dort entsprechende Kurse gibt. Erkundigt euch auch bei eurer Krankenversicherung, ob sie bestimmte Kurse bezuschussen oder evtl. sogar ganz übernehmen. Wenn euch eine Entspannungstechnik nicht liegt, probiert einfach eine andere aus. Schaut einfach, ob ihr etwas findet, das ihr regelmäßig übt/praktiziert. Gerade Entspannungsübungen wirken nur richtig Stress lindernd, wenn sie dauerhaft ein Teil vom Alltag werden.


Sport
 
Ebenfalls ein- bis dreimal in der Woche mache ich zuhause Workouts mithilfe von Youtube-Videos. (Zur Zeit bin ich von dem Kanal von Popsugar sehr angetan.) Hier ist es auch wieder das regelmäßige Atmen, diesmal aber kombiniert mit körperliche Kraft, die meinen Geist schön entspannen, die angespannten Muskeln auspowern und dadurch zum Teil lockern und natürlich wieder den Stresspegel sinken lassen.

Während und direkt nach meinem ersten richtig tiefen Tief konnte ich diese kraftvollen Workouts noch gar nicht machen. Mir fehlte buchstäblich die Kraft. Doch ich habe langsam gestartet und mich durchprobiert. So kam ich vom sehr langsamen, unregelmäßigen Joggen irgendwann zu den Workouts. Angefangen habe ich natürlich mit Einsteiger-Videos und mich dann nach und nach gesteigert.

Lange Zeit habe ich es nur geschafft diese Workouts regelmäßig zu machen, weil ich sie zuhause gemacht habe. Außerhalb von tiefen Tiefs habe ich eine sehr hohe Eigenmotivation, sodass ich diese Trainingseinheiten wirklich regelmäßig gemacht habe und immer noch mache. Ein Besuch eines Fitnessstudios wäre dagegen für mich ein zu großer Aufwand gewesen, sodass ich dieses nicht regelmäßig von innen gesehen hätte. (Mittlerweile gehe ich zum Jumping Fitness in einem Fitnessstudio. Das hat sich aber auch erst mit der Zeit ergeben.) Es gibt aber auch Tage, wo mein Körper einfach partout keinen kraftvollen Sport machen möchte. Das ist okay und ich akzeptiere diese Zeichen meines Körpers. Aber um mich dann doch etwas zu bewegen, lege ich an diesen Tagen eine Runde Yoga (gerne auch Yin-Yoga) ein.

Meine Tipps an euch:
Gibt es eine Sportart, die euch besonders liegt oder die euch schon immer mal interessiert hat? Dann probiert auch hier wieder aus! Liegt euch eher ein Fitnessstudio, eine Sportgruppe, Bewegung daheim oder lauft/walkt ihr gerne alleine eine Runde? Klar, der erste Schritt ist immer der schwerste. Gerade nach einer längeren Sportpause oder wenn man noch nie richtig Sport gemacht hat (Fragt mich mal, wie es mir damals ging... Ich war von klein auf ein extrem unsportlicher Mensch...) ist der Schweinehund sehr groß und der Muskelkater hinterher auch. Doch versucht einfach verschiedene Sportarten an verschiedenen Orten und unter verschiedenen Bedingungen (alleine, in einer Gruppe, mit Freunden, mit dem Partner...) bis ihr etwas für euch passendes gefunden habt. So wie bei den Entspannungsübungen ist es natürlich auch hier wichtig, dass der Sport ein fester Bestandteil des Alltages wird.


Der liebe Schlaf

Lange Zeit habe ich unter massiven Schlafstörungen gelitten. Neben dem nicht gelingen wollenden Ein- oder Durchschlafen suchten mich nachts sehr krasse Albträume heim. Mittlerweile habe ich zwei für mich praktikable Lösungen gefunden.

Bei den sehr blutrünstigen und beklemmenden Albträumen höre ich am nächsten Tag in mich hinein. Wie fühlte sich der Traum an? Wie fühlte ich mich an verschiedenen Stellen des Traumes? Ich gehe also weg von den eigentlichen Traumbildern und lenke mein Augenmerk auf die Emotionen, die ich während des Träumens durchlebt habe. Anfangs war das sehr schwierig für mich, weil die Bilder so krass sind. Doch mit etwas Übung gelang es mir nach und nach auch die Emotionen wieder abrufen zu können. So hatte ich z. B. einmal einen Traum, wo ich mit einigen Menschen durch ein sehr düsteres Haus geirrt bin. Es gab kaum Licht und wir waren Gefangene. Für uns gab es keinen Ausweg und doch suchten wir diesen verzweifelt, weil sonst irgendwas schlimmes passieren würde. Die Bilder verfolgten mich noch einige Zeit nach dem Aufwachen sehr stark und so setzte ich mich hin und spürte in mich hinein. Die feinen Nuancen waren hierbei entscheidend und nur dank der wochenlangen vorhergehenden Versuche konnte ich diese benennen: ich fühlte mich beschützt. Die anderen Personen sind vorgegangen und übernahmen die Verantwortung. Auch wenn ich mich zum Teil hilflos fühlte, spürte ich, dass ich nicht allein, sondern in einer größeren Gruppe bin, wo es Menschen gibt, die mich beschützen. Diese Erkenntnis nahm dem Albtraum seinen großen Schrecken. Außerdem passte es damals sehr in die aktuelle Situation und zu den Themen, die mich beschäftigten. Verantwortung, Verantwortung abgeben, Macht, beschützt werden. Deshalb höre ich bis heute in mich hinein, wenn ich nach einem Albtraum gerädert aufwache und versuche die Emotionen wahrzunehmen. Sie geben mir gute Hinweise auf in mir arbeitende Themengebiete, die ich im Wachzustand meines Bewusstseins vielleicht noch gar nicht richtig wahrgenommen habe.

