Montag, 23. Januar 2017

Arya: eine hilfreiche App für Menschen mit Depressionen -- heute im Interview: die Mitbegründerin Kristina Wilms

Am Anfang vom Winter stieß ich zufällig über einen Bericht über eine App namens "Arya", die für Menschen mit Depression entwickelt wurde. Sie soll helfen, die eigenen Emotionen und Verhaltensmuster zu erkennen und sich dadurch besser wahrzunehmen. In einem selbst wählbaren Rhythmus fordert Arya einen auf, mehrere kurze Fragen zu beantworten, die auf die gerade jetzt gefühlte Wahrnehmung und das Körperempfinden abzielen. Da ich damals in einer recht instabilen Phase meiner Depression war, lud ich mir die App ziemlich direkt auf mein Smartphone.

Arya App Depression psychische Erkrankung Hilfe Therapie Unterstützung Startup Kristina Wilms
Auch wenn der Text auf dem Bild in englisch ist: Arya ist auch auf deutsch einstellbar!

Danach habe ich Arya für mehrere Wochen täglich genutzt. Für mich war es sehr hilfreich kontinuierlich 2 mal am Tag dazu aufgefordert zu werden, kurz in mich hinein zu hören, wahrzunehmen und in Worte zu fassen, was gerade in mir los ist. Dadurch bekam ich ein Gefühl dafür, was mich bewegt, wann meine Stimmung umkippt oder was auch evtl. der Auslöser für eine schlechte Laune sein konnte. Da eine Frage auch ist, wie ich in dem gerade geschilderten Moment reagiert habe, fing ich an, mein Verhalten zu hinterfragen. Was war, wie fühlte ich mich, wie habe ich reagiert? Und ganz wichtig: welche körperlichen Symptome merke ich wie?

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Arya war für mich wirklich sehr hilfreich um einen Zugang zu dem sich damals anbahnenden und dann rechtzeitig abgewendeten Tief zu finden. Sie ist übersichtlich gestaltet, einfach zu bedienen und integriert sich dadurch perfekt in meinen Alltag.

Nachdem ich so gute Fortschritte bei mir selbst feststellen konnte, wurde ich neugierig. Wer steckt dahinter? Wie kam man darauf, diese App genau so zu entwickeln? Und wie geht es weiter? Bei meiner Recherche stieß ich auf Kristina Wilms. Sie war Mitbegründerin der App-Idee und hat selbst Depressionen. Kurzerhand schrieb ich sie an und fragte, ob ich sie und die App hier vorstellen dürfe. So herzlich, wie ich sie im Internet beschrieben gefunden hatte, so herzlich reagierte sie auch auf meine Anfrage :-)

Deshalb wünsche ich euch nun viel Spaß bei unserem Interview:


1.) Wer bist du und woher kommst du? 

Mein Name ist Kristina, ich bin 30 Jahre jung und lebe seit knapp zwei Jahren in Berlin, ursprünglich komme ich aus dem Rheinland. Ich habe nach dem Abitur BWL, Philosophie und Kunst studiert und wollte unbedingt in der Entwicklungszusammenarbeit arbeiten, weil ich einerseits die ganze Welt erleben wollte (will) und andererseits wollte ich meine Fähigkeiten dafür einsetzen, die Welt ein bisschen besser zu machen.


2.) Bei dir wurde die Depression 2012 diagnostiziert. Wie lange hast du gebraucht, bist du die Krankheit akzeptieren und als einen Teil von dir annehmen konntest?

Das hat sehr lange gedauert und ist ein fortwährender Prozess. Zunächst kam 2012 die Diagnose und löste bei mir große Erleichterung aus, weil ich endlich ein "Label" und eine Begründung für meine Verfassung hatte - zuvor dachte ich einfach, dass ich nicht auf diese Welt gehöre, ich fühlte mich wie ein Mängelexemplar. Mit der Zeit verstand ich mich und meine Erkrankung immer besser. Ich glaube, dass ich innerhalb der letzten 12 Monate einen großen Schritt in Richtung Akzeptanz gemacht habe.


3.) Einige kennen dich bestimmt schon durch den vor einiger Zeit ausgestrahlten Beitrag bei RTL Extra. Hier hast du uns an deinem Videotagebuch, das du ein Jahr lang geführt hast, teilhaben lassen. Wie war es für dich, mit deinem sehr persönlichen Video an die Öffentlichkeit zu treten?

Um ehrlich zu sein, habe ich zuvor gar nicht so richtig darüber nachgedacht, welche Konsequenzen das alles haben würde. Sogar am Tag der Ausstrahlung war ich vollkommen entspannt: Ich habe selber seit Jahren keinen Fernseher mehr und habe nicht damit gerechnet, dass Menschen wochentags um 22:15 Uhr (Termin der Ausstrahlung) diesen Beitrag sehen. Außerdem wusste ich ja selber nicht, was die Redakteurin mit dem Material gemacht hat. Ich habe sie zuvor bekniet, damit sie mich nicht blamiert, aber auch ich kannte das Ergebnis nicht. Den Beitrag selber habe ich übrigens nie gesehen. Zwar habe ich mich damals mit Freunden getroffen, um das Filmchen anzuschauen, aber schon nach ein paar Minuten musste ich den Raum verlassen, weil es mir so unglaublich unangenehm war. Nun liegt die DVD in meiner Schreibtischschublade. Eingepackt.


4.) Du hast viel Resonanz nach der Ausstrahlung bekommen. Wie war das für dich? Gab es auch negative Kommentare oder Rückmeldungen? Und wie bist du mit denen umgegangen? Gingen sie dir sehr nahe?

