Dienstag, 22. November 2016

Dissoziationen als ein Teil von mir

Das Wort ist für mich ein Zungenbrecher und doch gehört die Symptomatik seit langem zu mir. Dissoziation. Ein Teil meiner Depression, ein Teil von mir, wenn mir mal wieder alles zu viel wird.

Normalerweise nimmt sich jeder Mensch selbst wahr. Er ist eine Einheit, bestehend aus seinen Emotionen, Wahrnehmungen, Erinnerungen, Gedanken, Entscheidungen, bewussten Bewegungen. Und mit dieser Einheit ist er ein Teil seiner Umgebung.

Wenn man an den Punkt kommt, wo einem alles zu viel wird, wenn die äußeren nicht mehr mit den inneren Reizen übereinstimmend verarbeitet werden können, wo man weder ein, noch aus weiß, kann es zu Dissoziationen kommen. Dann reagiert die Psyche und zieht alle Register, um nicht komplett vor die Hunde zu gehen. Die einzelnen Bestandteile der Selbstwahrnehmungen werden gespalten und separat wahrgenommen oder zum Teil ausgeblendet. Damit schützt das Bewusstsein den restlichen Körper vor der Überforderungen, die in diesem Moment so unendlich groß wird, das sie für den Körper nicht mehr aushaltbar scheint. Während der Mensch auf seiner Umgebung völlig normal funktionierend erscheint, schaltet sein Bewusstsein einige Teilaspekte aus, sodass er sich nur noch auf gewisse Bereiche fokussieren muss.

Einige Menschen haben das schon mal nach einem Verkehrsunfall erlebt, wo sie die Zeit nach dem Aufprall keine Schmerzen hatten, diese aber dafür später einsetzten. So schützt das Bewusstsein den Menschen so lange, bis er mehr oder weniger bereit ist mit dem Schmerz umzugehen.

Das Wort "Dissoziation" ist mir erst seit einigen Monaten bekannt. Die Symptome kenne ich schon lange. Lange bevor ich die Diagnose "Depression" bekam. Doch mir fehlten die Worte dafür und es war so sehr ein Teil von mir, dass es für mich selbstverständlich war, dass jeder diese Situationen kennt.

Die Momente, wenn mein Körper taub wird. Wenn ich meinen Körper nicht mehr richtig spüre und er sich für mich unwirklich anfühlt. Wenn ich im wahrsten Sinne des Wortes "neben mir stehe". Wenn meine Bewegungen fahrig und zum Teil etwas unkontrolliert werden. Wenn ich etwas esse und dabei rein gar nichts schmecke. Wenn sich alles wie in einem Traum anfühlt, obwohl ich ja eigentlich hellwach bin. Wenn ich die Außenwelt nur noch durch einen Tunnelblick wahrnehmen kann, während die Geräusche in voller Lautstärke auf mich einprasseln. Meine Atmung wird flacher und panischer und mein Brustkorb immer enger. Mein Herzschlag verdoppelt und verdreifacht sich. (Wo genau eine Panikattacke anfängt, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Aber in solchen Momente bin ich wahrscheinlich nicht sehr weit davon entfernt, wenn nicht schon mittendrin.)

Und während sich mein Gedankenkarussel dreht und dreht und dreht, schaltet sich noch ein Radiosprecher ein, laute Musik ertönt und ich führe innere Monologe, Dialoge und halte mir selbst Vorträge und lasse dabei noch längst geschehene Gespräche und Situationen aus der Vergangenheit aufleben und gehe vor mir liegende Gespräche und Situationen im Geiste durch. Das natürlich parallel, gleichzeitig und in verschiedenen Lautstärken. 

Tagsüber können diese Dissoziationen bei mir einige Minuten, aber auch stunden- und manchmal tagelang andauern. Nachts äußern sie sich in massiven Albträumen, nach denen sich jeder Drehbuchautor von Horrorgeschichten und Thrillern die Finger nach lecken würde. (Ich schaue noch nicht mal den Tatort, weil er mir zu gruselig ist. Die Schrecken, die sich andere Menschen mit einem wohligen Schauer im Fernsehen anschauen, erlebe ich nachts. Das reicht mir.) Dabei verdrängt mein Bewusstsein bestimmte Gefühle/Erinnerungen tagsüber und lässt sie nachts mit voller Kraft auf mich los. Wenn ich dann gerädert aufwache, mir der Traum noch stundenlang sehr präsent nachhängt und mich nicht mehr los lässt, ist es nicht verwunderlich, dass die nächste Dissoziation schon auf mich wartet.

Doch ich habe gelernt. Meine Psyche schickt mir diese (zugegeben sehr massiven) Warnungen, um mich vor einem Tief zu warnen. Weil ich mal wieder in alte Verhaltensmuster verfallen bin, mir zu viel zu mute und an einem Punkt auf "Funktionieren!" umgeschaltet habe, wo ich eigentlich dringend eine "Stop"- oder "Pause"-Taste gebraucht hätte. In mir drin arbeiten dann bereits seit einiger Zeit von mir unbemerkt seelische Konflikte. Das geschieht aus den unterschiedlichsten Gründen und ich versuche währenddessen weg zu schauen (hinschauen und verarbeiten kostet schließlich Kraft, enorme Kraft). Dabei möchten die inneren Konflikte so gern gelöst werden. Das können alte Konflikte von vor zig Jahren sein oder auch ganz aktuelle, gerade oder vor kurzem geschehene. Situationen, die ich nicht für mich ins Reine gebracht habe, fordern mein Bewusstsein und meine Gedanken heraus und möchten aufgedröselt und gelöst werden.