Wenn ich partout nicht ein- oder durchschlafen kann, wende ich mittlerweile das Sounder Sleep System an. Hier geht es nicht, wie der Name anfangs vermuten lässt, um "Sound", sondern um kleine Minibewegungen kombiniert mit dem Ein-/Ausatmen, die helfen können, in den Schlaf zu finden. Mir hat hier die Schlafschule Unna sehr geholfen!

Ansonsten wende ich einige der klassischen Tipps an:
  • Eine Stunde vor dem Schlafengehen vermeide ich blaues Licht  (sprich: Handy und Laptop aus), denn dieses verhindert die Ausschüttung des Schlafhormons Melantonin.
  • Ich lege mich nur abends ins Bett, wenn ich wirklich schlafen möchte (also nicht tagsüber einfach so), weil mein Kopf sonst das Bett mit einer wachen Station meiner Wohnung verknüpft und nicht checkt, dass er hier schlafen soll.
  • Wenn ich tagsüber einen Mittagsschlaf mache, weil ich wirklich müde bin, stelle ich mir einen Wecker auf 30 min. später. Wenn ich länger schlafe, bin ich für den restlichen Tag komplett matsche.
  • Ich trinke etwa 1 Stunde vor dem Schlafengehen nicht mehr viel, damit ich nachts nicht raus muss und deshalb wach werde. 
  • Mir hilft ein regelmäßiger Schlafrhythmus total. Auch am Wochenende und im Urlaub achte ich auf die ungefähr gleiche Einschlaf- und Aufstehzeit. Klar, es gibt Ausnahmen, aber die Regel ist die Regelmäßigkeit. 
  • Außerdem habe ich immer ein Buch in greifbarer Nähe liegen, falls die Gedankenkreise doch zu stark werden. Mit dem Lesen kann ich eine andere Welt eintauchen und nach und nach die wirbelnden Gedanken in den Hintergrund treten lassen. 
Meine Tipps an euch:
Habt ihr auch mit Schlafproblemen zu kämpfen? Dann versucht im ersten Schritt herauszufinden, was genau euch am Schlafen hindert. Albträume, Einschlaf- oder Durchschlafschwierigkeiten? Schaut hier auf jeden Fall auch mit eurem Therapeuten, wenn ihr gerade in Behandlung seid, ob ihr gemeinsam an dem Problem arbeiten könnt! Gibt es sonst vielleicht auch Schlafkurse in eurer Nähe? Hilft euch eine Entspannungsübung direkt vor dem Einschlafen? Vielleicht eine Tasse beruhigenden Kräutertee (auch auf die Gefahr hin, dass ihr nachts aufs Klo müsst)? Probiert mal aus, ob es hilft, wenn ihr eine Stunde vor dem Schlafen gehen alle Geräte mit blauem Licht ausschaltet. Und versucht mal eine mehr oder weniger ähnliche Schlafenszeit einzuhalten.


Der Einfluss meiner Ernährung auf meine Depression

Eine Low-Carb-Diät ist gar nichts für mich, weil dann meine Depression sofort an immenser Kraft gewinnt. Das hat auch einen einfachen Grund: Kohlenhydrate (die bei Low-Carb ja bewusst weggelassen werden) sorgen im Gehirn für die Bildung von Serotonin. Dieses Wohlfühl-/Glückshormon ist bei depressiven Menschen zu niedrig. Heißt also: wenn ich zu wenig bis gar keine Kohlenhydrate zu mir nehme, habe ich noch weniger Serotonin im Gehirn und meine Stimmung kippt ziemlich schnell...

Deshalb achte ich auf ausreichend Kohlenhydrate, am liebsten in Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten, weil sie hier als komplexe Kohlenhydrate mit einem niedrigen glykämischen Index vertreten sind. Das heißt, dass sie länger satt machen, den Blutzuckerspiegel ziemlich konstant halten und ich deshalb nicht so schnell in eine Heißhungerattacke rein falle. Für Hungernotfälle habe ich trotzdem immer einen Müsliriegel in der Tasche. Sobald ich nämlich Hunger habe, habe ich Hunger und wenn nichts in greifbarer Nähe ist, während ich beispielsweise am Autofahren bin, werde ich schnell zittrig, meine Atmung wird flacher und hektischer, mein Blick verengt sich, ich bekomme Herzrasen.