Ja, die Resonanz war extrem und auch extrem unerwartet für mich. Ich weiß noch, dass meine Kollegen mir zunächst verboten haben die Arya-Facebookseite anzuschauen, weil sie vorher die negativen Kommentare entfernen wollten (ich war sowieso schon total durch den Wind), aber da gab es keine negativen Kommentare. Auch in meinen Emails und meinen privaten Nachrichten fand sich kaum eine negative Rückmeldung. Ob negativ oder positiv: Die vielen und häufig sehr persönlichen Rückmeldungen und Geschichten anderer Betroffener gingen mir sehr sehr nah. Ich habe nächtelang nicht geschlafen und saß oft weinend vor meinem Laptop, weil ich es so unglaublich fand, was Menschen mir da offenbarten.


5.) Du bist Mitbegründerin der App Arya. Was bedeutet der Name "Arya"?

"Arya" kommt aus dem Sanskrit und bedeutet "wahrer Held". Weil wir finden, dass psychische Erkrankungen die Betroffenen einfach zu echten Helden machen.


6.) Wann kam dir das erste Mal der Gedanke, dass du eine solche App entwickeln möchtes? Und: hast du erst nach etwas ähnlichem gesucht und einfach nichts passendes gefunden oder wie genau kamst du überhaupt auf die Idee? 

Ich war damals in ambulanter Therapie und habe mich darüber geärgert, dass das Erledigen meiner therapeutischen Hausaufgaben (vornehmlich Stimmungsprotokolle) eine riesige und chaotische Zettelwirtschaft verursachte. Ich ärgerte mich darüber, dass das Erledigen so umständlich war und so wenig alltagstauglich. Da hat man ne Depression und muss sich zusätzlich noch mit so etwas rumschlagen - das fand ich doof. Außerdem fühlte ich mich zwischen den Therapiestunden schlecht betreut. Ich wünschte mir, dass die Inhalte der Therapie besser in meinem Alltag integriert waren.
Damals habe ich manchmal meine Stimmungen in meinen Kalender im Smartphone eingetragen. Die Apps, die ich auf der Suche nach Lösungen gefunden habe, fand ich aber nicht so passend. Außerdem wollte ich ein System, das ich mir nicht selber suchen muss, sondern das einfach Teil der Therapie ist, standardmäßig halt.


7.) Wie hat sich dein Team gefunden? Kanntet ihr euch bereits vorher oder seid ihr durch die Idee zusammen gewachsen?

Das ist eine lange und sehr außergewöhnliche Geschichte:
Wir kannten uns vorher nicht. Das war alles sehr zufällig. Damals habe ich eine Email in meinem Spam-Ordner beantwortet, in der es hieß: Hast du eine Idee für eine App, dann schick sie uns!
Das habe ich gemacht und meine Idee für meine "Depressions-App" in ein paar Zeilen formuliert. Ein paar Tage später erhielt ich einen Anruf. Ich hatte ein Ticket für den Startup Bus Europe gewonnen. Das ist ein Hackathon, wo leicht verrückte Designer, Programmierer und Menschen wie ich zusammenkommen, um irgendwelche Ideen umzusetzen. Dort habe ich Purcy meinen jetzigen Mitgründer kennen gelernt. Und wir haben damals übrigens die Veranstaltung gewonnen mit meiner Idee :)


8.) Ihr seid als überschaubares Start-Up gestartet. Wie läuft es zur Zeit?

Zur Zeit arbeiten 3 Leute Vollzeit bei Arya und 2 zusätzliche Menschen in Teilzeit.
Es läuft im Prinzip ganz gut - seit einem Jahr sind wir Teil eines Inkubator Programms, um Arya fit für den ersten Gesundheitsmarkt zu machen.


9.) Ihr habt einige Partner und Sponsoren an Bord geholt. Soll die App so auch zukünftig kostenfrei bleiben? 

Unser Ziel ist es Arya als Teil der Regelversorgung zu integrieren, so dass die klassischen Kostenträger (Krankenkassen und Versicherungen) die Kosten übernehmen.


10.) Wie viele Menschen nutzen derzeit die App? Sind es bisher nur Menschen mit Depressionen oder wird das Tool auch schon von Therapeuten oder Kliniken genutzt? 

Bisher haben etwas mehr als 30 000 Menschen die Basisversion von Arya heruntergeladen.
In diesem Jahr (also quasi jetzt) starten wir mit der Integration in das therapeutische Setting. Wir planen mind. ein Pilotprojekt mit Kliniken und natürlich die Zusammenarbeit mit Therapeuten im ambulanten Setting.


11.) Ich habe auf eurer Homepage gelesen, dass ihr die App so weiter entwickeln möchtet, dass man einfacher mit seinen Freunden/seiner Familie in Kontakt bleibt und dass die App durch die Einträge lernt, genau im richtigen Moment eine Aktivität vorzuschlagen, die einem gut tut. Das klingt sehr spannend! Habt ihr hier schon einen ungefähren Zeitplan, ab wann diese Features nutzbar sein werden? 

Wir arbeiten zur Zeit an der Planung der verschiedenen Features und haben das Konzept nochmal sehr stark verändert.


12.) Was ist deine Zukunftsvision für die App? Wo soll es hingehen, was erträumst du dir, welche Ziele habt ihr euch gesetzt?

Wir möchten Betroffene in allen Phasen ihrer Erkrankung begleiten - dabei helfen einen Therapieplatz zu finden, Wartezeiten überbrücken, die Therapie unterstützen und Rückfälle vermeiden, wir wollen eine Gemeinschaft schaffen, die sich gegenseitig unterstützt.
Das wichtigste für mich ganz persönlich an dem "Projekt" ist allerdings eine andere Sache: Und zwar einen Beitrag dafür zu leisten, dass Depressionen bzw. psychische Erkrankungen im Allgemeinen gesellschaftlich akzeptiert werden wie Zahnschmerzen oder ein gebrochenes Bein. Es soll möglich sein offener und "normaler" über seelische Gesundheit zu sprechen und die seelische Gesundheit soll genauso wichtig und ernstzunehmen sein wie körperliche Gesundheit.