Mit der Zeit habe ich gelernt, Dissoziationen relativ früh zu erkennen und sie auch anzunehmen. Früher habe ich sie erst nicht erkannt, weil sie ja so normal waren und ich sie einfach so hingenommen habe, weil sie halt da sind. Dann habe ich Angst vor ihnen bekommen, weil es hieß, dass dann bald ein Tief über mich kommt. Und jetzt spüre ich die dissoziativen Störungen bereits zeitiger. Das Taubheitsgefühl setzt ein, meine Außenwahrnehmung schränkt sich ein und ich checke: "Achtung, anhalten!".

Um mein Körpergefühl zurück zu bekommen, wende ich verschiedene Dinge an. Je nach Situation bzw. je nachdem, wo ich mich gerade befinde, ist das unterschiedlich. Eiskaltes Wasser über die Handgelenke laufen lassen oder ein gefrorenes Kühlakku im Nacken wirken Wunder. Oder ich gehe bei kaltem Wetter für einige Minuten ohne Jacke nach draußen, um einen Kältereiz zu bekommen. Ich habe mehrere Igelbälle an verschiedenen Orten, die ich dann in meinen Händen knete und über meine Arme und Beine rolle. Ich achte auf meine Atmung. Entweder benutze ich die Lippenbremse, wobei ich die Lippen einen dünnen Spalt öffne und die Luft mit dicken Backen langsam auspuste. Oder ich atme ein, zähle dabei bis 4, atme aus und zähle dabei bis 6.

Wenn die Albträume wieder so schlimm sind, dass ich davon schreiend aufwache und mir jedes grauenhafte Detail noch tagelang im Gedächtnis herumspukt, versuche ich den Dingen auf den Grund zu gehen und zu ergründen, welche Emotionen ich verarbeite und was mir tagsüber fehlt oder was falsch läuft.

Das sind alles Dinge, dir mir sehr gut helfen mit den dissoziativen Störungen umzugehen.

Ich habe gelernt, sie als etwas von mir anzunehmen. Sie sind ein Teil von mir. Sie möchten mir etwas sagen und mich beschützen. Außerdem möchten sie, dass ich lerne, (mehr) auf mich zu achten und mich selbst wertzuschätzen. Denn sie kommen nur, wenn ich genau das nicht tue.

Und deshalb habe ich von Zeit zu Zeit eine Erinnerung im Portmonee oder im Kalender, wie z. B. diese hier:

Dissoziationen Depression Achtsamkeit Selbstwahrnehmung Selbstliebe Erinnerung


Kennt ihr auch Dissoziationen? Wenn ja, wie äußern sie sich bei euch und wie geht ihr damit um? Reagiert euer Körper oder eure Psyche vielleicht auf eine ganz andere Art und Weise, wenn ihr nicht genügend auf euch achtet? Berichtet mir sehr gerne in den Kommentaren darüber!

Montag, 21. November 2016

Advent, Advent, bald brennt ein Lichtlein!

Oh, es geht mit großen Schritten auf Weihnachten zu! Auch wenn ich gefühlt gerade noch nicht wirklich im "Winter" angekommen bin, so bin ich doch schon sehr im Weihnachtsfieber :-) Die Geschenke sind soweit alle gekauft, der Adventskalender für meinen Freund ist fertig und seit vorhin steht auch meine Weihnachtsdeko!

Die grüne Deko stammt vom gestrigen Waldspaziergang, das meiste andere aus meinem jährlich wachsenden Weihnachtsfundus und ein bißchen was ist frisch eingezogen ;-)

Adventskranz Weihnachtsdeko Advent Deko Tannengrün Kerzen DIY

Der Advents"kranz" steht wie jedes Jahr in der Küche auf dem Esstisch. 

Adventskranz Weihnachtsdeko Advent Deko Tannengrün Kerzen DIY Gesteck

Adventskranz Weihnachtsdeko Advent Deko Tannengrün Kerzen DIY Gesteck

Adventskranz Weihnachtsdeko Advent Deko Tannengrün Kerzen DIY Gesteck

Adventskranz Weihnachtsdeko Advent Deko Tannengrün Kerzen DIY Gesteck

Auf meinem Schreibtisch wohnt seit gestern ein Birkenast, der frisch geschmückt als Dekobestandteil herhalten darf. 

Weihnachtsdeko Advent Deko DIY Birkenast Lichterkette Weihnachtskugeln Weihnachtsschmuck

Weihnachtsdeko Advent Deko DIY Birkenast Lichterkette Weihnachtskugeln Weihnachtsschmuck

Weihnachtsdeko Advent Deko DIY Birkenast Lichterkette Weihnachtskugeln Weihnachtsschmuck

Dieser Vogel (Ist es ein Straußenvogel?) war so kitschig und hält dann noch eine Katze auf dem Arm und ein Hund streicht um die Beine, da konnte ich nicht dran vorbei gehen :-) 

Weihnachtsdeko Advent Deko DIY Birkenast Lichterkette Weihnachtskugeln Weihnachtsschmuck

Weihnachtsdeko Advent Deko DIY Weihnachtskugeln Weihnachtsschmuck

Braucht ihr noch Inspiration für Adventskalender oder Ideen für selbstgemachte Geschenke? Vielleicht leckere Kräutersalze? Oder eine Tüte selbstgebrannte Mandeln? Oder Orangenzucker und Kakaolöffel? Dann stöbert gern in meinen älteren Adventsblogposts :-)

Ich wünsche euch einen schönen Start in die Weihnachtszeit!

Freitag, 18. November 2016

Von Himugüegeli und Radler - eine schweizerisch-deutsche Freundschaft

Es gibt Menschen, die habe ich dank des Bloggens kennengelernt. Hierüber sind einige enge, sehr wichtige Freundschaften für mich entstanden. Was für Nicht-Blogger teilweise schwer vorstellbar ist, habe ich selbst erlebt und möchte keinen dieser wertvollen Menschen missen!

