Dienstag, 24. Oktober 2017

Einige Gedanken zum Thema Stress und was meine Depression damit macht während ich euch zu einer Wanderung zur Heilenbecke Talsperre in Ennepetal mitnehme

Vor kurzem schien noch die herbstliche Sonne über NRW. Mina und ich haben diese Chance genutzt und uns zu einer netten, überschaubaren Wanderung nach Ennepetal aufgemacht. Die dortigen Wälder sind uns noch nicht so geläufig, doch als ich auf eine Talsperre (genauer gesagt: die Talsperre Heilenbecke) stieß, wollte ich gern eine waldige Runde mit etwas Wasser verknüpfen.

Heilenbecke Talsperre Ennepetal Wanderung Rundtour Wald Herbst Hund Depression Gedanken Stress

Leider waren die Wege sehr schotterig und wenig naturbelassen, auch wenn sie natürlich herrlich laubbedeckt waren. Auch wenn an barfußgehen nicht zu denken war (so schmerzresistent bin ich an den Füßen dann doch noch nicht), reichten die Temperaturen für Wandersandalen.

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Trotz des sonnigen Himmels trafen wir kaum Menschen, was ich bei solchen Waldrunden ja sehr bevorzuge um den Kopf schön frei zu laufen und zurück zu mir selbst zu finden.

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Wer mir auf Instagram folgt, hat bestimmt mitbekommen, dass die letzten drei Wochen sehr stressig waren. Da ich dies bereits vorher absehen konnte, habe ich immer wieder versucht genügend Auszeiten und Rückzugszeiten für mich einzuplanen. Doch viele Termine, Zeitdruck und Stress führten mich viel ins "Außen", sodass mein "Innen" viel zu kurz kam. Dabei finde ich genau dort meine Ruhe, meine Ausgeglichenheit und meinen Weg fort von der Depression.

(Raphael von "The Ocean in your mind" hat das hier auch sehr schön beschrieben.)

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Während ich mit Rückenschmerzen, zu flachem Atem aufgrund von Stress, aber auch aufgrund von verkrampften Muskeln, Bauchschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Schlafproblemen und Gedankenkreisen kämpfte, war ich mir dennoch bewusst, dass die stressige Phase eine absehbare Zeitspanne umfasst. Irgendwann wird sie vorbei sein und ich erlange die vermeintlich verloren gegangene Kontrolle zurück. 

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Denn genau diese Gefühl des Kontrollverlustes, der Hilflosigkeit und der Aussichtslosigkeit überkamen mich immer wieder. Während ich früher in solchen Zeiten einfach funktionierte um hinterher mit einer Magen-Darm-Grippe o. ä. flachzuliegen, reagiert mein Körper nun konkreter und zeitnaher. Ich schaffe den Tag über, aber abends bricht das Kartenhaus zusammen. Es gab einige Tage an denen ich mich am liebsten wie ein Häufchen Elend unter der Bettdecke verkrümelt hätte, weil meine Depression bereits im Türrahmen stand und lächelte. Doch Mina war da. Sie hat mir geholfen auch an solchen Tagen vor die Tür zu gehen, sie hat mir Nähe und Wärme geschenkt.

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Auch wenn sich diese Einbrüche sehr drastisch anfühlten, so waren sie glücklicherweise nicht von Dauer. Hier merkte ich das erste Mal seit der Depressions-Diagnose vor 4 Jahren, dass ich tief drinnen stabiler und resistenter bin. Dass ich mich zwar immer noch manchmal überfordere, dass ich aber nicht mehr so weit gehe, wie es mal der Fall war. Dass ich schneller an meine Grenzen komme, dies viel schneller spüre und mein Körper mir sehr deutliche Warnsignale gibt. Dass ich andersrum aber auch schneller regeneriere und schneller zurück zu mir und meiner Mitte finde.

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Dennoch fiel es mir nicht immer leicht, diese körperliche und psychische Schwächen zu akzeptieren. Schließlich haben andere Menschen doch viel mehr Stress und die stecken das doch mal eben so weg und machen nach Feierabend trotzdem noch völlig entspannt einen auf Halligalli. Wenn diese negative Abwehrhaltung gegen mich selbst hochkam, habe ich versucht mir selbst Verständnis entgegen zu bringen. Ich habe eine chronische Krankheit namens Depression und ich bin einfach nicht so belastbar, wie Menschen ohne diese Krankheit. (Bin ich das wirklich nicht? Oder bin ich vielleicht mittlerweile wieder ein ganzes Stück belastbarer geworden und gehen einige andere Menschen einfach ständig über ihre Grenzen hinaus und zeigen das nur niemandem? Sind meine Stressreaktionen vielleicht völlig normal und ich schaue sie nur intensiver an und achte auf ein gesünderes Gleichgewicht?) Das ist ein Teil von mir und so beschützt mein Körper sich selbst vor einer solch gravierenden Überlastung, die ich ihm damals jahrelang zugemutet hatte und die dann letztendlich zum 9-monatigen Krankenschein führte.  

