Dienstag, 21. März 2017

Es ist soweit -- heute eröffne ich meinen eigenen Online-Shop --

Die letzten Monate habe ich auf Instagram und Facebook schon so einige Andeutungen gemacht, dass ich ein geheimes Herzensprojekt plane :-)

Nun ist es endlich soweit! Ich lüfte das Geheimnis. Achtung, der Vorhang hebt sich, ein Tusch ertönt!

Heute eröffne ich meinen eigenen Online-Shop!

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Ab sofort findet ihr "Fräuleins wunderbare Welt" auch auf Dawanda :-)

Die Idee zu meinem eigenen Shop kam mir schon vor etwa 3 Jahren. Aber dann kam immer eines zum anderen und es ergab sich nie. Vielleicht war die Zeit auch einfach noch nicht reif dafür?! Damals spukte mir die Idee im Kopf herum, Postkarten zu gestalten. Hintergründe sollten jeweils Fotos sein, die ich geschossen habe, und die dann mal mit und mal ohne Text bedruckt werden. Nun ist einiges Wasser den Dortmund-Ems-Kanal hinuntergeflossen und zu der ursprünglichen Postkarten-Idee gesellten sich nach und nach immer mehr Ideen. Und es spukte in meinem Kopf und wirbelte und drehte sich :-) Heraus kam eine bunte Mischung!

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Ab sofort könnt ihr in meinem Shop folgendes finden:
  • Postkarten: bisher alle mit Text und ideal zum Verschicken oder selbst behalten
  • DIN A4-Drucke: perfekt für die Wandgestaltung
  • Kugelschreiber: mit einem kleinen Spruch versehen, der zum Schmunzeln anregt / der Schaft besteht aus Bambus
  • Bleistifte: 2 veschiedene mit je einem schmunzelnden Spruch / der Schaft besteht einmal aus Recyclingpapier und einmal aus 25 % recyceltem Jeansstoff
  • Ich-darf-Karten: diese erinnern uns an all die Kleinigkeiten, die wir uns häufig und ständig selbst verbieten, obwohl wir sie natürlich eigentlich dürfen
Alle Produkte sind von mir selbst erdacht, detailliert ausgearbeitet und gestaltet worden. Die Bilder habe ich selbst fotografiert und bearbeitet. Ihr seht: da steckt jede Menge Herzblut und Feuereifer von mir drin!

Anfangs stand ich bei der technischen Umsetzung meiner gedanklichen Ideen vor einigen großen Fragezeichen. Doch mit der Zeit wurde ich immer besser in der Photoshop-Verwendung und ich lernte relativ schnell, welche Anforderungen eine "druckfähige" Datei erfüllen muss. Einige Male war ich kurz vorm Verzweifeln als ich nicht weiterkam und mich irgendeine Hintergrundeinstellung fast um den Verstand brachte, weil ich den Fehler partout nicht finden konnte. Doch dank der tollen Unterstützung von Corinna, Nina und Heike habe ich einiges dazugelernt und konnte dann ziemlich erleichtert immer wieder weitermachen!

Aber nicht nur die Technik stellte sich alle paar Tage quer. Auch meine inneren Selbstzweifel begehrten immer wieder auf und wurden gerade dann laut, wenn ich den jeweils nächsten Schritt gehen wollte. Meine Glaubenssätze schrien mich z. B. gerade an dem Morgen ziemlich an, als ich die Gewerbeanmeldung durchziehen wollte. Glaubt mir, das war ein zäher innerer Kampf, aber wie ihr euch denken könnt: ich bin als Siegerin hervor gegangen! Die Freude, als ich endlich den Gewerbeschein in Händen hielt, war riesig und ich war mega stolz auf mich :-)

Mit jedem weiteren gelungenen Vorwärtsschritt wuchs meine Zuversicht und mein Tatendrang, sodass mich die vielen kleinen Schritte rückwärts nicht mehr bremsen konnten. Gefühlt ging es zwar nur langsam voran, aber nach und nach wuchs der Stapel meiner druckfertigen Dateien immer weiter an und so kam ein Stein nach dem nächsten ins rollen bis sich hier irgendwann die ersten eintrudelnden Pakete stapelten.