Außerdem gibt es Nahrungsmittel, die den Serotoninspiegel erhöhen können. Dazu zählen: Bananen, Brokkoli, Ananas, Tomaten, dunkle Schokolade, dunkles Kakaopulver, Nüsse...

Ich versuche mit meiner Ernährung meinen Säure-Basen-Haushalt im Gleichgewicht zu behalten. Vor 2 Jahren war ich wegen einer chronischen Blasenentzündung bei einem Heilpraktiker, nachdem der Urologe nichts mehr wusste, außer mir die x-te Antibiotika-Packung aufzuschreiben und mir geraten hat, endlich "sauberer" zu werden. Der Heilpraktiker hat als erstes eine Stuhlanalyse durchführen lassen und hierbei festgestellt, dass mein ph-Wert sehr weit unten ist. Das begünstigt u. a. Entzündungen im Körper. Daraufhin habe ich eine Darmsarnierung gemacht und meine Ernährung etwas in Richtung basisch angepasst. Auf meinem Speiseplan kommen deshalb basische Lebensmittel, wie z. B. Gemüsesäfte, Zitronen, Lauch, Brokkoli etc., vermehrt vor. Erhellend hierzu fand ich aus das Buch "Darm mit Charme".

Außerdem achte ich auf Vollkornprodukte und ballaststoffreiche Nahrungsmittel. Fertig verarbeitete Lebensmittel und Fast-Food findet man in meiner Küche selten. Dadurch, dass ich sehr viel selbst koche, weiß ich, welche Inhaltsstoffe in meinem Essen stecken und spare nebenbei auch noch Geld, weil selber kochen ja preiswerter ist als gekauftes Essen. Für den kleinen Hunger zwischendurch und als Nervennahrung stelle ich mir z. B. selbst Energy-Balls her, die super gesunde Inhaltsstoffe haben und die im Biosupermarkt richtig viel Geld kosten. Oder auch diese Cashewcreme und dieses Schoko-Hummus sind einfach gemacht, richtig lecker und dabei ziemlich gesund. Ich setze mir alle paar Tage frischen Wasserkefir an, der sehr gut für die Darmflora ist.

Omega 3 ist megawichtig. Mit ausreichend bzw. etwas erhöhter Zufuhr an Omega 3 kann man das Depressionsrisiko senken bzw. Symptome mildern. Deswegen nehme ich viel Leinöl, Leinsamen, fettreiche Seefische (...wobei hier natürlich leider viel überfischt wird...), Hanfsamen etc. zu mir. Einige Zeit lang habe ich zusätzlich noch Omega-3-Kapseln aus dem Drogeriemarkt genommen.

Außerdem hilft Magnesium um Nerven und Muskeln zu entspannen (z. B. in Bananen oder halt in Magnesiumtabletten). Ich nehme seit einigen Jahren Magnesiumtabletten. Wenn ich das mal weg lasse, bin ich direkt angespannter und meine Muskeln versteifen sich. Nun habe ich erst vor kurzem erfahren, dass das Präparat aus dem Drogeriemarkt, das ich nehme, sehr minderwertiges Magnesium beinhaltet. Deshalb steige ich gerade von einem Magnesiumoxid auf ein Magnesiumcitrat um, das besser in die einzelnen Zellen eindringen soll.

Ein weiterer wichtiger Grund für mich auf meine Ernährung zu achten ist, dass die Wissenschaftler seit einiger Zeit die Zusammenhänge zwischen Darmgesundheit und Depressionen erforschen. Erste Ergebnisse weisen hier auf einen deutlichen Zusammenhang hin. Ich kann also hier durch einen gesunden Darm aktiv etwas gegen eine Verstärkung meiner Depression tun. (Lest z. B. mal hier.)

Hin und wieder brauch ich aber auch einfach mal ein Seelenessen, was meist schon sehr ungesund ist. Oder haben Pommes-Currywurst irgendwo noch versteckte gesunde Inhaltsstoffe? ;-)

Alles in allem merke ich deutlich, wenn ich mich ausgewogen ernähre, dass ich mich nicht nur fitter, sondern auch innerlich stabiler fühle. Wenn ich mich z. B. im Urlaub mal anders als sonst ernähre, werde ich labiler in meiner Stimmung.

Meine Tipps an euch: 
Wie sieht es mit eurer Ernährung aus? Habt ihr euch mal mit dem Zusammenhang zwischen eurer Ernährung, eurer Stimmung und eurer Gesundheit befasst? Vielleicht hilft euch ebenfalls eine Darmsarnierung und eine ausgewogene Ernährung. Informiert euch über gesunde Ernährung, probiert verschiedenes aus und fragt vielleicht auch einmal euren Arzt oder Heilpraktiker in diese Richtung um Rat.