Arya App Depression psychische Erkrankung Hilfe Therapie Unterstützung Startup Kristina Wilms



Vielen Dank, liebe Kristina, dass du dir die Zeit genommen hast, meine Frage so offen und so detailreich zu beantworten! :-)


Seid ihr nun neugierig geworden? Dann schaut euch mal die Internetseite von Arya an! Auch wenn die App natürlich keine fundierte Therapie ersetzt, so ergänzt sie sie sehr gut und hilft auf einfache Weise, seine Depression im Alltag zu beobachten und sich selbst und sein Verhalten etwas besser zu verstehen. Ohne viel Brimborium, großen Zeitaufwand oder tiefes Technikwissen.
 
Probiert es aus und empfehlt es Menschen, denen Arya auch ein Stück auf ihrem Weg raus aus der Depression helfen kann!


Sonntag, 22. Januar 2017

Ist "behindert" ernsthaft ein Schimpfwort? Die Antworten von mir und meiner Zwillingsschwester

Seit ich denken kann, beschimpfen sich Menschen in meiner Gegenwart als "behindert" oder "Spasti". Seid ich denken kann, finde ich das nicht gut. Aber wer bin ich, dass ich anderen Menschen sagen kann, was sie sagen dürfen oder nicht?

In der 3. Klasse beschimpfte mich ein Mitschüler mal als "behindert". Da ging es mich dann doch was an. Ich ging zu unserer Klassenlehrerin und erzählte ihr davon. Auch davon, dass ich das unmöglich finde, weil schließlich meine Zwillingsschwester körperbehindert ist und ich das Schimpfwort deshalb noch schlimmer finde. Meine Klassenlehrerin reagiert sehr, äh, pädagogisch wertvoll: sie ging zu meinem Mitschüler und er sollte innerhalb einer Woche einen Aufsatz darüber verfassen, "wie schlimm eine Behinderung ist". Ja, ernsthaft. (Den Aufsatz hat er übrigens nie abgegeben und für meine Lehrerin war das Thema damals auch erledigt.)

Nun habe ich mich über all die Jahre damit abgefunden, dass die Menschheit seltsame Wörter benutzt um sich gegenseitig zu beschimpfen. Einige Wörter werden heute für gewöhnlich nicht mehr akzeptiert, wie z. B. "Neger". Andere sind immer noch sehr inflationär geläufig, wie z. B. "schwul" und halt auch "behindert".

Komischerweise werde ich immer wieder von Menschen gefragt, ob es ok ist, "behindert" als Schimpfwort zu benutzen, schließlich hätte ich ja eine behinderte Schwester und könne das doch nun beurteilen. Und man wolle damit meine Schwester nicht diskriminieren. Es sei halt ein Wort des normalen Sprachgebrauchs geworden.

Nö, kann ich das nicht beurteilen. Ich finde "behindert" und "Spasti" als Schimpfwörter nicht richtig, aber ich kann damit leben, dass man sie benutzt. Doch: ich selbst bin nicht behindert und fühle mich dementsprechend durch diese Wortwahl auch nicht diskriminiert.

Vor kurzem sprach Raul Krauthausen über Political Correctness. In meinen Augen fasst er sehr gut zusammen, wie sich jemand mit einer Behinderung bei diesen Wörtern fühlt. Außerdem weist er darauf hin, wer für gewöhnlich entscheidet, ob Wörter diskriminierend sind oder nicht.

Seine Worte haben mir nochmal vor Augen geführt, dass ich der völlig falsche Ansprechpartner bin, um die Frage "Ist es okay, wenn ich "behindert" sage?" mit richtig oder falsch beurteilen zu können.

Deshalb habe ich nun meine Zwillingsschwester gefragt. Sie hat seit unserer Geburt eine Tetraspastik, wodurch sie nicht sprechen kann und für die meisten Mitbürger in die Kategorie "geistigbehindert" fällt. Wenn es besonders gut läuft, rutscht sie bei besagten Leuten auch direkt in die Schublade: "Hätte man das nicht mit einer Abtreibung verhindert können?". Nö, hätte man nicht. Sauerstoffmangel bei der Geburt lässt sich halt nicht vor der Geburt diagnostizieren und kommt auch heutzutage immer noch vor. Und: Nö, sie ist nicht geistig behindert, sondern voll kognitiv da und ein durchaus sehr selbstbestimmter Mensch mit eigener Persönlichkeit. Ihre Sprechbehinderung gleicht sie durch einen Talker und eine sehr aktive Mimik aus. Für beides muss halt der Gegenüber die Augen und Ohren offen haben und sich nicht schon durch Vorurteile verblendet abwenden.

So, diese meine Schwester habe ich nun gefragt, wie sie es findet, dass "behindert" so häufig als Schimpfwort verwendet wird.

Scheinbar ist das Wort "scheiße" nicht im Grundvokabular ihres Talkers enthalten (was ja auch schon einiges über die Programmierer dieses Grundvokabulars aussagt bzw. darüber, welche Wörter Menschen wie meine Schwester in ihren Augen häufig verwenden).

"Doof" war ihr aber zu schwach.

Deshalb lautete ihr Antwort:

"Doofer!"

Wenn ich nun zukünftig nach meiner Absolution zu bescheuerten Schimpfwörtern gefragt werde, werde ich meine Zwillingsschwester zitieren.





Ninia LaGrande hat hier übrigens sehr lesenswert zusammen gefasst, was sie von dem Wort "Zwerg" in Bezug auf Menschen mit Kleinwuchs hält.

Nadine von NaLos-Mehrblick hat hier ihre Sichtweise zu dem Thema verschriftlicht. 

Und Mareice vom Kaiserinnenreich hat ihre Erlebenisse als Mutter einer Tochter mit Behinderung hier geschildert.

Samstag, 21. Januar 2017

Ein Winterspaziergang im Lippepark Hamm - und etliche im Nirvana verschwundene Fotos, die ihr nun nicht zu sehen bekommt

Nach dem Frühstück fuhren Mina und ich heute in den Lippapark Hamm. Der war mir ignoranterweise unbekannt, bis ich vor drei Wochen dieses Foto von Ina auf Instagram sah.