Hier seht ihr eine kleine Auswahl von den frisch produzierten Postkarten, Kugelschreibern und  Ich-darf-Karten:

Fräuleins wunderbare Welt Produkte Ware Postkarten Ich-darf-Karten Kugelschreiber

Alle Produkte eignen sich herrlich um sie sich selbst oder auch einem lieben Menschen zu schenken :-) Stöbert einfach in Ruhe in meinem Shop. Kocht euch wie bei vielen meiner Texte einfach eine Tasse Kaffee oder Tee und schaut euch ganz gemütlich um! Fräuleins wunderbare Welt ist als Shop nämlich genauso authentisch, wie hier auf dem Blog!

Gerade die Ich-darf-Karten liegen mir sehr am Herzen! Als es mir dank meiner Depression nicht gut ging, hätte ich genau solche Erinnerungskarten super gut gebrauchen können. Denn gerade wenn es einem nicht so gut geht, verbietet man sich häufig Dinge, die einem eigentlich gut tun würden oder die man einfach gerne tut. Doof, oder? Ich habe mir damals manchmal selbst einen Satz auf einen Zettel geschrieben und mir auf den Nachttisch gelegt oder ins Portmonee gesteckt. Sobald etwas irgendwo "schwarz-auf-weiß" steht, glaube ich es dann doch eher, als wenn ich es mir halbherzig selber zuflüstere! Und jeder dieser kleinen Zettel war ein wahrer Segen. Umso häufiger ich las, was ich alles darf (z. B. "Nein!" sagen!), umso mehr verankerte es sich in meinem Gehirn, ich erprobte das eigentlich positive Verhalten immer wieder und so wurde es mit der Zeit zu einer Selbstverständlichkeit. Als ich mich im Internet nach einer etwas professionelleren Lösung als meinen handgeschmierten Zetteln umsah, fand ich nix passendes. Und wie es ja meist so ist: da war die Idee geboren, selbst welche herzustellen! Die Ich-darf-Karten, die ihr oben auf dem Bild seht, haben die Maße wie eine typische Visitenkarte und ihr bekommt sie im Set zu 20 Stück in einem hübschen Schiebekarton:

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Mit diesen Karten möchte ich euch eine Unterstützung bei der Selbstfürsorge mit auf den Weg geben. Sie können euch helfen, mehr auf euch und eure Bedürfnisse zu achten! Wenn ihr euch mehr von den Dingen erlaubt, die auch richtig gut tun, merkt ihr bestimmt ziemlich schnell, wie toll sich das anfühlen kann. So ganz ohne schlechtes Gewissen! Das geht natürlich nicht von heute auf Morgen, weil die alten Verhaltensweisen meist sehr tief verwurzelt sind. Aber die Karten sind als Reminder oder Erinnerungsstütze an positive Dinge gedacht und kontinuierliches Dran-Denken und Schrittweises-Umsetzen hat schon so manchem langfristig geholfen ;-) Kleine Rückschritte gehören natürlich wie bei allem im Leben dazu, aber die Ich-darf-Karten bleiben bei ihren Botschaften und weichen nicht davon ab! 

Auch meine anderen Produkte zielen in diese Richtung: es geht um Entschleunigung, Achtsamkeit, Freundschaft und Humor. Genau die Zutaten, die uns helfen, den Alltag auf eine gesunde Art und Weise zu meistern :-)

In meinem Shop findet ihr an vielen Ecken dieses tolle Logo:

Fräuleins wunderbare Welt Logo
Das Mädchen an ihrem Luftballon symbolisiert für mich genau die Leichtigkeit, die ich mir in meinem Leben und in meinem Alltag wünsche. Als ich mich an Logo-Entwürfe setzte, war diese Skizze ziemlich schnell in der engeren Auswahl. Die professionelle Umsetzung habe ich dann aber doch der lieben Kirsten überlassen, die mich schon lange von ihren zeichnerischen und handletterischen Fähigkeiten überzeugt hat :-)

Die ersten 40 Bestellungen bekommen von mir übrigens einen sehr zum Logo passenden Luftballon geschenkt:

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Um mir selbst etwas Glück zu wünschen, habe ich einen der Ballons mit Helium füllen lassen, bin mit ihm spazieren gegangen und...