So ergeht es mir auch mit Alizeti. Wir kennen uns seit etwa 3 Jahren, bisher nur über unsere Blogs, per Email und Weihnachtskarten. Doch das, was wir bisher über uns wussten, versprach einige Gemeinsamkeiten und Ähnlichkeiten der Interessen, des Wesens und der Lebensanschauung. Deshalb freute ich mich auch sehr, als mich Alizeti im Laufe des Jahres anschrieb und fragte, ob sie mich im Rahmen ihrer längeren Reise in Dortmund besuchen kommen könne :-) Klar, gerne! Die Vorfreude wuchs umso mehr, umso näher der Oktober rückte :-)

Alizeti startete ihre Reise in Heemskerk. Von dort ging es nach Amsterdam und als dritte Station nach Dortmund. Per Instagram verfolgte ich ihre Erlebnisse, die sie unter dem Hashtag #alizetisreise sammelte, mit Spannung und auch mit ein wenig Neid ;-)

Donnerstags wollte Alizeti in Dortmund ankommen und bis zum Sonntag bleiben. Weil ich dabei noch zwei Tage arbeiten musste, instruierte ich sie per Whatsapp, sich am Bahnhof auf jeden Fall eine Waffel am Stiel kaufen zu müssen. Daran hielt sie sich und wurde nicht enttäuscht! Außerdem stellte ich ein paar Infos über meine schöne Stadt zusammen, steckte sie in eine selbstgenähte Tasche und versah diese mit Alizetis Reise-Hashtag. Die Tasche hinterlegte ich in der Jugendherberge, wo Alizeti übernachten wollte, sodass sie direkt eine Begrüßung von mir in Händen halten würde. So konnte sie sich auch am Freitag allein in Dortmund zurecht finden und würde dabei direkt einige viele Café-, Einkaufs- und Sehenwerte-Empfehlungen in Händen halten :-)

Alizeti Reise Tasche sticken Hashtag Dortmund Ruhrgebiet selbstgenäht DIY Geschenk

Als ich sie von der Jugendherberge abholte, war es schon ein bißchen wie ein Blind-Date. Nach drei Jahren sahen wir uns zum ersten Mal live und in echt. Und: wir hörten uns zum ersten Mal sprechen! Wie schön das war, endlich ihren schweizer Dialekt zu hören! (Sie gab sich übrigens viel Mühe so zu sprechen, dass ich sie verstehe. Aber gerade die Einstreuungen von schweizer Wörten amüsierten mich sehr! So auch der "Himugüegeli", der Marienkäfer! Dafür kannte sie natürlich einige typisch deutsche Wörte nicht, wie das "Radler".) Schon nach einigen Sätzen war es aber völlig normal, dass sie plötzlich vor mir stand und wir quatschen drauf los, als wenn wir uns ständig irgendwo auf einen Kaffee treffen würden. Wir stellten beide recht schnell fest, dass wir in Echt genauso liebenswert sind, wie wir das vom Schreiben her erwartet hatten :-)

Am Freitag kam Alizeti nach meinem Feierabend zu mir und wir starteten gemeinsam mit Mina unsere Sightseeing-Tour außerhalb der Innenstadt. Los ging es bei "The Wall" an der Weißenburger Straße.

The Wall Dortmund Weißenburger Straße Graffiti Streetart Analog Lomography
Hier ein Foto mit meiner Fisheye-Kamera.

Dann fuhren wir nach Dortmund-Derne zur Zeche Gneisenau und deren Schaukel. (Ich habe im Frühling 2015 schon mal über den tollen Schaukelblick berichtet.)

Dortmund Derne Zeche Gneisenau Schaukeln Reise Reisebericht Besuch Ruhrgebiet

Dortmund Derne Zeche Gneisenau Schaukeln Reise Reisebericht Besuch Ruhrgebiet

Wenn ihr auf Alizetis Dortmunder-Reisebericht schaut, werdet ihr das Foto sehen, das sie in diesem Moment von mir gemacht hat: 

Dortmund Derne Zeche Gneisenau Schaukeln Reise Reisebericht Besuch Ruhrgebiet

Von Derne aus ging es weiter nach Hombruch zur Halde Gotthelf. (Im Herbst 2014 hatten Mina und ich hier mal einen etwas dramatischen Zusammenstoß mit einem anderen Hund.) Hier wollte ich Alizeti die zwei Plateaus zeigen, wobei gerade das höhere Plateau im Herbst einen wunderbaren Blick über das bunt eingefärbte Herbstlaub des Umlandes hat. Leider ist nur das tieferliegende Plateau zugänglich. Das andere ist gesperrt :-/ So konnten wir nur einen etwas eingeschränkten Blick auf das Umland erhaschen:

Halde Gotthelf Dortmund Hombruch Ruhrgebiet Reise Reisebericht Besuch

Nachdem es tagsüber meist recht sonnig bis leicht bewölkt gewesen war, hatte ich für abends einen Sonnenuntergang auf dem Hügel des Phönixsees geplant. Ja, der Sonnenuntergang war bestimmt da, nur gut versteckt hinter den rasch aufgezogenen Wolken... Aber mit einer so gut gelaunten Begleiterin war das gar nicht weiter schlimm und wir freuten uns über den schmalen rosa Streifen am Horizont und die unzähligen Vögel, die auf dem See schwammen! 