Neugierig geworden schaute ich direkt im Internet nach, was dieser Lippepark genau ist. Seit 2012 ist ein Teil, seit 2014 ein weiterer Teil des Lippeparks für Besucher freigegeben. Und seit 2016 entstehen hier als sogenannte "Haldenzeichen" diese orangenen Spiralen, die natürlich auch begehbare Aussichtspunkte sind. Bis 2020 sollen alle Spiralen fertig sein.

Lippepark Hamm Haldenzeichen Schacht Franz Ruhrgebiet Ruhrpott Industriekultur Ausflug Halde

Lippepark Hamm Haldenzeichen orangene Spirale Schacht Franz Ruhrgebiet Ruhrpott Industriekultur Ausflug Halde

Lippepark Hamm Haldenzeichen orangene Spirale Schacht Franz Ruhrgebiet Ruhrpott Industriekultur Ausflug Halde

Auf insgesamt 42 ha kann man hier auf dem ehemaligen Gelände des Schacht Franz gemütlich herspazieren, die Aussichten genießen, auf 5 Schaukeln schaukeln, bei wärmeren Temperaturen auf der großen Spielwiese grillen und mit Kindern auf mehreren toll gestalteten Spielplätzen spielen. Die Spielplätze sind verteilt über das ganze Gelände und mit verschiedenen Spielgeräten ausgestattet. Es gibt auch einen mit Sandspieltisch, der mit einem Rollstuhl erreichbar und so auch für Kinder mit Rolli bespielbar ist. (Generell sind übrigens so gut wie alle Wege barrierefrei erreichbar und meist mit einem Blindenleitsystem ausgestattet.)
Im "Funpark" kann man alle möglichen Sportarten ausüben: skaten, mountainbiken, Basketball oder Fußball spielen, eine kleine Kletterwand erklimmen oder auch einen Parcour erturnen.

Lippepark Hamm Haldenzeichen Schacht Franz Ruhrgebiet Ruhrpott Industriekultur Ausflug Halde

Diese großen Steine liegen verteilt über die Halde und laden im Sommer vermutlich zum Sitzen ein. Ein anderer Zweck, neben dem Fotografieren, ist mir nicht eingefallen: 

Lippepark Hamm Haldenzeichen Schacht Franz Ruhrgebiet Ruhrpott Industriekultur Ausflug Halde

Lippepark Hamm Haldenzeichen Schacht Franz Ruhrgebiet Ruhrpott Industriekultur Ausflug Halde

 Von Schülern wurden mehrere Kunstobjekte aus ehemaligen Bergbauutensilien angefertigt:

Lippepark Hamm Haldenzeichen Schacht Franz Ruhrgebiet Ruhrpott Industriekultur Ausflug Halde

Am Ort der interreligiösen Begegnung stehen fünf Stahltore und fünf Stehpulte, die zum Dialog über die fünf Weltreligionen anregen sollen: 

Lippepark Hamm Haldenzeichen Schacht Franz Ruhrgebiet Ruhrpott Industriekultur Ausflug Halde


Von diesen tollen Schaukeln gab es eigentlich noch mehr Fotos:

Lippepark Hamm Haldenzeichen Schacht Franz Ruhrgebiet Ruhrpott Industriekultur Ausflug Halde

Genauso auch von der orangenen Aussichtsbrücke, die über die Halde hinaus ragt, sowie vom Funpark und überhaupt vom ganzen Gelände. Als ich vorhin die Fotos auf den Laptop ziehen wollte, zeigte mir das Dialogfeld eine fleißige Aktivität an. Tja, angekommen sind aber nur ein paar der vielen Fotos. Die anderen sind weg. Verschwunden. Im Nirvana des Übertragungskabels verloren gegangen :-( Ich habe alle Ordner abgesucht, den Papierkorb aktualisiert, die Speicherkarte untersucht. Nichts. Sie sind weg :-( Deshalb stellt euch den Rest einfach so vor. Oder noch besser: fahrt selbst in den Lippepark und schaut euch alles mit eigenen Augen an! 

Mina und ich waren heute nur in einem Teil des Lippeparks. Sobald es etwas wärmer ist, möchte ich aber unbedingt noch zum Barfusspfad. Und natürlich auf jeden Fall noch mal schaukeln mit Fernsicht!



Wenn ihr noch mehr Infos zum Lippepark sucht, dann schaut mal auf diesen zwei Seiten der Stadt Hamm:
Leider sind die Infos nicht gesammelt auf einer Seite, deshalb klickt euch am besten auf beiden Seiten durch. 


Montag, 16. Januar 2017

Blogvorstellung: Meine Schwester tot und ich hier

Ende letzten Jahres stieß ich abends eher zufällig auf einen Blog, der mich erst wegen des ungewöhnlichen Titels ansprach und, als ich dann die Beschreibung der Autorin las, direkt in Herz und Bauch berührte. 

Auf "Meine Schwester tot und ich hier" erzählt Claudia von ihrer behinderten Zwillingsschwester und ihrer gemeinsamen Kindheit, bevor ihre Schwester im Alter von 5 Jahren starb. Sie findet dabei sehr offene, klare Worte, die eindrücklich ihre damalige Wahrnehmung beschreiben. Ihre Zwillingsschwester nennt sie dabei liebevoll Prinzessinenschwester. Außerdem erklärt sie, wie sie sich seit dem Tod ihrer Schwester "hälftenhaft" fühlt. Ein Wort, das ich zu gut verstehe.