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... habe ich ihn mit meinen Wünschen zusammen fliegen lassen ...

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Doch nun genug geredet und eingeleitet. Ab gehts in meinen Shop, der hiermit offiziell seine Pforten für euch öffnet!

In der Eröffnungswoche bekommt ihr mit dem Code: "Esgehtlos" übrigens 10 % Rabatt!

Nun wünsche ich euch ganz viel Freude bei Stöbern, Umschauen und Fündigwerden in meinem Shop :-D




(Während ihr das hier lest, stellt euch mich bitte mit einem dicken Grinsen im Gesicht vor, stolzgestreckten Schultern und einer Menge Kribbeln in den Fingern! Und natürlich ein paar leisen Selbstzweifeln, ob da nun überhaupt einer hin klickt und sich neugierig umschaut... Ihr kennt das, die guten alten Zweifel...)

Montag, 6. März 2017

Frisches Brennessel-Pesto ganz fix selbst gemacht

Ganz langsam ergrünt die Natur und trotz vielen grauen Regenschauern entdecke ich jeden Tag ein Fleckchen mehr Farbe vor der Haustür.

Auf meinem Balkon habe ich seit letztem Jahr einen Kübel mit Brennesseln, die gerade Stück für Stück wieder größer werden. Dass ich Brennesseln habe, kam eher zufällig, weil ich Erde vom Kompost meines Freundes geholt hatte, um ein paar Blumen umzutopfen, und die Samen scheinbar in der Erde verborgen waren. Als ich die Erde dann etwas länger unberührt stehen ließ, sprossen die kleinen brennenden Freunde ganz schön zielstrebig. So topfte ich sie in einen leeren Kübel und konnte von da an fleißig die Samenstände snacken, die übrigens sau gesund sein sollen und für teuer Geld auch käuflich erwerblich sind. Bis in den Winter hinein hatte ich dank meines urban gardening immer frische Blätter für leckeren Tee. Im Winter verwelkten die Stengel dann und ich schnitt sie bis zur Erde hin zurück.

Die letzten Tage fing ich dann wieder an mir frischen Tee aus den jungen Trieben zu zu bereiten, der ordentlich entwässert und gut für den Säure-Basen-Haushalt sein soll. Doch die Brennesseln eignen sich auch hervorragend zum Essen in einem Wildkräutersalat (dann aber sehr klein geschnitten, damit es nicht ausversehen auf der Zunge brennt) oder zum Trinken im Smoothie. Was man über die brennende Pflanze so hört, ist sie eine tolle Heilpflanze und soll u. a. gegen Blasenbeschwerden, Eisenmangel, Entzündungen helfen und kann dazu beitragen, die Verdauung bestens in Schuss zu halten. 

Bei mir landeten die Brennesseln diesmal in einem Pesto. 

 Brennessel Pesto Wildkräuter Rezept Heilkräuter Kochen Balkongarten urban gardening

Zutaten: 
  • 150 gr Cashewnüsse
  • 2 handvoll Buchweizen
  • eine Schüssel voll Brennesseln (etwa 5 handvoll)
  • Olivenöl
  • Knoblauchzehen (eine bis Ende offen)
  • 1/2 Glas getrocknete Tomaten 
  • Stück Parmesan
  • Salz, Pfeffer

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Zubereitung:

Die Nüsse und den Buchweizen in einer heißen Pfanne ohne Fett etwas anrösten.

Gebt dann alle Zutaten zusammen in einen Mixer und püriert sie ordentlich. Beim Olivenöl schaut einfach, wie die Konsistenz des Pestos ist und gebt dementsprechend nach und nach immer mehr zu.

Schmeckt das Pesto zum Schluss Salz und Pfeffer ab.

Füllt es in ein Schraubglas. Wenn ihr es nicht direkt komplett aufesst, gebt eine Schicht Olivenöl oben drauf. So luftdicht verschlossen hält sich das Pesto ein paar Tage!