Verstehen hilft, Lesen bildet und Austausch kann Mut machen

Ich habe mittlerweile viele Bücher gelesen: Fachbücher um die Depression zu verstehen, Erfahrungsberichte von anderen Betroffenen, Coaching- und ähnliche Selbsthilfebücher. Denn eines habe ich sehr schnell gemerkt: wenn ich meine Krankheit verstehe, nimmt ihr das ein wenig den Schrecken. Während meiner Tiefs war meine Konzentrationsfähigkeit so einschränkt, dass ich für Fachliteratur keine Ressourcen hatte. Für Erfahrungsberichte war ich zu dieser Zeit nur eingeschänkt offen, weil ich so stark mit mir und für mich selbst gekämpft habe. (Schon immer neige ich dazu, die Interessen von anderen Menschen über meine zu stellen. Gerade in den Tiefs kippte das aber zwangsläufig, weil ich gar nicht mehr genug Kraft hatte, außer mich um mich selbst zu kümmern.) Deshalb habe ich mich zwischen meinen Tiefs bzw. während dessen im Rahmen meiner Möglichkeiten mit den entsprechenden Büchern und Blogs beschäftigt.

Doch der Grat zwischen Wissen aneignen/Verstehen/Klarheit bekommen/Hintergründe kennenlernen/Zusammenhänge verstehen und einer zu starken Fokussierung auf die Depression als Lebensmittelpunkt ist schmal. Auch wenn mir die Beschäftigung mit meiner chronischen Krankheit wichtig ist, so möchte ich natürlich nicht, dass sie der zentrale Dreh- und Angelpunkt von mir und meinem Alltag wird. Deshalb habe ich versucht immer nur ein Buch nach dem nächsten zu lesen und die Themengebiete hierbei jeweils auf meine aktuelle Situation und die gerade anstehenden inneren Themen anzupassen. Auch gibt es Bücher, die mich stark fordern, sodass ich sie nur sehr dosiert nach und nach lesen kann (ich sag nur: "Das Kind in dir muss Heimat finden", da lese ich seit einem 3/4 Jahr dran...). Doch diese Stück für Stück Arbeit mit mir selbst, zeigt mir Schritt für Schritt mehr über mich. Ich versuche meine eigenen Grenzen der Aufnahmefähigkeit zu beachten und parallel dazu auf ein Gleichgewicht zwischen allen Aspekten meines Alltags achten. Denn die Depression ist zwar ein Teil von mir und wird es wahrscheinlich auch noch ein paar Jahre bleiben, aber ich bin noch viel mehr als nur diese Krankheit. Das habe ich übrigens auch dank diverser Texte begriffen ;-)

Gerade bei anderen an Depressionen erkrankten Menschen lese ich mutmachende und mitnehmende Texte sehr gerne, sei es auf ihren Blogs, bei Instagram oder Facebook. Hier merke ich, dass es eine Menge Menschen gibt, denen es ähnlich geht wie mir. Auch wenn wir Individuen sind, die an verschiedenen Punkten ihres Lebens stehen, so können wir einander doch Mut machen, Kraft geben und uns gegenseitig ein Stück weit auf unserem Weg begleiten. Ich kann aber auch nicht jedem Account folgen, wo es um die Depression oder eine andere psychische Erkrankung geht. Es gibt einige (viele), wo es mir viel zu stark negativ gefärbt ist, wo es keine Hoffnung gibt, es keinen Schritt vorwärts geht, wo sich immer alles auf der Stelle bewegt oder im Kreis dreht, wo es um die Schuld der anderen geht, die absolute Hilfslosigkeit der jeweiligen Person oder sogar um selbstverletzendes Verhalten, das in Bildern oder Videos dargestellt wird. Diese Beiträge bringen mir nichts. Sie ziehen mich nur runter und zeigen mir eine Hilflosigkeit und ein Beharren auf einer Lebensposition, mit der ich nicht umgehen kann. Deshalb meide ich solche Accounts, sobald ich merke, dass es in diese Richtung geht.

Meine Tipps an euch:
Habt ihr vielleicht schon einige Bücher, Zeitschriften oder Blogs gelesen? Folgt ihr anderen Betroffenen auf einem Social Media Kanal (z. B. Instagram, Twitter, Facebook, Youtube)? Oder tauscht ihr euch bei euch vor Ort in einer Selbsthilfegruppe oder in einer Online-Gruppe mit anderen Menschen aus? Wenn nicht, vielleicht wäre dann eines meiner gerade geschilderten Beispiele etwas für euch um euch tiefgehender mit eurer Psyche zu beschäftigen. Achtet hierbei aber auf jeden Fall auf euch und eure Grenzen, eure Belastbarkeit und eure Verfassung! Wenn euch etwas zu sehr runter zieht, dann probiert etwas anderes aus oder lasst es auch einfach für eine Weile. Vielleicht ist gerade nicht der passende Zeitpunkt, um sich mit Fachliteratur oder Erfahrungsberichten zu befassen? Achtet gut auf euch!