Meine Schwester tot und ich hier Blogvorstellung behinderte Schwester Kind

Ohne es zu ahnen, hat Claudia eines der größte Angstthemen von mir berührt: dass meiner Zwillingsschwester, die ja ebenfalls eine Behinderung hat, etwas zustößt. Durch ihre präzisen und doch einfach gehaltenen Texte fesselte sie mich vom ersten Satz an und ich las ihren Blog an dem betreffenden Abend einmal komplett von Anfang bis zum damalig letzten veröffentlichtenText. Neugierig geworden auf die Person hinter dem Blog schrieb ich sie kurzerhand an und fragte sie, ob ich sie interviewen und ihren Blog bei mir hier vorstellen dürfe. Sie schickte mir liebe Worte zurück und bejahte meine Interviewanfrage :-) Und hier kommen meine Fragen und ihre Antworten:


Du hast deinen Blog im Frühling dieses Jahres gestartet. Ich habe gelesen, dass du das anlässlich des 20. Todestages deiner Zwillingsschwester getan hast. Wie kam es dazu? Hattest du schon länger die Idee oder war es spontan?

Die Idee, den Blog zu starten, kam ziemlich spontan. Im Februar war der 20. Todestag meiner Schwester, was sich schon ziemlich seltsam anfühlte, weil 20 eine große Zahl ist für sowas. Ein paar Tage später redete ich mit einer Bekannten darüber. Sie meinte, dass ich vielleicht sowas wie eine Kette bräuchte, die mich an meine Schwester erinnert und die ich immer bei mir tragen könnte. Ich verstand die Idee dahinter, zumindest einen Teil der Trauer aus meinem Körper auszulagern. Ich wollte aber keine Kette und kam dann ohne viel nachzudenken auf die Idee mit dem Blog. Das fühlte sich richtig an, vielleicht, weil ich schon immer viel geschrieben habe.


Du nennst deine Zwillingsschwester eine Prinzessinnenschwester, was ich sehr schön finde. Welche Rolle hast/hattest du? Bist du auch eine Prinzessin?

Meine Schwester war eine ziemlich coole Prinzessin mit abstehenden Haaren und vielen Dienern. Ich bin keine Prinzessin, aber die Schwester einer Prinzessin, was auch schon ziemlich cool ist. Manchmal wollte ich gerne eine Prinzessin sein, manchmal auch überhaupt nicht, weil das Leben als Prinzessin schon ziemlich langweilig sein kann. Prinzessinnen liegen viel herum und machen nichts und spielen nie und sie müssen sich immer benehmen.
Oder kurz: Meine Schwester war eine Prinzessin, weil sie eine Behinderung hatte und aufgrund dessen eben so war, wie sie war. Ich war keine Prinzessin, weil ich keine Behinderung hatte.


Deine Wortschöpfung der "Hälftenhaftigkeit" beschreibt die fehlende Hälfte. Die Lücke, die deine Zwillingsschwester in dir hinterließ. Ist das Gefühl bei dir immer da oder ist mal stärker, mal schwächer? Hast du für dich einen Weg gefunden, um diese Leere zu füllen, wenn das Gefühl immer stärker wird? Lenkst du dich ab, denkst du an sie, machst du sonst irgendetwas um deiner Hälftenhaftigkeit zu begegnen?

Dieses Gefühl gehört zu mir und ist immer da, mal mehr, mal weniger. Das ist okay, es wäre auch komisch, wenn ich dieses Gefühl nicht hätte. Ich habe keine Regel dafür, was ich tue, wenn das Gefühl stark wird. Es darf, es muss stark sein, weil meine Schwester ist tot. Es darf auch still und leise sein und trotzdem da, weil ich lebe.


Träumst du viel von euch beiden? Und wenn ja, wie sehen die Träume aus? Seid ihr noch Kinder oder ist deine Schwester auch erwachsen geworden? Was passiert in deinen Träumen?

Ich erinnere mich generell selten an Dinge, die ich geträumt habe, eigentlich nie. Ich habe bisher nur einmal von meiner Schwester geträumt, vor etwa zwei Jahren. Im Traum war ich erwachsen und meine Schwester ein Kind. Mir meine Schwester im Erwachsenenalter vorzustellen, das ist etwas, das nicht funktioniert, von daher ist es wohl logisch, dass sie im Traum etwa so war, wie ich sie in Erinnerung hatte.


Wie feierst du deinen Geburtstag? Hast du vielleicht ein Ritual um zumindest in Gedanken mit deiner Zwillingsschwester gemeinsam zu feiern?

Die Tatsache, dass meine Schwester tot ist, beeinflusst sehr wenig die Art, wie ich meinen Geburtstag feiere, eigentlich gar nicht. Natürlich ist es ein komisches Gefühl, wenn ich daran denke, dass wir zusammen auf die Welt gekommen sind und sie jetzt tot ist. Aber das ist ja nicht nur an unserem Geburtstag so, das ist ja an allen Tagen so.


Du hattest nur fünf gemeinsame Jahre mit deiner Zwillingsschwester. Viel zu kurz. Und doch ist dort viel passiert, was dich bis heute prägt. Merkst du an dir Verhaltensweisen oder Emotionen, die du ohne die gemeinsamen Jahre nicht hättest? Bist du z. B. verschlossener, emotionaler, einfühlsamer als du es ohne deine Zwillingsschwester wärest?

Es ist immer schwer zu sagen, was woher kommt, aber das mich diese Erfahrung sehr geprägt hat, davon gehe ich aus. Wenn man miterlebt, wie die Schwester stirbt, dann bedeutet es ja nicht nur, dass die Schwester nicht mehr da ist, das zieht ja unglaublich viel mit sich und erschüttert die ganze Welt, in der man bisher gelebt hat und sich sicher gefühlt hat.
Der Tod meiner Schwester hat mir ein Stück weit meine Leichtigkeit und mein Vertrauen in das Leben genommen, meine Unbeschwertheit. Und er hat vielleicht etwas Angst, Traurigkeit, Ernsthaftigkeit und Tiefe in mein Leben gebracht.


Konntest du dich in den Jahren nach ihrem Tod zu dir selbst entwickeln? Hast du eigene Hobbies oder Interessen heraus gefunden oder warst du durch dieses endgültige Ereignis zu sehr in Gedanken bei deiner Schwester? Wie gehst du heute damit um? Trotz des Gefühls der Hälftenhaftigkeit, spürst du auch dich selbst?