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Einen Tag gab es, da merkte ich bereits morgens, dass es heute schwierig werden würde. Nachts plagten mich schwere Albträume und so wachte ich ziemlich gerädert auf. Dann entdeckte ich im Meerschweinstall, dass eines meiner beiden Meerschweine nachts gestorben war und das andere neben ihm saß und ziemlich verstört wirkte. Ich versuchte es dennoch. Ich fuhr zur Arbeit, schließlich warteten mehrere Termine auf Erledigung. Doch an dem Tag war das Maß voll und ich gab nach einer Stunde auf. Ja, es fühlte sich an wie Aufgeben, auch wenn es bereits in der dritten der drei Wochen war. 

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Doch es war nur ein Tag. Und ich hatte es zumindest versucht. 

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Am nächsten Tag ging es wieder besser. 

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Solche Wanderungen und Zeiten in der Natur, wie bei dieser Runde zu Heilenbecke Talsperre, brauche ich um runter zu fahren. Ich habe Texte gelesen, wonach es mittlerweile wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass der messbare Stresspegel im Körper sinkt, wenn man Zeit im Wald verbringt. Ich kann das für mich nur unterschreiben. Kein Ort holt mich so schnell wieder runter und erdet mich, wie der Wald. Hierbei kommt es nicht unbedingt auf die zurückgelegte Strecke an. Sondern mir hilft ein möglichst naturbelassener Wald, wenig bis keine Menschen und Mina. Dazu kein Zeitdruck oder Anschlusstermin. Einfach gehen und atmen.

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Auch wenn die drei Wochen sehr an mir und meinen Nerven, meinen Kräften und meiner Stabilität zerrten, führten sie mir trotzdem vor Augen, dass ich in den letzten vier Jahren große Fortschritte gemacht habe. Ich bin auf einem sehr guten Weg zu mir selbst. Nach und nach lerne ich wie ein gesunder Lebensweg für mich aussieht und wie ich es schaffe, meine Ressourcen  nicht komplett leer zu schöpfen, sondern sie regelmäßig aufzufüllen. Auch wenn schon ein ganz schönes Stück hinter mir liegt, so liegt vor mir auch noch ein mindestens genauso langes Stück Weg.

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Falls ihr nun neugierig geworden seid, wo genau ich da lang gewandert bin: ich habe euch die Route hier eingebunden:




Auf dem Weg zur Heilenbecke Talsperre fuhr ich an einem Hinweisschild für einen Wanderparkplatz entlang, bog dort ab, parkte das Auto und ging einfach drauf los. Ich habe bei so etwas immer Komoot an, damit die App meinen Weg aufzeichnet. So weiß ich, dass ich auf jeden Fall den Rückweg finde ;-) Mein eigentlicher Plan sah vor, die Talsperre einmal zu umwandern. Doch genau an dem einen Ende befindet sich ein Parkplatz, sodass dort einige Menschen unterwegs waren. Deshalb entschied ich mich dazu, einfach auf der Bank mit Blick auf die Talsperre eine längere Pause einzulegen und danach den Rückweg durch den menschenleeren Wald anzutreten.


Die superstressige Zeitspanne ist nun vorbei. Doch mein Körper braucht noch etwas um den Stresspegel im Körper zu senken. Der Schwindel lässt allmählich nach, der Bauch rumort noch etwas und meine Zähne sind noch etwas verbissen. Aber es wird.

Kommentare:

  1. So, ich hoffe, Du hast jetzt nicht mehrere Testbeiträge von mir. Über Firefox sah ich nämlich keinen Hinweis darauf, dass der Kommentar abgesendet war und zurück holen konnte ich ihn auch nicht. Von daher versuche ich es jetzt mal über IE, neu.