Warnsignale erkennen, akzeptieren und entsprechend handeln  

Ich habe in meiner Verhaltenstherapie einige Zeit an den Warnsignalen meines Körpers "gearbeitet". Gemeinsam mit meiner Therapeutin habe ich herausgefunden, welche das sind, wie sie sich bemerkbar machen, wie ich mich dabei fühle und wann sie auftreten. Anfangs war das sehr schwierig und für mich fast nicht erkennbar. Doch nach und nach wurde es für mich deutlicher. So konnte ich langsam beginnen auf die Signale meines Körpers zu achten. Schritt für Schritt fing ich an, die Warnsignale zu erkennen. Im nächsten Schritt habe ich gelernt sie zu akzeptieren und sie nicht einfach nur weghaben zu wollen (die wahrscheinliche nachvollziehbarste Reaktion, oder?!). Und dann habe ich angefangen, auf die Warnsignale zu reagieren. Hierbei habe ich geschaut, was mich gerade beschäftigt, was die letzte Zeit evtl. zu viel war oder was zu kurz gekommen ist, ob es vielleicht sogar eine oder mehrere auslösende Situationen gab. Dies ist ein stetiger Prozess und ich bin bis heute dabei, dies immer wieder zu tun. Auch wenn ich schon länger kein richtiges Tief mehr hatte, sind die Warnsignale immer noch ein fester Bestandteil meines Alltages. Doch ich habe gelernt sie als Hilfestellung zu sehen: sobald sie sich melden, muss ich mehr auf mich und meine Bedürfnisse achten, sonst falle ich fast zwangsläufig in ein Tief.

Warnsignale sind bei mir z. B. Herzrasen, angespannte Muskeln, Gedankenkreisen, negative Gedankenausrichtungen, Schlafprobleme. Dissoziationen setzen ein. Ich kann nicht mehr tief atmen. Außerdem kippen meine Emotionen ins negative und hoffnungslose. Ich fühle mich schnell massiv angegriffen und beziehe alles auf mich persönlich.

Sobald ich also mehrere dieser Symptome an mir bemerke, werde ich hellhörig. Es gab einige Momente, wo ich sie nicht wahrhaben wollte, weil ich Angst vor einem erneuten Tief hatte. Doch das Wegschauen hat die Situation nur noch schlimmer gemacht und das befürchtete Tief kam natürlich. Deshalb versuche ich kontinuierlich auf diese Warnsignale zu achten und mit Selbstfürsorge einzuschreiten, sobald sie auftreten.

Meine Tipps an euch:
Habt ihr euch schon mal mit den Warnsignalen eures Körpers befasst? Sprecht, falls vorhanden, mit eurem Therapeuten darüber. Warnsignale können euch helfen, auf euch zu achten und für euch und eure Bedürfnisse einzustehen. Schnappt euch vielleicht einen Zettel oder Block und notiert immer mal wieder Warnsignale, wenn sie euch einfallen oder auffallen. So erhaltet ihr eine gute Übersicht über mögliche Symptome, bei denen ihr hellhörig werden solltet, um ein evtl. herannahendes Tief abzuwenden und euch mit Selbstfürsorge zu helfen.

Kennt ihr die App Arya? Sie ist kostenlos und mit ihr könnt ihr eure Stimmung inkl. körperlicher Symptome über den Tag verteilt festhalten. Mir hat das mal sehr gut geholfen um ein Gefühl für die unterschiedlichen Stimmungen eines Tages zu bekommen. Hier habe ich euch die App bereits einmal vorgestellt!


PMS  

Seit einigen Monaten habe ich starke Probleme mit PMS, dem prämenstruellen Syndrom. Dank des Hormonhaushaltes fühlt es sich für 1 bis 1,5 Wochen im Monat so an, als wenn meine Depression zurück kommt. Meine Stimmung ist im Keller, ich bin durchgängig angespannt, schwanke zwischen extrem wütend und dauerheulend und fühle mich komplett unwohl in meinem Körper. Dass PMS bei Frauen mit Depressionen verstärkt auftreten können, habe ich nun schon mehrfach gehört, aber leider hatte bisher noch keine eine Lösung gefunden. Auf Anraten meiner Frauenärztin hatte ich es mit Mönchspfeffer probiert, das rein pflanzlich wirkt. Für 3 Monate war es super, dann war die Wirkung weg. Nun probiere ich zusammen mit meinem Heilpraktiker eine hormonfreie Lösung zu finden.


Meine Tipps an euch:
Zur Zeit habe ich leider noch keinen Tipps... Hat hier jemand von euch vielleicht einen hilfreichen Tipp für mich?


Was sonst noch?  

Wenn ihr Symptome einer möglichen Depression merkt, geht auf jeden Fall zu eurem Arzt! Sprecht mit ihm offen über eure Symptome und eure Vermutung, dass ihr evtl. eine Depression habt. Lasst beim Arzt vielleicht zusätzlich eure Blutwerte checken. Ist die Schilddrüse ok und ist auch Hashimoto ausgeschlossen? Wie sieht der Vitamin D-Spiegel aus? Dies kann nämlich zu depressionsähnlichen Symptomen führen.

Hier habe ich euch meine Texte über meine Depression verlinkt und hilfreiche Links, Bücher, Telefonnummern gesammelt.

Ihr könnt auch jederzeit bei der Telefonseelsorge anrufen! Rund um die Uhr erreicht ihr dort jemanden unter der kostenfreien Telefonnummer: 0800/111 0 111!


Passt gut auf euch auf und holt euch Hilfe, wenn ihr Hilfe braucht!