Ich war schon immer ich selbst, auch als meine Schwester noch lebte und nach ihrem Tod. Als Kind und auch heute bin ich nicht unablässig in Gedanken bei meiner Schwester, das ist eher ein Gefühl, das immer da ist, mal mehr, und mal weniger, aber selten als Gedanke. Ich muss nicht daran denken, um zu wissen, das meine Schwester tot ist, das ist ein Gefühl im Körper. Ich hatte schon immer sehr viele Interessen und Hobbys. Auch als meine Schwester noch lebte, habe ich viel ohne sie gemacht, viele Dinge, die sie nicht konnte. Ich habe viel mit meiner großen Schwester gespielt und mich ziemlich normal entwickelt. Natürlich bin ich ich und ich spüre mich. Ich bin ziemlich normal, würde ich sagen.


Viele Menschen sprechen dir das Recht ab zu trauern, weil deine Zwillingsschwester behindert war und der Tod damit in ihren Augen damit eine "Erlösung" darstellt. Ich finde diese Aussage unmöglich und sie macht mich unglaublich wütend. Jeder Mensch ist ein Mensch. Und wenn ein Mensch stirbt, dann "darf" man trauern und auch noch nach Jahren traurig über den Tod sein. Wie ist das bei dir? Empfindest du auch Wut über solche Sätze? Oder hast du diese Sätze zu lange gehört und bist abgestumpft?

Naja, ich denke schon, dass Menschen diese Sätze benutzen, um mich zu trösten oder weil sie der Ansicht sind, dass sie lieber sterben würden anstatt mit der Behinderung meiner Schwester zu leben. Das ist etwas, was ich nachvollziehen kann. Manchmal erkläre ich dann, wie ich den Tod meiner Schwester als Kind erlebte, dass ich ihn nicht als Erlösung erlebte, sondern als große Gemeinheit. Das können die meisten Menschen dann nachvollziehen. Viele Menschen können jedoch nicht nachvollziehen, dass ich um meine Schwester als Mensch trauere, weil meine Schwester gar nichts konnte und auch eigentlich nichts sein konnte. Sie verstehen nicht, wie man jemand lieben kann, der einfach nur da war und nichts weiter. Das wiederum kann ich nachvollziehen, weil ohne meine Schwester wüsste ich wahrscheinlich auch nicht, dass das geht. Ich habe das Glück, dass ich die Schwester sein konnte, die damit aufgewachsen ist, für die das normal war, die das mit dem Herz sehen konnte und nicht mit dem Verstand sehen musste. Ich bin nicht diejenige in der Geschichte, die um ihr Leben gerungen hat, nicht diejenige, die sie gepflegt hat, nicht diejenige, die ihr Leiden gesehen hat und nicht diejenige, die sich auf ein gesundes Kind gefreut hat. Von daher, nein Wut empfinde ich nicht, und mit Abstumpfung hat das auch nichts zu tun, ich glaube, es braucht Verständnis auf beiden Seiten. Ich erzähle manchmal von meinen Empfindungen, damit die Leute sehen, dass es noch mehr als ihre eigene Sicht gibt.


Glaubst du an ein Leben nach dem Tod?
Ich glaube nicht an ein Leben nach dem Tod. Das ist auch ziemlich okay für mich.


Ein ganz herzliches Dankeschön an Claudia! Danke, dass du meine Fragen so ausführlich beantwortet hast! Danke für deine Zeit und Mühe. Und danke, dass du deinen Blog gestartet hast und uns mitnimmst in deine Erinnerungen und Gefühle!

Montag, 2. Januar 2017

Mein 2016 - ein Rückblick auf ein sehr abwechselungsreiches Jahr, wo ich häufig von meinem Weg abgekommen bin und es auch so ganz anders verlief, als ich zu Beginn gedacht hätte


2016 ist rum, 2017 fängt gerade an. So wie schon im letzten Jahr habe ich die letzte Woche überlegt, was war 2016? Was ist alles passiert? Wie bin ich ins Jahr reingegangen, wie bin ich aus dem Jahr rausgegangen? Was habe ich alles erlebt und gesehen? Welche Menschen und welche Momente haben mein Herz berührt? Wann war ich enttäuscht, verletzt oder wütend? Diese Rückblicke helfen mir Veränderungen und Fortschritte wahrzunehmen. Außerdem kann ich so für einen Moment innehalten, die Zeit stoppen und die vermeintlich rasende Zeit anhalten. Indem ich mir bewusst mache, was ich alles erlebt habe, verlängert sich das gefühlt sehr kurze Jahr 2016. Die kleinen Dinge, die das Jahr ausmachen, rücken schnell in den Hintergrund und gehören der Vergangenheit an. Dabei sind es genau diese Momente, die gesammelt eine ganze Menge (meist schöner) Lebenszeit ausmachen.

Jahresrückblick Wald wandern barfußwandern Wanderschuhe Moos Hund Winter Achtsamkeit Entschleunigung

Los gehts also:

In 2016 war ich viel draußen und viel in Bewegung. Gestartet ist das Jahr mit vielen Wanderungen (z. B. hier zum Hohenstein, zur Halde Speckhorn, durch die Haard und die Westruper Heide, von Witten nach Wetter, zur Ruine Isenburg). Um genügend Muskeln dafür zu haben, begann ich mit regelmäßigen Workouts (Youtube sei dank!). Um meine strapazierten Muskeln genügend zu dehnen, machte ich noch häufiger Yoga als in den zwei Jahren davor. Im Sommer schenkte ich mir zum Geburtstag einen Ausleihtag eines Mountainbikes. Als damit das Feuer entfacht war, begann ich die etwas schwierige Suche nach einem eigenen Mountainbike für mich mit sehr kurzen Beinen und dazu im Verhältnis langem Oberkörper. Im Herbst wurde ich fündig und habe seit dem einige Kilometer und Höhenmeter auf meinem ersten eigenen Mountainbike zurückgelegt. Mittlerweile kann ich übrigens drei Treppenstufen am Stück runterfahren!