    Also erstmal finde ich es schön, eine Seite gefunden zu haben, wo jemand über Natur und Depressionen schreibt. Ich bin auch gerne draußen, habe aber kein Auto, so dass ich schauen muss, wo ich hin kann. Allerdings gibt es hier in der Stadt auch schöne Parks und ich wohne nah am Wald.
    Ich kenne das auch, dieses „sich zurück ziehen müssen“ und ich leide darunter, wenn ich nach der Arbeit keine Energie mehr habe, zu irgendwelchen Gruppentreffen zu gehen. Ich kann viel alleine machen, aber es ist doof, wenn wenig Energie für solche Treffen sind, denn viele davon, die regelmäßig sind, sind abends in der Woche.
    Ich hab mal überlegt, auch einen Blog zu eröffnen oder auf Facebook zu schreiben, weiß aber nicht, ob ich genug Text zusammen bekomme, um das jemand mitliest. Daher lese ich derzeit bei einigen Leuten mit, schreibe mal was als Kommentar dazu, etc. .
    Mir tut das gut, draußen, in der Natur und mit Tieren zusammen zu sein. Da ist Ruhe.
    Nur schade, dass das manche nicht verstehen und man (ich) dann Sorge hat, aus dem Kontakt draußen zu sein, wenn man nicht zum Treffen x oder y kommt. So bin ich nur gelegentlich bei meinem Chor. Wäre das einer, der viel Wert auf wöchentliches Erscheinen legt, hätte ich ein Problem.

    Mein erster Text gefiel mir besser, aber ich versuche es jetzt einfach mal, ob es mit dem IE geht. Der andere ist ja nun weg.

    Ein schönes Wochenende wünsche ich!

    Ich gehe gleich auch was raus,
    Sina.

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    1. Liebe Sina,
      herzlich willkommen auf meinem Blog :-) Schön, dass du her gefunden hast!
      Leider scheint es hin und wieder zu passieren, dass Kommentare im Nirvana verschwinden... Sie kommen bei mir nicht an, obwohl der Schreiber sie abgeschickt hat :/ Toll, dass du deinen nochmal geschrieben hast!
      Super, dass du für dich bereits erkannt hast, was dir gut tut und wo deine Grenzen sind. Klar, es ist schade, wenn nach Feierabend die Energie für Gruppentreffen fehlt. Aber wer weiß, vielleicht kommt irgendwann die Zeit, wo du dafür wieder mehr Energie haben wirst?! Schön, dass du es schaffst, gelegentlich zu den Chortreffen zu gehen und das kein wöchentlicher "Zwang" ist!
      Ich wünsch dir genügend Kraft für deinen weiteren Weg und freue mich, wenn du mal wieder vorbei schaust!
      Liebe Grüße, Frauke

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  2. Hallo Frauke,

    danke für die Antwort. Ich fand meinen ersten Text besser, aber nun ist das so. Immerhin ist er jetzt angekommen!!! :-)
    Ich glaub, die Energie könnte steigen, wenn die Arbeit leichter und einiges andere stabiler wäre. ...wenn man einfach mehr hat, auf das man sich verlassen kann (positiv) und eine Arbeit hat, die einem Spaß macht. ...oder wenn man nicht mehr arbeiten muss, aber das geht noch nicht und man braucht am Ende ja dann doch auch Energie, um Dinge für sich machen zu können. Fit im Alter, sozusagen.

    Ich werd´ mich in den nächsten Tagen nochmal ein bisschen hier umlesen. Soviel habe ich von dem Blog noch gar nicht gesehen.

    Liebe Grüße, Sina.

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  3. Ein sehr persönlicher und berührender Bericht. Ich jedenfalls halte dich für sehr stark. Denn nicht viele Menschen haben die Stärke sich ihre Schwächen genau an zu sehen und noch viel weniger schaffen es, sie zu bekämpfen und zu Stärken auszubauen. :) Ich kenne die Gefühle die du beschreibst sehr gut (zumindest glaube ich es nach der Beschreibung - wer weiß schon wirklich wie ein anderer Mensch fühlt). Ich habe oft eine innere Unruhe in mir, die mich so unglaublich unsicher und nervös macht, dass ich glaube überhaupt nichts mehr machen zu können und einfach nur Ruhe ganz für mich allein haben zu wollen, um wieder atmen zu können. Ich nehme in solchen Momenten die Ashwagandha Wurzel ein. Ein altes Naturheilmittel. Es wirkt wie ein Aphrodisiakum, dass die Nerven stärkt und so Laune und Selbstvertrauen verbessert. Vielleicht kann diese tolle Pflanze dir ja auch helfen. Du findest Informationen dazu zum Beispiel hier: vitaminexpress.org/ashwagandha-royal. Ich hoffe, dass du weiter so tolle Fortschritte machst und dein Leben immer mehr genießen kannst. Menschen, die sich selbst viel reflektieren erwartet eine spannende Reise auf dieser Erde. :)

    Alles Liebe von Herzen
    Wanja

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Ich freu mich über jedes liebe Wort von euch :-)