Phönixsee Dortmund Sonnenuntergang Ruhrgebiet Reise Reisebericht Besuch

Am Samstag ging es zeitig los: Alizeti hatte bei Debo von Sehenswert. ein Fotoshooting gebucht :-) Los ging es Richtung Westruper Heide. Auf dem Weg dorthin fuhren wir auf der B236 auf den langen Tunnel zu, als plötzlich am Tunneleingang eine Ampel auf Rot sprang, die Autos vor uns abbremsten und wir völlig verdattert auf eine Lautsprecherdurchsage aus dem Tunnelinneren lauschten, die uns vor Lebensgefahr warnte und die evtl. im Tunnel verbliebenen Autofahrer aufforderte die Schlüssel stecken zu lassen und sich zu den Notausgängen zu begeben. Hinter uns ging eine Schranke runter und so standen wir dort mit klopfenden Herzen. Das ganze dauerte einige lange Minuten. Dann rauschte ein Polizeiauto an uns vorbei und kam nach einiger Zeit auf der anderen Tunnelseite wieder heraus. Daraufhin ging die Ampel aus, die Schranke hoch und die Lautsprecherstimme verstummte. Beim Durchfahren des Tunnels war uns trotzdem etwas mulmig zumute, doch scheinbar war es ein Fehlalarm gewesen.

Als wir an der Westruper Heide ankamen, fing es leicht an zu nieseln. Doch das passte für die Heidelandschaft eigentlich sogar ganz gut!

Reise Ruhrgebiet Reisebericht Besuch Westruper Heide Fotoshooting

Insgesamt waren wir übrigens zu viert unterwegs. Debo hatte eine Freundin mitgebracht, die auch noch mit ihrer Kamera herum rannte und so sah es für Alizeti bestimmt sehr witzig aus, wenn sich zwischendurch drei Kameras parallel auf sie richteten :-) Wir hatten den Tag über viel zu lachen und es war super schön, mit den dreien die verschiedenen Locations zu besuchen.

Reise Ruhrgebiet Reisebericht Besuch Westruper Heide Fotoshooting

Während wir uns mit dem Auto in Richtung Ruhr begaben, öffnete der Himmel alle Schleusen. Da es keinen Plan B für die Fotolocations gab, hörte es aber rechtzeitig vor Schwerte auf zu regnen!

Reise Ruhrgebiet Reisebericht Besuch Fotoshooting Schwerte Ruhr

Hier seht ihr uns alle vier vor der Ruhr, dank Fisheye-Kamera mit schön viel Ruhr: 

Reise Ruhrgebiet Reisebericht Besuch Fotoshooting Schwerte Ruhr

Bis wir im Rombergpark hier in Dortmund ankamen, schien zum Glück die Sonne! 

Reise Ruhrgebiet Reisebericht Besuch Fotoshooting Rombergpark Dortmund Herbst

Für einige Fotos ging es zum Abschluss zu Phoenix-West:

Reise Ruhrgebiet Reisebericht Besuch Fotoshooting Phönix-West Dortmund Herbst


Völlig überdreht von dem witzigen Tag machten Alizeit und ich uns auf um ein gemeinsames Abendessen zu suchen und kamen da noch am Dortmunder U vorbei: 

Reise Ruhrgebiet Reisebericht Besuch Dortmunder U Dortmund Herbst

Und während wir uns ein vorzügliches Essen bei Ruan Thai (eigentlich eine Pflichtlocation für jeden Dortmunder und seine Besucher) schmecken ließen, lachten wir sehr viel und ließen den ereignisreichen Tag Revue passieren.

Reise Ruhrgebiet Reisebericht Besuch Dortmunder U Dortmund Herbst

Die Tage mit Alizeti waren gefüllt mit viel Lebenslust, Unternehmungsgeist und Herzensfreude! Die Liebe ist wirklich so herzlich, authentisch und offen, wie es ihr Blog vermuten lässt. Die gemeinsame Zeit verging super schnell und die Begegnung mit Alizeti wird noch lange in meinem Herzen bleiben.

Und weil ich als Fremdenführer Dortmund/das Ruhrgebiet noch mal von einer anderen Seite als der sonst alltäglichen wahrgenommen habe, wurde mir mal wieder deutlich, wie schön es hier eigentlich ist!

Für das nächste Jahr haben Alizeti und ich schon abgemacht, dass ich sie dann mal in der Schweiz besuchen komme! Da freu ich mich schon sehr drauf :-)

Montag, 14. November 2016

Der Herbst der ersten Male! Oder: wie halte ich für einen Moment die Zeit an

Ab einem gewissen Alter, also meist ungefährt jenseits der Pubertät, hört man auf, Dinge zum ersten Mal zu tun.  Vieles haben wir bereits erlebt und so entsteht unser Alltag aus einer Aneinanderreihung von bereits bekannten Verrichtungen. Hierdurch bekommt unser Tag und unser Handeln eine gewisse Struktur, die uns Sicherheit vermittelt, weil sie aus uns bereits bekannt Elementen besteht. Doch das ständige Abrufen erlernter Abläufe und Handlungen kann auch zu einem Abschalten des (kreativen) Geistes führen. Während wir fast wie im Schlaf unsere Morgenroutine erledigen, dann die meist ähnlichen Handgriffe durchführen bis wir das Haus verlassen um zur Arbeit zu fahren und auch dort bereits bekannte Tätigkeiten durchführen, läuft die Zeit an uns vorbei und wir bemerken es nicht, bis wir uns am Tagesende fragen, wo eigentlich die Zeit hin ist.

Durch das ständige Aneinanderreihen eingeübter Handlungen nehmen wir uns die Chance eine Tätigkeit bewusst und mit vollster Aufmerksamkeit durchzuführen. Und nur, wenn wir etwas mit unserem vollem Bewusstsein tun, erleben wir jede Sekunde, die gerade verstreicht, bewusst. Damit können wir die Zeit ein klein wenig anhalten, einfach dadurch, dass wir sie bewusst wahrnehmen.

Im Sommer habe ich bereits alle paar Tage mal fünf Minuten mit scheinbar sinnlosem Zeug vergeudet und dadurch erfolgreich die Zeit angehalten. 