Dienstag, 6. Februar 2018

Meine neueste Entschleunigungsmethode: Scherenschnitt

Vor kurzem habe ich mir überlegt, dass ich gerne mal Scherenschnitte ausprobieren möchte. Den genauen Ursprung dieser Schnapsidee weiß ich gar nicht mehr. Denn das Ganze hat einen Haken: ich hasse ausschneiden. Das passt super, wenn frau(ke) Scherenschnitte schneiden möchte... Doch ich kam zum Glück ziemlich schnell darauf, dass ich in meinem Bastelfundus noch ein Bastelskalpell habe und dass sich das hierfür ja ziemlich gut anbietet :-)

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Nun habe ich noch nie scherengeschnittet und war anfangs etwas ratlos, wie man denn dabei anfängt. Im Internet fand ich nur etwas angestaubte Motive. Selbst die Anleitungs-Youtube-Videos, die ich unter dem Suchbegriff fand, waren nicht wirklich hilfreich. Eines hat mich sogar sehr demotiviert, weil dort eine Gruppe von älteren Frauen aus der Schweiz gezeigt wurde, die aus dem Handgelenk mal eben so freihändig riesige und sehr detaillierte Scherenschnitte hervorzaubert.

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Aber ich bin dann einfach mal in ein Bastelgeschäft gegangen, habe mir einen Bogen schwarzen, relativ dünnen Tonkarton gekauft und einen Satz an frischen Bastelskalpellaufsätzen. Und für größere Schneideflächen legte ich mir noch eine sehr kleine Bastelschere dazu.

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Zuhause angekommen, zog ich meine Näh-Schneidematte hervor, zückte einen weichen Bleistift und einen gut radierenden Radiergummi. Außerdem öffnete ich mir die Google-Bildersuche, wo ich nun fleißig alle möglichen Silhouetten suchte. Und so legte ich langsam los. Nach und nach entstand mein erstes Schattenbild. Mit viel radieren zeichnete ich auf die zukünftige Rückseite des Tonkartons ein Motiv. Ein paar Motive wollten partout nicht gelingen und so entschied ich mich nach einigen Versuchen dann für ein ähnliches, das ich aber besser gezeichnet bekam.

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Im Internet hatte ich irgendwo gelesen, dass man beim Ausschneiden am besten mittig im Motiv startet, weil das die Stabilität des Bildes erhöht um so weiter man schneidet. Das erwies sich dann auch wirklich als nützlich! Um so mehr freie Flächen entstanden, um so instabiler wurde der Tonkarton. Beim Ausschneiden habe ich immer versucht einige größere Flächen miteinander verbunden zu lassen, damit das Bild auch wirklich zusammenhält und nicht plötzlich irgendwo was loses ist oder ich aus Versehen etwas wegschneide, was aber für das Erkennen des Motives total wichtig gewesen wäre.

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Am ersten Bild saß ich wegen mangelnder Erfahrung noch mehrere Feierabende. Doch beim zweiten und dritten wurde es schon etwas einfacher. Klar, nicht alle Figuren gelangen. So wollte ich z. B. in der Sanduhr den Luftballon eigentlich in einer oberen Ecke haben und Mina sollte mit der Pfote danach stupsen. Doch ich bekam es einfach nicht hin. Deshalb sitzt sie nun am Waldeingang und der Luftballon hängt woanders rum.

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Bei allen drei Bildern ist mein geliebtes Einhörnchen auch immer irgendwie mit reingehuscht :-)

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Während ich das eine Bild einfach mit zusammengerollten Tesafilmstreifen oberhalb meines Schreibtisches zuhause aufgehängt habe, habe ich die zwei anderen Motive mit farbigem Tonkarton im Hintergrund eingerahmt.

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Anfangs war ich mir noch unsicher, ob Scherenschnitte wirklich was für mich sind. Doch recht schnell wurde mir klar, wie saumäßig entspannend das für mich ist! Das Austüfteln des Motives, das Zeichnen, das zwangsläufige Wegradieren und Neuzeichnen, das Ausschneiden. Außerdem habe ich mir jedes Mal einen Podcast angemacht und bin so nebenbei in für mich völlig fremde Themengebiete vorgestoßen. Bei Katharina von greenfietsen bin ich auf die App der ADR-Audiothek aufmerksam geworden. Da sind super spannende Beiträge! So habe ich beim Scherenschneiden etwas über Lichtverschmutzung gehört, habe Leuten in Grönland über ihre Erfahrungen mit der ständigen Winter-Dunkelheit zugehört, weiß nun, wie Glühwürmchen leuchten und bin mit zwei Reisebloggern unterwegs gewesen.

Diese drei Motive werden also mit Sicherheit nicht meine letzten gewesen sein! Ich bin selbst mega überrascht, wie toll die drei geworden sind und wie entspannend ich das Ganze finde :-)

Montag, 5. Februar 2018

Vor 4 Jahren... Von der damaligen Reha, meinen Erwartungen, meinen Erfahrungen und Fortschritten seitdem

Dank Facebook wurde ich vor ein paar Tagen daran erinnert, dass ich vor genau 4 Jahren in der Reha war. Damals hatte ich einige Monate vorher die Diagnose "mittelschwere bis schwere Depression" bekommen. Dementsprechend scheiße ging es mir.