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Mir hat es hervorragend mit gekochten Nudeln geschmeckt :-)

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Das von vielen Menschen so verabscheute "Un"-Kraut zählt seit letztem Jahr bei mir zu den beliebtesten Wildkräutern und ist aus meiner Küche nicht mehr weg zu denken. Es wächst praktisch überall und ist so vielseitig einsetzbar. Sobald die Stängel auf Balkonien länger werden, möchte ich mir welche trocknen und klein häckseln. Das Pulver soll sich lange Zeit halten und die tollen Inhaltsstoffe in z. B. Smoothies transportieren.

Schaut euch einfach mal in eurer Umgebung um, wo ihr die Brennessel entdecken könnt. Solange es nicht direkt an einer beliebten Hunde-Pinkel-Stelle oder einer sehr stark befahrenen Straße ist, könnt ihr euch ja vorsichtig abgezupft mal ein paar Blätter mit heim nehmen. 

Wie steht ihr zu Brennesseln? Lieber Finger-weg oder eher Oh-wie-toll? Habt ihr noch Rezeptideen für mich?

Donnerstag, 2. März 2017

Wie meine Glaubenssätze mein Leben bestimm(t)en

Lange Zeit lebte ich einfach vor mich hin. Ich war ich und das war mal mehr oder mal weniger gut. Damals hinterfragte ich zwar schon einiges und vermutlich wesentlich mehr, als der durchschnittliche Ottonormalverbraucher (einfach, weil ich dazu neige, alles zu zerdenken und zu hinterfragen), aber dass es in mir etwas namens "Glaubenssätze" geben könnte, das war mir völlig fremd. Weder kannte ich das Wort, noch ahnte ich, was sie für einen Einfluss auf mein Leben haben.

Doch seit meiner Diagnose "Depression" interessiere ich mich immer mehr für Zusammenhänge, Hintergründe und Verhaltensweisen/-muster. Und so kam ich irgendwann auf Glaubenssätze und was genau sie mit mir anstellen.

An Glaubenssätzen habe ich so einige in mir. Etliche habe ich in den letzten Jahren erkannt und kann sie laut aussprechen, weil ich sie greifbar in Worte packen kann. Andere schlummern noch in mir drin und beeinflussen mich, ohne dass ich sie bisher identifiziert habe.

Diese Sätze sind vielfältig und beeinflussen meine Wahrnehmung, mein Verhalten, meine Stimmung. Sie bestimmen, wie ich Ereignisse wahrnehme, bewerte und abspeichere. Mein Innerstes tut so, als wenn sie Realität wären. Als wenn sie die einzige unumstößliche Wahrheit wären und das so klar und endgültig ist, dass ich da eh niemals gegen ankommen würde, sollte ich es je versuchen (was natürlich eh vollkommen lächerlich wäre, denn schließlich ist es doch halt nun mal so). 

Um mal ein paar Beispiele zu nennen, was ich so alles in mir drin als feste Realität verankert habe:
  • Ich bin dick. 
  • Ich bin unsportlich. 
  • Ich bin langweilig. 
  • Ich habe einen viel zu großen Kopf. 
  • Ich sollte längst tot sein oder noch besser, gar nicht erst geboren. 
  • Ich bin nichts wert. 
  • Ich muss meine Bedürfnisse unter die von allen anderen stellen. 
  • Nur, wenn ich etwas leiste, bin ich etwas wert. 
  • Ich darf mir keine Pause gönnen, denn ich habe sie nicht verdient. 
  • Wenn ich einen Wunsch verfolge und versuche, ihn Realität werden zu lassen, werde ich scheitern. 
  • Ich habe es nicht verdient glücklich zu sein. 
  • Ich verdiene es nicht, geliebt zu werden.
  • Ich bin hässlich und die Menschen dürfen über mich lachen. 
  • Alles, was ich anfasse, geht schief. 
  • Meine Worte werden nicht ernstgenommen. 
  • Ich muss schlimme Situationen aushalten. Ohne, dass man mir anmerkt, wie scheiße es mir dabei geht.
  • Ich bin ein Weichei.  
  • Es interessiert niemanden, wie es mir geht. 
  • Ich muss funktionieren und darf keine Schwäche zeigen.