In diesem Herbst habe ich einige Dinge zum ersten Mal in meinem Leben getan und den Herbst deshalb etwas intensiver gefühlt. Während ich die gleich folgenden Momente zum ersten Mal in meinem Leben erlebte, lief meine innere Uhr etwas langsamer. Die Zeit hörte auf an mir vorbei zu rasen. Kleine Momente fühlten sich auf einmal an, als wenn sie viel länger gedauert hätten und so schuf ich Erinnerungsmomente, die ich abrufbereit in meinem Inneren gespeichert habe.

Anfang Oktober war ich bei der Recklinghäuser Musiknacht und habe dort Pommes-Currywurst gegessen:



Außerdem habe ich mir den schon länger gehegten Traum eines eigenen Mountainbikes erfüllt (das wegen meiner sehr kurzen Beine und des recht langen Oberkörpers übrigens etwas schwierig zu finden war...):



Als ich auf der Suche nach etwas völlig anderem war, stieß ich auf einen Stoff, der direkt "Mama" zu mir sagte und von mir zu einem Pulli vernäht werden wollte. Doch ich hatte noch nie ein elastisches Bündchen angenäht. Weil Probieren über Studieren geht, habe ich dann einfach mal ein Bündchen angenäht:


Ich liebe ja Maronen! Bisher kannte ich sie nur aus dem Supermarkt. Zu meiner großen Überraschung kann man die aber sogar einfach so im Wald einsammeln! (Ja, das war mir wirklich neu.)


Und ein paar Tage später habe ich dann direkt mal einige Bucheckern gesammelt, geschält, in der Pfanne angeröstet und verspeist. Alles zum ersten Mal!

Bucheckern Wald Herbst sammeln anrösten essen


Mitte Oktober habe ich die wunderbare Alizeti kennengelernt, als sie auf ihrer Reise auch in Dortmund Halt machte. Wir kennen uns seit etwa drei Jahren durch unsere Blogs. Nun kennen wir uns endlich auch persönlich :-)



Im Garten meines Freundes steht ein älterer Apfelbaum, der in diesem Jahr ordentlich Äpfel getragen hat. Und so habe ich zum ersten Mal in meinem Leben Äpfel eingekocht:

Äpfel einkochen Apfel ernte Kompott

Mina und ich haben eine neue Hunderunden-Möglichkeit ausprobiert und waren zum ersten Mal im Schwerter Wald. Leider waren wir scheinbar zu sehr in Straßennähe und so hat mich das ständige Autogrundgeräusch eher aufgeregt, statt dass mich der Wald entspannt...



Ich hatte meinem Freund einen Gutschein für eine geführte Pilzwanderung geschenkt, den ich Ende Oktober einlöste. Auch wenn bei mir nicht sonderlich viel hängen geblieben ist, so kann zumindest mein Freund einen Pilz relativ sicher bestimmen: den Hallimasch :-)

Pilze wanderung suchen Hallimasch Herbst

Anfang November standen Mina und ich das erste Mal gemeinsam vor einer professionellen Kamera: die tolle Debo von Sehenswert. hat uns geknipst. Herausgekommen sind einige echt tolle Fotos :-)

Fotoshotting Hund Hohenstein Witten Herbst Ruhr Ruhrgebiet

Ihr seht, da kam im Herbst einiges zusammen, was ich bisher noch nie in meinem Leben getan habe. Auf Instagram habe ich das unter dem Hashtag #derherbstdererstenmale gesammelt.

Habt ihr nun vielleicht auch Lust bekommen, etwas zum ersten Mal zu tun? Dann nichts wie los :-) Und berichtet mir gern darüber! Entweder in einem unten stehenden Kommentar oder ihr schreibt einen Blogbeitrag und verlinkt ihn unten in den Kommentaren. Ich würde mich sehr freuen, an euren ersten Malen teilzuhaben!

Freitag, 4. November 2016

Mina geht´s prima! Endlich heißt es aufatmen!

Nach all den bangen Wochen mit den vielen Aufs und Abs geht es endlich spürbar aufwärts mit Mina!

Mina Leishmaniose Babesiose Haard Hunderunde Heide Ruhrgebiet Sonnenuntergang Herbst

Nachdem Ende August die Diagnose Leishmaniose kam, stürzte sich unsere kleine Welt in ein ziemliches Durcheinander. Der Titer (der Antikörperwert) war so hoch, wie er selten nachgewiesen wird. Die starken Medikamente, der Gewichtsverlust, die Ernährungsumstellung und dazu die immer wieder auftretenden Rückschläge, nachdem ich dachte, dass es Mina nun ganz langsam besser ginge. Um die kleine Maus von innen zu stärken, koche ich ihr Rinderbrühe und rühre unter jede Essensportion einen Löffel Schweine- oder Gänseschmalz und dazu noch einen Schuss Leinöl. Damit sie die Umstellung vom Dosenfutter auf Frischfleisch plus Gemüse und Kohlenhydrate in Form von Nudeln, Reis oder Süßkartoffeln (normale Kartoffeln sind nicht so ihres) besser akzeptiert und weniger mäkelig aus der Wäsche schaut, habe ich ihr auch immer einige Stücke Käse unters Futter gerührt. Dazu noch ein Teelöffel Eierschalenmehl und Kokosflocken.

Mina Leishmaniose Babesiose Haard Hunderunde Heide Ruhrgebiet Sonnenuntergang Herbst

Und trotzdem gab es Momente, wo ich echt dachte, dass sie es nicht schafft. Dass ich zu spät mir ihr beim Tierarzt war, ihr Körper zu schwach ist oder die Medikamente einfach nicht richtig anschlagen. Wenn sie wieder mal nichts bei sich behalten konnte oder in einer Tour Durchfall hatte. Wenn sich ihr Körpergeruch immer weiter ins krankhaft-behaftete verschlecherte. Wenn sie nachts dringend raus musste und die Nächte entsprechend kurz und aufgewühlt waren. Wenn ihr Blick glasig und abwesend wurde und sie nichts wollte, außer in einer dunklen Ecke liegen und schlafen. Mitte und Ende September bekam sie noch zwei krasse Spritzen gegen Babesiose, die sie so ganz nebenbei auch noch aus ihrer Mittelmeerherkunft mitgebracht hatte und die ihren Körper zusätzlich angriffen. Danach verlor sie nochmal weiter an Gewicht und litt gerade am Tag der Spritzen und am Folgetag unter fiesen Schmerzen.