Während ich von klein auf mit dem Glaubenssatz aufgewachsen bin, dass ich unsportlich bin, habe ich im Laufe von 2016 gemerkt, dass da vielleicht gar nicht so viel dran ist. Am Jahresende kann ich zwar noch nicht tief und fest überzeugt sagen, dass ich sportlich bin, aber ich bin auf einem guten Weg dahin. Derzeit lautet mein Glaubenssatz: "Ich bin ein bißchen sportlich.". Der ist für mein Selbstwertgefühl Gold wert und viel mehr, als ich mir am Jahresanfang erträumt habe.

Außerdem war ich viel in der Natur während der Gartenarbeit im Garten meines Freundes, auf Barfussrunden im Wald und eigentlich so gut wie immer, wenn es irgendwie ging. Den Wald habe ich als wichtigen Rückzugsort für mich manifestiert. Er ist mein Ruhepol, wenn mein Gehirn zu voll ist. In manchen Momenten brauche ich Wasser um zur Ruhe zu kommen. Diese verschiedenen Bedürfnisse habe ich gelernt zu erspüren und dann auch die für mich in diesem Moment passenden Orte aufzusuchen. Die Achtsamkeit hat mir hierbei große Dienste erwiesen!

Es gab aber auch Momente, da war mein Zuhause mein sicherer Ort. Mein Rückzugsplatz, wenn mir die Welt und ich selbst mir zu viel wurden. Mein Alltag unterscheidet sich in manchen Momenten immer noch von einem "normalen" Alltag ohne Depression (was "normal" hierbei bedeutet, bleibt jedem selbst überlassen, aber ich merke einfach, dass die Krankheit einen Einfluss auf mein (Er-)Leben hat). Der Suizid vom Bruder eines Freundes hat mich sehr nachdenklich gemacht und mir gezeigt, wie sehr ich manchmal Angst vor der Angst vor der Depression habe. Im Frühling habe ich gespürt, wie wichtig mir Auszeiten nur mit mir allein sind. Im Sommer hat mich die Depression besucht und ist für einige Wochen geblieben. Ich habe mit Hilfe zweier Notfallstunden bei meiner ehemaligen Therapeutin die Ursachen erkennen und benennen können. Außerdem hat sie mir geholfen Handlungen für die Zukunft abzuleiten. Ich habe viele Schritte nach vorne gemacht, aber auch einige nach hinten. Doch ich habe gelernt, dass diese ok sind. Sie sind ein Teil des Weges und sie gehören dazu.

Dann waren da noch folgende chronologische Ereignisse:

Im Februar wurde ich Patentante eines tollen kleinen Menschen :-) Auch wenn der Kleine in Köln wohnt, werde ich regelmäßig mit Fotos versorgt und wir haben uns auch schon einige Male gesehen und ordentlich miteinander gespielt!

Im Frühling erschienen meine Schwestern und ich in der "Freundin"! Das war ein tolles Gefühl sich selbst in so groß abgelichtet zu sehen und zu wissen, dass den Artikel nun einige Menschen lesen werden :-)

Im Sommer habe ich regelmäßig 5 Minuten mit vermeintlich überflüssigen Beschäftigungen veschwendet und so aus 5 Minuten einen gefühlt viel längeren Zeitraum gewonnen. Zu meinem Geburtstag im Juni habe ich aufgeschrieben, wer ich bin und was mich ausmacht. Dieses sehr bewusste Beschäftigen mit mir selbst war ziemlich aufschlussreich und an einigen Stellen auch überraschend :-) Außerdem ging eine eigentlich sehr enge Freundschaft zu Ende. Auch wenn sich das Ende in den letzten zwei Jahren immer deutlicher angekündigt hat, habe ich gebraucht, um es zu akzeptieren und damit abschließen zu können.

Für Mina und mich als ihre Hundemama war der Herbst die schlimmste Zeit. Ihre Leishmaniose-Diagnose hat uns komplett aus der Bahn geworfen. Es war sehr turbulent mit einigen echt Scheiß-Momente, wo ich dachte, dass sie stirbt. Doch dank der Nahrungsumstellung, der vielen krassen Medikamente und einer ordentlichen Portion Kampfgeist ihrerseits ist sie über den Berg!

Im Oktober hat mich Alizeti besucht und nach ungefähr 3 Jahren Online-Freundschaft haben wir ein paar Tage gemeinsam hier in Dortmund verbracht. Die Zeit war sehr bereichernd für mich und hat mir mal wieder gezeigt, was ich dank des Bloggens für tolle Menschen kennengelernt habe.

Außerdem habe ich den Herbst genutzt, um einige Dinge zum ersten Mal zu tun. Das hat mir geholfen mehr im Hier-und-Jetzt zu sein und die Zeit mal wieder etwas langsamer vergehen zu lassen.

Im November war ich bei einem Kunsttherapie-Workshop-Wochenende für erwachsene Geschwister behinderter Menschen, bei dem es schwerpunktmäßig um die Arbeit mit dem inneren Kind ging. Dieses Wochenende hat mich stark bewegt und viel in mir gelöst. Einiges geschah in meinem Unterbewusstsein und ich habe nur die Kraftanstrengungen gemerkt, die ich brauchte, um endlich einige alte Wunden heilen lassen zu können. Einiges war für mich aber auch greifbar und ich konnte es bewusst be-/verarbeiten. Diese Wochen waren nicht leicht, aber sie waren wichtig. Sehr tiefe Dinge kamen ins rollen und sie bewegen sich immer noch. Ich nehme mich noch ein Stück weit besser wahr und verstehe Zusammenhänge in mir drin noch eindeutiger. Die innere Kindarbeit ist für mich sehr wichtig geworden und hilft mir deutlich weiter. Doch sie ist auch sehr anstrengend und macht mit empfänglich für Verletzungen und Kränkungen. Gerade wenn ich so angreifbar bin, sauge ich jedes negative Wort in meiner Nähe auf und brauche ich viel Nähe, die mir zeigt, dass ich trotz meiner momentanen Schwäche liebenswert bin. Das ist für mich neu. Während ich bis vor einigen Jahren Nähe nur schwer zu lassen konnte, habe ich gerade 2016 gelernt, dass ich sie in vielen Momente brauche. Das Erspüren dieses Bedürfnisses war mir sehr neu, zeigt mir aber auch einen Fortschritt in der Wahrnehmung von mir selbst. 