Doch woher kommen diese Glaubenssätze? Durch meine Erziehung und durch meine Erfahrungen. In meiner Kindheit bin ich jahrelang durch einen Menschen geprägt worden, den es seit mittlerweile 15 Jahren nicht mehr in meinem Leben gibt. Das war eine bewusste Entscheidung von mir. Dieser Mensch hat viele Dinge zu mir gesagt, die man niemals zu einem Kind sagen sollte. Daraus entstanden dann sehr viele meiner Glaubenssätze. Da ich als Kind vielleicht ahnte, dass diese Worte nicht der kompletten Wahrheit entsprechen, mich jedoch als abhängiges Geschöpf gerade in sehr jungen Jahren nicht wehren konnte, prägen mich diese Sätze bis heute. Zu oft fielen zu viele negative Aussprüche, bestärkt noch durch das entsprechende Verhalten in Bezug auf mich. Als Kind habe ich dadurch gelernt, dass ich nichts wert bin und zu nichts gut. Dass ich zu fett bin und eh besser abgetrieben worden wäre (ja, das wurde mir mehr als einmal ins Gesicht gesagt).

Doch auch außerhalb meines Zuhauses machte ich ähnliche Erfahrungen. In der Schule wurde ich bereits in der ersten Klasse regelmäßig verprügelt, mir wurden Dinge geklaut oder zerstört. (Meine damalige Klassenlehrerin war mit der gesamten Klassen-Situation überfordert und fiel für mehrere Monate aus. Die folgende Lehrerin war auch nicht viel durchgreifender.) Als ich einmal von einem Mitschüler kräftig auf den Kopf geschlagen wurde, sagte einer meiner Lehrer nur, ich solle mich ans offene Fenster setzen und meinem Mitschüler einen Sonnenstrahl schicken.

Ihr könnt euch denken, wie es dann weiterging. Die immer fortwährenden Ablehnungen und die fehlende Unterstützung von erwachsenen Bezugspersonen oder auch von Gleichaltrigen bestätigten die Aussprüche, die ich bereits schon seit meiner Geburt kannte. Ein schöner Teufelskreis war entstanden: die verletztenden und demütigenden Worte, die ich immer wieder hörte, wurden durch mein alltägliches Erleben untermalt und festigten sich immer mehr. Ohne dass ich es merkte, entstanden so die Glaubenssätze in meinem Kopf. Es wurden mehr und mehr. Auch als ich größer war, kamen natürlich immer noch welche dazu.

Selbst wenn mir jemand sagte, was ich für ein toller Mensch sei, hielt ich es für völligen Blödsinn, weil diese Aussage erst einmal durch den Filter der Glaubenssätze musste. Dort wurde diese dann recht schnell als Lüge entlarvt. Was nicht sein darf, das kann auch nicht sein. Wie könnte ich denn auch so anmaßend sein, dass ich denke könnte, ich wäre etwas besser als der letzte Dreck?

Doch als ich irgendwann hörte, dass es so etwas wie "Glaubenssätze" gibt, wie sie wirken, wo sie herkommen, da dämmerte mir langsam, dass vielleicht doch nicht aaaaalles so der Realität entspricht, wie meine innere Stimme mir das weismachen möchte. Nach und nach versuchte ich die in mir verankerten Glaubenssätze zu identifizieren. Sie zu erkennen, sie wahrzunehmen. Sie in Worte zu packen. Und: ich achtete darauf, wann sie wieder aktiv sind. Wann also etwas nicht in Wirklichkeit so negativ ist, wie es mir in meinem Kopf erscheint. Wann liebe Worte vielleicht auch einfach liebevoll gemeint sind. Wann ich mir selbst Steine in den Weg lege, weil ich davon ausgehe, dass es eh nicht klappt, weil bei mir nie etwas klappt. Wann ich mich selbst für etwas herunterputze, was eigentlich nur halb so schlimm bis überhaupt nicht tragisch ist. Wann meine Gedanken in Selbsthass umschlagen.