Mina Leishmaniose Babesiose Haard Hunderunde Heide Ruhrgebiet Sonnenuntergang Herbst

Doch endlich heißt es aufatmen! Sie hat ordentlich an Gewicht zugelegt, sodass ich ihr Geschirr sogar weiter stellen musste :-) Das Fell wird wieder etwas glänzender und verfilzt nicht mehr so ganz stark. Ihr Blick ist klar. Ihre Ohren verfolgen aufmerksam jedes Geschehen um sie herum. Sie frisst nun (meistens) ihr neues Futter, sogar zeitweise ohne Käseuntermischung ;-) Die Hunderunden haben wieder eine normale Länge und sie spielt aktiv mit anderen Hunden. Ihr Köpergeruch hat sich normalisiert. Nachts schläft sie so gut wie immer durch. Und sie liebt es endlich wieder gekrault und bekuschelt zu werden, weil die Lymphknoten abgeschwollen sind.

Mina Leishmaniose Babesiose Haard Hunderunde Heide Ruhrgebiet Sonnenuntergang Herbst

Gestern waren wir zur Blutkontrolle beim Tierarzt. Die dortige Waage ergab, dass sie 1 kg mehr wiegt, als vor der Erkrankung und damit so viel, wie sie noch NIE gewogen hat, seit sie bei mir ist! Der Tierarzt war auch sehr beeindruckt, wie toll und lebendig sie wieder wirkt :-) Er meinte nur, ich sollte allmählich vielleicht den Schmalz weglassen, damit sie nicht weiter so rapide zunimmt ;-)

Mina Leishmaniose Babesiose Haard Hunderunde Heide Ruhrgebiet Sonnenuntergang Herbst

Doch seit der Blutentnahme hieß es wieder abwarten. Was sagen die Organwerte? Spielen die Nieren mit, sind sie durch die Medikamente zu sehr angegriffen worden? Könnte es immer noch zu einem Nierenversagen kommen, von dem ich bereits gelesen habe?

Mina Leishmaniose Babesiose Haard Hunderunde Heide Ruhrgebiet Sonnenuntergang Herbst

Als heute Abend der Anruf vom Tierarzt kam, klang seine Stimme schon sehr erleichtert, als er anfing zu reden. Die Werte sind alle im grünen Bereich!!! Klar, die Eiweißwerte sind krankheitstypischerweise immer noch erhöht, aber nicht mehr sooo krass wie am Anfang. Die Organwerte sind top in Ordnung! Alles prima!

Anfang 2017 steht dann noch mal ein Bluttest an, wie sich der Titer verändert hat (also wie aktiv die Krankheit noch im Körper ist).

Bis dahin reduziere ich den Fettanteil im Futter und schaue einfach mal hoffnungsfroh auf die kommenden Wochen. So energiegeladen wie Mina zur Zeit drauf ist, versuche ich meine Ängste um sie wieder runter zu fahren und mich einfach an ihrem Kampfgeist zu erfreuen :-)

Mina Leishmaniose Babesiose Haard Hunderunde Heide Ruhrgebiet Sonnenuntergang Herbst

Vielen lieben Dank für eure ganzen gedrückten Daumen in der letzten Zeit! Lasst sie bitte Anfang 2017 nochmal etwas gedrückt, damit der Titer bis dahin auch ein ganzes Stück runtergegangen ist und nicht mehr jenseits von Gut und Böse einzuordnen ist! So wie Mina zur Zeit drauf ist, stehen die Sterne dafür gar nicht so schlecht :-)

Dienstag, 1. November 2016

Schweden-Urlaubs-Rückblick Teil 4 - der nördlichste Punkt unserer Reise mit dem tollsten Übernachtungsplatz der ganzen Zeit und die Weiterfahrt nach Dalsland

Während ich mit einer hartnäckigen Erkältung röchelnd auf dem Sofa liege, überkommt mich mal wieder das Fernweh. Die drei Wochen in Schweden liegen nun schon einige Zeit zurück. Viel ist in der Zwischenzeit passiert, sodass die Zeit gerast ist. Und doch ist der Urlaub eigentlich noch ziemlich frisch in meinem Gedächtnis abrufbereit, als wäre er erst einen Monat her.

Im letzten Rückblick endeten wir in der Nähe von Villingsberg. Am nächsten Morgen packten wir unsere großen Wanderrucksäcke mit Essensrationen für drei Tage, Hundefutter, das Nötigste an Kleidung, Schlafsack, Hundeschlafsack, Isomatte, Zelt, Campingkocher, Wasserfilter und so viel Wasser, wie wir tragen konnten. Wir wollten nämlich nach Hällefors, unserem nördlichsten Punkt der Schwedenreise, und ab dort den Silverleden wandern. Das ist ein etwa 60 km langer Rundwanderweg durch sehr hügeliges Gelände, wo es (wen überrascht es in Schweden?) natürlich viele Seen gibt.