Die Reha stellte für mich einen großen Hoffnungsschimmer dar. Ich wollte endlich wieder nach vorne schauen können, aus dem tiefen Tief heraus kommen und langsam zurück ins Arbeitsleben starten.

Rückblick Reha Depression Fortschritte Rückschritte Waldspaziergang Hund

Während des insgesamt 9-monatigen Krankenscheins hatte ich nicht nur mit der Depression zu kämpfen, sondern hatte aufgrund des Krankengeldbezuges auch weniger Geld auf dem Konto, das aufgrund der verzögerten Zahlungen meiner Krankenkasse auch immer sehr verspätet ankam. Außerdem musste ich dank meiner Krankenkasse einmal monatlich zur Begutachtung zum MDK (medizinischer Dienst der Krankenkassen) um nachzuweisen, dass ich wirklich nicht arbeitsfähig war. Die Termine waren regelmäßig ziemlich erniedrigend, weil die begutachtenden Ärzte jede sich anbietende Fragen stellen konnten. Weil sie innerhalb weniger Minuten monatlich neu festlegten, welche Diagnose denn nun die "richtige" wäre (Ein besonders schlauer Arzt diagnostizierte mir eine "Melancholie". Das fand ich schon fast wieder niedlich, nachdem ich ihm meine vorhandenen Symptome inkl. Suizidgedanken erzählt hatte.) Weil der MDK die Macht hatte zu entscheiden, ob ich weiterhin Krankengeld bekäme oder nicht. Weil sie die Untersuchung kürzer oder länger ausdehnen konnten. (Eine Ärztin untersuchte auch meinen körperlichen Zustand. Im anschließenden Bericht an die Krankenkasse schrieb sie, dass ich allein in der Lage bin mich anzukleiden und sonst auch einen gepflegten Eindruck machen würde. Was in Bezug darauf, ob ich depressiv genug für einen Krankenschein wäre, sehr aussagekräftig ist...) Weil mein Therapeut mir schon sehr zu Anfang erläutert hatte, dass ich im Falle eines entsprechenden Gutachtens von der Krankenkasse kein Krankengeld mehr bekäme und ich dies im schlimmsten Falle nur umgehen könne, wenn ich mich selbst wg. einer massiven Verschlechterung meines Zustandes einliefern lasse. So würde ich dann auch weiterhin Krankengeld bekommen. (Ich habe seine Aussage nie auf den Wahrheitsgehalt hinterfragt. Aber es ist schön, dies immer im Hinterkopf zu haben, während man ja eigentlich damit beschäftigt sein sollte, einen Weg aus dem Tief heraus zu finden.)

[Ich habe die Berichte des MDK übrigens nach jedem Termin schriftlich bei der Krankenkasse angefordert. Als Patientin, die begutachtet wird, hat man das Recht dazu und es ist hilfreich, falls es wirklich mal einen negativen Bescheid der Krankenkasse gibt, weil man so direkt weiß, was im Gutachten dazu steht und man dies im Widerspruch verwenden kann.)

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Als es dann Mitte Januar 2014 zur Rehaklinik in Bad Wildungen los ging, war ich sehr nerös. Die vor mir liegenden 6 Wochen waren die längste Zeitspanne, die ich jemals von Zuhause entfernt war. Die Fremdbestimmung des Tagesrhythmus, das mir unbekannte Zimmer, die wöchentlich wechselnden Wochenpläne und die vielen fremden Menschen, all das war ziemlich viel Neues für mich. Doch ich lebte mich schnell ein und passte mich mehr oder weniger dem Rehaleben an.

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Das erste Mal in meinem Leben musste ich nicht selbst putzen oder kochen. Lediglich das Wäschewaschen blieb. Das Essen schmeckte mir leider bis zum Schluss nicht.

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Ausgerechnet mit meiner Einzeltherapeutin kam ich nicht sonderlich gut klar. Sie war auch diejenige, die mir sagte, dass wir nicht weiterkämen, wenn ich mir nicht eingestehen würde, dass ich Schuld an der Behinderung meiner Zwillingsschwester hätte. Die Gruppentherapie hat mir leider auch nicht viel gebracht. Doch Yoga und Kunsttherapie lernte ich in den 6 Wochen ebenfalls kennen und möchte beides bis heute nicht mehr missen. Dank beidem habe ich einige Fortschritte gemacht. Das Sportprogramm war ganz nett und auch sinnvoll. Es gab Pflicht-Vorträge für alle Patienten, die man besuchen musste, die aber eigentlich nicht wirklich gut oder hilfreich waren. Dafür gab es im Keller ein frei zur Verfügung stehendes Kneipp-Becken, wo man mich regelmäßig finden konnte. Die wöchentlichen Kontrollen von Gewicht und Blutdruck standen morgens direkt nach dem Aufstehen an. Oh Wunder, mein Blutdruck ist um 6:30 Uhr im Keller. Die Ärzte legten mir nahe, deshalb ein Blutdruckmedikament zu nehmen. Ich habe mehrmals dankend abgelehnt und lieber meinen morgendlichen Kaffee getrunken um so meinen Blutdruck anzuheben. Die PC-gesteuerten Auswertungstests waren nicht immer sonderlich aussagekräftig, wurden von meiner Einzeltherapeutin aber so ausgelegt.