Über das Jahr geblickt, war es ein sehr schmerzhaftes Jahr. Sowohl meine Frauenärztin als auch mein Zahnarzt haben ordentlich scheiße gebaut, sodass ich über mehrere Monate schmerzhafte und blutige Behandlungen über mich ergehen lassen musste. Nun habe ich beide Ärzte gewechselt. Hier hätte ich jeweils schon viel eher auf mein Bauchgefühl hören sollen, das bereits sehr früh in Alarmstellung gegangen ist. Aber ich wollte die eigentlich harmlos gestarteten Behandlungen noch zu Ende bringen und danach die Ärzte wechseln. Hätte ich da geahnt, wie lange sich das alles hinzieht... Tja, hinterher ist man immer schlauer. 

In 2016 habe ich so wenig gebloggt, wie noch nie, seit es diesen Blog gibt. Aber für mich fühlte es sich tiefer an, persönlicher. Die wenigen Blogposts sprachen mir noch mehr aus dem Herzen und haben mir in vielen Momenten sehr geholfen. Genauso wie eure lieben Kommentare! Vielen Dank für eure Rückmeldungen und Worte! Das Bloggen ist weiterhin ein wichtiger Bestandteil meines derzeitigen Alltages, genauso wie die Menschen, die ich hierüber kennengelernt habe.

Die Kleidergröße, die ich dank des Antidepressivums mehr bekam und trotz des Absetzens Mitte 2015 nicht verlor, ist im Laufe des Jahres wieder kleiner geworden. Ein Heilpraktiker hat Anfang des Jahres eine ausführliche Darmkur gemacht, um eigentlich etwas anderes zu behandeln. Doch das hat meinen Stoffwechsel endlich wieder angekurbelt und so purzelten über die vergangenen Monat ein paar cm runter. Dank des Muskelaufbaus durch die Workouts sehe ich auf der Waage zwar nicht so viel, aber ich kann endlich wieder ein paar ältere Hosen tragen. Außerdem hatte mir der Heilpraktiker geraten auf reine Kuhmilch zu verzichten, weil mein langsamer Stoffwechsel dadurch zu sehr beschwert wird und es u. a. deshalb zu meinem Heuschnupfen und meiner Hausstauballergie kommt. 11 Monate merke ich es: mein Heuschnupfen war so schwach wie schon lange nicht mehr und meine Hausstauballergie spüre ich nur noch in sehr staubigen Wohnungen und bei zu lange nicht frischbezogener Bettwäsche.

2016 war das erste komplette Kalender-Jahr, das ich mit meinem Freund verbracht habe. Es gab viele schöne Herzensmomente, tolle Erlebnisse und viel zu lachen. Die Tage bzw. Wochen in Einruhr, in Schweden und in Zandvoort waren einmalig und unglaublich erdend.


Alles in allem war mein Jahr vieles. Viel schönes, viel aufregendes, viel schmerzhaftes, viel anstrengendes. Rückblickend wundert es mich fast, dass ich bei all den stark Energie fressenden Momenten nicht komplett den Boden unter den Füßen verloren habe. All die Schmerzen von mir, die Krankheit von Mina, aber auch Unfälle im familiären Umfeld und noch einige Scheiß-Momente, auf die hier nicht näher eingehen möchte. Und doch gab es genügend positive, Energie bringende Momente. Ich habe tolle Freunde, die mir beistehen und die mich verstehen (und wenn sie mich mal nicht verstehen, mich so akzeptieren wie ich bin). Ich habe Familie, die mir wichtig ist.

Nun liegt 2017 vor mir. Ich bin kein Fan von Vorsätzen, die dann nach ein paar Tagen oder Wochen eh über Bord geworfen werden. Aber ich habe ein paar Pläne und Ideen im Kopf, die ich gerne realisieren möchte:
  • noch mehr bei mir sein und mich noch weniger fragen, was mein Umfeld gerade braucht/macht/denkt/fühlt. Dadurch möchte ich meine immer wieder auftretenden Gedankenkreise stoppen und unnötige Kraftanstrengungen in mir drin reduzieren. 
  • weitere negative Glaubenssätze erkennen, benennen und durch positivere ersetzen
  • noch mehr Fokus auf Achtsamkeit (= wahrnehmen ohne zu bewerten) und dadurch einen noch besseren Zugang zu mir selbst finden
  • einen angefragten Kunsttherapieplatz bekommen (der vom Umfeld her hoffentlich auch passend für mich ist) um weitere alte Verletzungen endlich heilen zu lassen
  • mehr auf mein Bauchgefühl hören
  • meine zwei Zähne endgültig in Ordnung bringen lassen 
  • viel Zeit in der Natur verbringen
  • einen Basickurs mit meinem Mountainbike absolvieren
  • mal wieder in einer Kletterhalle klettern gehen
  • mehr Barfussgehen und hierbei vom Fersengang zum Ballengang wechseln (neu angeschaffte Barfusswanderschuhe mögen mich hierbei unterstützen)
  • Alizeti in der Schweiz besuchen
  • einen schön sonnigen Sommerurlaub verbringen (möglichst ohne Sonnenbrand, der aufgrund der geplanten südlicheren Lage aber so gut wie absehbar ist)
  • ein Projekt an den Start bringen, an dessen Umsetzung ich die letzten Wochen gefeilt habe
  • viele Herzensmomente mit meinem Freund verbringen
2017, ich freu mich auf dich!