In der Touristeninfo kauften wir uns eine detailliertere Wanderkarte und fragten auch nach einer evtl. Abkürzungsmöglichkeit, falls uns der Rundweg zu anstrengend werden sollte. (Wobei das "uns" eigentlich Mina und mich meint. Mein Freund hat die stärkeren Wadenmuskeln...) Die Mitarbeiterin erklärte uns, dass der Weg stellenweise wirklich sehr anstrengend sein wird, wo wir gegebenenfalls den Rückweg antreten könnten und wo wir den Wanderparkplatz finden. Außerdem erzählte sie uns, dass es ernsthaft Menschen gibt, die diesen durchschnittlich drei Tage dauernden Rundweg an einem Tag laufen. An einem Tag 60 Kilometer. Ja, äh, das könnte mir nicht passieren...

Als wir das Auto auf dem abgeschiedenen Wanderparkplatz parkten und unsere Rucksäcke schulterten, war uns schon etwas mulmig zumute. Die etwa 15 - 18 Kilo Gepäck (ich etwas weniger, mein Freund etwas mehr) wogen schon recht schwer und die vor uns liegenden drei Tage waren unsere ersten "richtigen" Wandertage abseits der Zivilisation. So wirklich richtig trainiert mit Gepäck waren wir nicht. Wir würden unterwegs nur das Essen haben, das wir eingepackt hatten und beim Wasser mussten wir darauf vertrauen, dass die angegebenen Wasserstellen intakt waren bzw. dass wir genügend fließendes Gewässer oder möglichst sauberes stehendes Wasser für den Filter finden würden.

(Die kommenden Fotos habe ich nur mit meiner Handykamera gemacht, weil mir meine normale Kamera viel zu schwer war, um sie neben allem anderen auch noch mit mir herum zu tragen.)

Silverleden Wanderweg Rundwanderung Schweden Urlaub Camping mit Hund

Die erste Etappe starteten wir entgegen dem Uhrzeigersinn und sind den Silverleden somit eigentlich rückwärts gelaufen. 

Silverleden Wanderweg Rundwanderung Schweden Urlaub Camping mit Hund

Unser Weg führte uns viele Meter hoch und viele Meter wieder hinunter. Es ging durch Wald, Sumpf, Moos, Heidekraut, Blaubeerbüsche und blühende Gräser. Während wir gerade auf den sumpfigen Pfaden bis zu den Knöcheln im Matsch versunken, rutschten wir auf dem moosigen Untergrund hin und her. Die Abstiege waren sehr abwechselungsreich und durchaus recht anspruchsvoll. Zum Glück hatten wir im letzten Moment unsere Wanderstöcke eingepackt, die uns hierbei etwas Halt gaben. Die blühenden Gräser überragten mich teilweise um Kopfhöhe, was bei einer entsprechenden Blühenden-Gräser-Allergie jetzt nicht sooo doll ist....

Aber der Weg hielt so viele schöne Momente bereit, dass meine Allergie in den Hintergrund trat. Die Umgebung war so abwechselungsreich und hinter jeder Wegbiegung gab es einen neuen tollen Ausblick zu entdecken.

Leider waren die Wege meist wirklich sehr schmal und von Heidekraut und Blaubeergestrüpp in Minas Kopfhöhe stark zugewuchert. Gerade die letzten Kilometer fielen ihr sehr schwer. Als wir noch etwa 5 km vor uns hatten, legte sie sich irgendwann einfach hin und wollte nicht mehr aufstehen. Super Sache, so mitten in der Wildnis, wo es gerade keine geeignete Möglichkeit zum Zeltaufschlagen gibt, weil der Boden überall so steinig ist. Wir haben sie dann überredet bekommen, weiter zu gehen, aber die Erschöpfung stand ihr stark ins Gesicht geschrieben. Meine Sorgen wuchsen, ob sie es noch bis zu unserem angepeilten Platz an der Schutzhütte schaffen würde. Doch Mina war tapfer und hielt durch. Und so kamen wir völlig erschöpft an diesem See an:

Silverleden Wanderweg Rundwanderung Schweden Urlaub Camping mit Hund

Die Ruhe war unbeschreiblich. Das Gefühl, es bis hierhin geschafft zu haben, und hier sogar noch übernachten zu können, war echt wahnsinnig toll! 

Silverleden Wanderweg Rundwanderung Schweden Urlaub Camping mit Hund

Der Ort war so idyllisch und entspannend, echt einfach richtig richtig richtig toll! Das Gästebuch in der Hütte war gefüllt mit Einträgen, die einen ähnlichen Wortlaut hatten. Die vor uns da gewesenen Wanderer waren ebenso beeindruckt von diesem einmalig schönen Ort.

Nach dem Abendessen suchten wir Mina nach Zecken ab, die unvermeidlicherweise da sein mussten, und wirklich: ab 30 haben wir aufgehört zu zählen. Es dauerte eine Weile, bis wir alle von ihr entfernt hatten. Ihr Fell eignet sich leider perfekt zum Zecken einfangen und die Gräser und Büsche, die über den Weg wucherten, taten ihr übriges.

Silverleden Wanderweg Rundwanderung Schweden Urlaub Camping mit Hund

Hinter der offenen Schutzhütte schlugen wir unser Zelt auf, als der Regen einsetzte. 

Hier fällte ich aber auch eine Entscheidung. Mina ist eine zähe kleine Maus, die sich gerne bewegt. Aber die Etappe war zu anstrengend für sie. Das Ankämpfen gegen das Gestrüpp auf Kopfhöhe und die wirklich vielen Ab- und Anstiege waren zu viel für sie. Deshalb schauten wir auf der Karte nach einer kürzeren Route für den Rückweg am kommenden Tag. Auch wenn wir zwei Menschen den Silverleden wahrscheinlich komplett geschafft hätten, für Mina wäre es eine zu hohe Herausforderung gewesen.

Silverleden Wanderweg Rundwanderung Schweden Urlaub Camping mit Hund

Am nächsten Morgen filterten wir uns Wasser aus dem klaren See. Während ich meinen Instantkaffee trank und auf die Stille der kilometerweiten Natur um uns herum achtete, überkam mich ein großes Glücksgefühl. Der Ort war einfach perfekt.