Ihr merkt, ich bin rückblickend ziemlich zwiegespalten, was mir die Reha gebracht hat. Damals war ich einfach froh, dass ich für einige Zeit aus meiner gewohnten Umgebung raus war und sah es als nächsten Schritt hin zu einem geregelten und gesünderen Alltag. Doch die Therapien waren nicht wirklich passend für mich und dass ich in Bezug auf die nichtpassende Einzeltherapeutin keine Wahl hatte, war auch ziemlich blöd. Alles in allem war die Zeit richtig und wichtig. Doch ich denke im Nachhinein und nachdem ich mich mit anderen Leute über ihre Rehas oder Tageskliniken ausgetauscht habe, dass es auch noch wesentlich besser hätte laufen können. Es lief bei mir nicht wirklich schlecht, aber in einer anderen Einrichtung hätte ich vielleicht andere, weitere Fortschritte machen können. Doch ändern kann ich es eh nicht mehr und alles ist für irgendwas gut.

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Ich habe mir vorhin meine damaligen Blogposts aus der Reha angesehen (Teil I, Teil II, Teil III, Teil IV, Teil V, meine Rückkehr nach Hause). Gefühlt ist es eine Ewigkeit her. So viel ist seitdem passiert. Es gab noch ein paar Tiefs. Ich habe von der tiefenpsychologischen Psychotherapie auf eine Verhaltenstherapie gewechselt und hier enorme Fortschritte erzielt. 2015 habe ich über mehrere Monate schleichend mein Antidepressivum abgesetzt. Das Absetzen war nicht ganz unproblematisch, doch es war der richtige Zeitpunkt dafür gekommen. Ich habe mich weiterhin sehr stark hinterfragt, mein Verhalten und meine Emotionen reflektiert und doch bin ich immer noch nicht am Ziel angelangt. Nach wie vor spüre ich die Auswirkungen der Depression in meinem Alltag. Allein von 2016 zu 2017 gibt es hier große Unterschiede für mich. Ich habe rückblickend sehr große Fortschritte gemacht, die ich am Ende der Reha nicht einmal erahnen konnte. Mittlerweile bin ich an etwa 95 % der Tage ziemlich stabil und fast symptomfrei. Aber ich habe immer wieder Momente, wo ich aufpassen muss, nicht in alte Verhaltensmuster reinzurutschen.

Gerade einmal monatlich habe ich dank starker PMS das Gefühl, meine Depression wird stärker und es fühlt sich tageweise nach einem Tief an. Hier suche ich noch nach einem passenden, hormonfreien Lösungsweg.

Im Laufe der Zeit habe ich für mich herausgefunden, wie ich meinen Körper parallel zu meiner Psyche unterstützen kann, die Depression fern zu halten. (Hierzu kommt noch ein separater Blogpost!)

Mittlerweile habe ich verstanden, dass die Depression immer dann stärker wird, wenn ich mich selbst aus den Augen verliere und mehr auf die Wünsche/Bedürfnisse von Anderen, anstatt auf meine eigenen achte.

In den letzten Monaten und Jahren hat sich in meinem Leben viel getan. Alleine durch das Bloggen habe ich einige Menschen kennengelernt, die mittlerweile ein fester Bestandteil meines Lebens sind. Außerdem hilft mir das Schreiben enorm um mich und meine Krankheit zu verstehen. Ich komme in Kontakt zu anderen an Depressionen erkrankten Menschen und kann mich mit ihnen austauschen. Durch verschiedene Interviewanfragen habe ich die Möglichkeit meinen Anteil an der Aufklärungsarbeit in Bezug auf psychische Erkrankungen beizusteuern.

Für meinen Onlineshop von "Fräuleins wunderbare Welt" entwerfe ich Ich-darf-Karten, Postkarten, Bleistifte, Drucke und einen Kalender. So können sich andere Menschen mit meinen Produkten ihren Alltag etwas schöner machen. Denn häufig sind es die kleinen Dinge, die uns glücklich machen und unseren Alltag bereichern!

Meine Mina hatte ich vor 4 Jahren bereits kennengelernt. In der Woche nach meiner Reha ist sie bei mir eingezogen. Die tolle kleine Maus bereichert mein Leben sehr. Sie ist ziemlich geduldig, wenn ich es mal wieder nicht bin. Sie lenkt mein Augenmerk auf die kleinen Dinge am Wegesrand, wenn ich mal wieder zu hektisch werde. Außerdem ist sie an meiner Seite, wenn mir die Gesellschaft anderer Menschen zu viel wird.

Rückblick Reha Depression Fortschritte Rückschritte Waldspaziergang Hund

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In den letzten 4 Jahren hat sich eine Menge bei mir getan. Auch wenn ich schon sehr weit gekommen bin, weiß ich, dass ich noch einige Themen habe, an denen ich arbeiten muss/möchte. Diese gehe ich nach und nach an.

Ich bin gespannt, wo ich heute in 4 Jahren stehen werde und was ich dann in meinem Rückblick schreibe...