Ja, genau das taten sie und tun sie bisweilen bis heute. Wenn ich mit etwas sehr unzufrieden bin oder mehrere Tage am Stück nur scheiße passiert, schlägt meine schlechte Laune in Selbsthass um. Statt die Situation zu verfluchen oder auf jemanden wütend zu sein, hasse ich mich selbst dafür. Sehr clever und sehr gesund diese Reaktion. Mittlerweile weiß ich das. Aber lange Zeit war es mein normales Verhalten und somit für mich völlig natürlich. Wut war mir lange Zeit sehr fremd. So fremd, dass meine damalige Therapeutin mehrmals zu mir sagte, dass sie die bei mir echt vermisst. Aber warum sollte ich auch Wut äußern? Was würde es bringen? Ich hatte es schließlich verdient, dass mir etwas schlechtes widerfuhr und daran war ich selbst schuld. Einfach, weil ich ich war.

Zum Glück habe ich in den letzten Jahren viel dazu gelernt und viel an mir gearbeitet. Mittlerweile erkenne ich (meistens), wenn die Glaubenssätze anspringen und mir so einen völlig überflüssigen Scheiß einreden wollen. Dann kann ich gegensteuern indem ich innehalte. Durch diese Achtsamkeit kann ich die Situation von außen betrachten und sie relativieren. Was ist gerade "wahr" und was spielen mir die Glaubenssätze vor? Und so kann ich Schritt für Schritt neue Glaubenssätze verankern und alte als reine Lüge abspeichern. Das braucht lange und viele Wiederholungen. Es erfordert Kraft, mich  meinen Gedanken zu stellen und mein Verhalten und meine Gefühle dazu zu überarbeiten. Doch es geht.

Als ich im Winter bei dem Wochenend-Workshop war, ist mir noch einmal viel bewusst geworden. Viele innere Türen haben sich geöffnet und Prozesse wurden angestoßen. Die zwei Wochen nach dem Kunsttherapie-Wochenenden waren für mich sehr aufwühlend und ich war sehr verletztlich. Alte Wunden, auf denen ein wenig Schorf lagerte, wurden erneut aufgerissen. Andere traten überhaupt erst wieder zutage, von denen ich gar nicht mehr wusste, das es sie überhaupt gab. Doch in dieser Zeit heilte viel. Es war eine sehr anstregende und schmerzhafte Zeit, weil ich viele Emotionen noch einmal durchlief. Doch ich merke, dass ich einige Glaubenssätze hinter mir lassen konnte. Bei anderen bin ich auf einem guten Weg.

Leider gibt es immer noch Momente, wo die alten Prozesse anspringen und ich mich automatisch alten Verhaltensmustern füge. Zu tief sind sie verankert. In diesen Momenten werden die Glaubenssätze wieder wahr und der Selbsthass setzt ein. Es fühlt sich an wie ein riesiger Rückschritt. Doch sobald ich mir dessen bewusst werde, achtsam hinschaue und versuche Abstand zu gewinnen, wird es besser. Ich merke, dass diese Phasen (noch) dazu gehören. Und ich spüre, dass sie wichtig sind, damit ich mir der Glaubenssätze immer wieder bewusst werde, solange sie noch in mir schlummern. Bis sie irgendwann einmal komplett durch positive ersetzt sind, dauert es noch sehr lange. Wer weiß, ob ich jemals alle aus meiner Kindheit loswerde. Vermutlich nicht. Aber ich möchte gesünder damit umgehen und nicht automatisch im Selbsthass landen. Das fühlt sich nämlich echt nicht gut an.

In den letzten Monaten habe ich immer wieder bewusst hingeschaut, hinterfragt und versucht neue Glaubenssätze zu verankern. Das fühlt sich gut an. Es kostet Kraft, aber es lohnt sich.

Es lohnt sich immer für sich selbst zu kämpfen und sich nicht aufzugeben.

Glaubenssätze Depression psychische Erkrankung Hoffnung


Wie geht es euch mit Glaubenssätzen? Habt ihr euch damit schon einmal auseinander gesetzt? Wie beeinflussen sie euch und euer Leben? Wie geht ihr mit ihnen um?