Der Rückweg führte uns noch ein gutes Stück den Silverleden entlang bis wir auf eine asphaltierte Hauptstraße trafen. Ab hier lagen 10 Kilometer vor uns. Auf einer Straße, ohne richtigen Bürgersteig, so wie es nun mal typisch für außerorts liegende Straßen in Schweden ist. Der harte Bodenbelag ging ordentlich auf die Knochen und die vorbeifahrenden Autos zerstörten die Idylle des vorangegangenen Tages. Nach insgesamt locker 20 Kilometern erreichten wir irgendwann sehr ko unser Auto in Hällefors. Als wir uns im Ort in einen Imbiss setzten und dort Köttbullar mit Kartoffelbrei und Pommes mit Würstchen verspeisten, fing draußen Starkregen an. Wir hatten einen recht eigentümlichen Wanderergeruch an uns und meine ehemals dezent hautfarbenen Wandersandalen hatten dank der vielen sumpfigen Stellen einen schönen Braunton angenommen.

Der Kontrast zwischen dem Silverleden und der Zivilisation hätte nicht größer sein können. Auch wenn der Wanderweg wirklich anstregend gewesen war, so war der heutige Weg auf asphaltiertem Boden für die Knochen und Gelenke doppelt so beanspruchend. Aber auf dem Silverleden haben wir nur zwei andere Menschen getroffen. Sonst war dort niemand. Niemand. Herrlich.

Der nächste Campingplatz war zum Glück nicht mehr weit. Leider war die Wiese hier schon gut durchweicht vom Regen der vergangenen Zeit und die Kribbelmücken ließen sich nicht lange bitten, über uns herzufallen. Selbst im Auto waren wir nicht sicher vor ihnen. So packten wir am nächsten Morgen in aller Herrgottsfrühe unsere sieben Sachen zusammen und fuhren weiter an das Ufer vom Vänernsee.

Auf dem riesigen Campingplatz bei Säffle war es auf den ersten Augenschein nicht so ruhig, wie wir es gern gehabt hätten. Doch als wir etwas die Küste entlang gingen, kamen wir zu "Klippen", auf denen wir uns in die Sonne setzten und dem meeresartigen Rauschen des Vänernsees lauschten.

Camping Urlaub mit Hund Roadtrip Schweden Säffle Vänern Vänernsee Klippen

Nach den zwei Wandertagen war das genau richtig, um die müden Muskeln zu entspannen. Mit einem Gläschen Weißwein nahmen wir die Weite des Sees in uns auf und genoßen die Ruhe um uns herum.

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Der Vänernsee ist 5.500 m² groß und damit der größte See des Landes. Wir hatten von seiner beeindruckenden Größe gehört und natürlich auch bereits auf der Karte gesehen, aber in Echt wirkt so ein riesiger See dann doch echt noch mal sehr beeindruckend! Wir konnten das andere Ende vom See nicht mehr sehen, so groß ist er!

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Wir blieben eine Nacht länger, als im ersten Moment geplant, und wuschen unsere Wäsche in den vorhandenen Waschmaschinen, spielten eine Runde Minigolf (sehr zu meiner "Freude"... ich mag Minigolf mal so, äh, gar nicht...), schauten den sportlichen Mitcampern beim Zumba-machen zu und genoßen die übrigen Stunden auf den einsam gelegenen Felsen in der prallen Sonne. Mina genoß die wenige Bewegung sehr, nachdem sie sich auf den letzten Wanderkilometern des Silverleden so tapfer gequält hatte.

Völlig regeneriert fuhren wir von hier aus erstmal in die City von Säffle und gingen in einen typisch schwedischen Fast-Food-Imbiss namens "Sybilla". Witzigerweise würden wir in Deutschland so schnell keine Fast-Food-Kette betreten, aber irgendwie lachte der uns an. Und: dort gab es neben den standesgemäßen Burgern auch Kartoffelbrei :-)

Camping Urlaub Roadtrip mit Hund Schweden Sybilla

So gestärkt machten wir uns auf zum Tresticklan Nationalpark in Dalsland. Diese Region ist wie Schweden einmal im Miniformat. Hier gibt es die meisten Seen und keine einzigen Rolltreppe und keine Ampel weit und breit. Um zum besagten Nationalpark zu kommen, setzten wir bei Nässemark mit einer kostenlosen Fähre über einen der unzähligen Seen über.

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Der Tresticklan Nationalpark war, oh Wunder, von Seen durchzogen und sehr nah an der norwegischen Grenze. Wir gingen einen schönen Rundwanderweg, auf dem wir erstaunlicherweise einige Menschen sahen. Wie wir dann bemerkten, führte ein Fernwanderweg von Norwegen nach Schweden genau hier entlang. Da kamen wir uns schon etwas lächerlich vor, dass wir nach nur zwei Tagen den Silverleden beendet hatten... Doch so war es besser für Mina und die hat immerhin die kürzesten Beine!

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Am Abend fuhren wir einen Campingplatz in der Nähe von Norebyn an, nachdem wir bei einem anderen mit schreckgeweiteten Augen weitergefahren waren, weil der so groß und voll war. Hier konnten wir nun direkt am See stehen.

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Mit uns gab es noch zwei andere Camper und von den vorhandenen Holzhütten waren vielleicht zwei besetzt. Ein Campingplatz genau nach unserem Geschmack :-)

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Damit kommen wir zum Ende des heutigen, mal wieder sehr lang geratenen Schweden-Rückblicks.

Auf der Übersichtskarte könnt ihr die einzelnen Stationen sehen:



Hier findet ihr alle Berichte:


Und bald nehme ich euch mit auf die letzten Tage unserer dreiwöchen Schwedenreise...