Montag, 27. Juni 2016

Leute, verschwendet regelmäßig ein paar Minuten eures Alltages für vermeinlich zweckbefreite Dinge!

Ganz ernsthaft? Das ist grandios und bescherrt euch einige Augenblicke der Gedankenleere! Die 5 Minuten werden euch viel länger vorkommen, auch wenn ihr binnen weniger Augenblicke die Zeit aus den Augen verliert.

Doch wovon rede ich hier überhaupt genau und was meine ich mit "zweckbefreiten Dingen"?

Ich tue mich schwer mit Nichtstun. Mina hat mir zwar sehr beim Chillen-Lernen geholfen, aber einfach so nichts zu tun, dabei den Kopf ausschalten und die Zeit vergessen, das will mir immer noch nicht so flüssig aus dem Handgelenk geschüttelt gelingen. Dabei tut es so gut, wenn der Kopf mal nicht mit Erinnerungen oder Zukunftsplänen beschäftigt ist, die Zeit einfach so vor sich hindümpelt und dabei zur fast schönsten Nebensache der Welt wird.

Deshalb habe ich angefangen, alle paar Tage 5 Minuten mit völlig sinnlosen bzw. zweckbefreiten Tätigkeiten zu verbringen. Damit meine ich Dinge, die kein Ziel verfolgen und auf den ersten Blick für erst mal nichts gut sind. Klar, das hört sich bekloppt an. Aber einfach mal einige Minuten zu verschwenden, für etwas wo es kein Ziel o.ä. zu erreichen gibt, lässt den Alltag in den Hintergrund treten und der Kopf ist nur auf den Moment fokussiert, der gerade jetzt stattfindet.

Um die 5 Minuten nicht dadurch stressig zu gestalten, dass ich ständig auf die Uhr schaue, wie viel Zeit ich noch habe, stelle ich mir meine Handystopuhr auf 5 Minuten. Dann drehe ich das Handy um und lege es zur Seite, damit ich es wirklich nicht mehr aus Versehen beachte. (Alle Klingeltöne außer der Stopuhr sind natürlich ausgeschaltet.)

So, und womit habe ich nun diese besagten 5 Minuten bisher verschwendet?

Mit allem möglichen. Hier ein paar Beispiele:


Strohhalm in Kakao halten und dabei ununterbrochen Blubberblasen machen (Atemlosigkeit nach etwa 1 Minute blubbern eingeschlossen)

5 Minuten vergeuden Achtsamkeit Gedankenleere Gedankenrasen Depression Übung Langsamkeit


Aus dem Fenster starren und Wolken beobachten, während ich auf dem Sofa liege (und während Mina ihren Kopf auf meine Beine legt)

5 Minuten vergeuden Achtsamkeit Gedankenleere Gedankenrasen Depression Übung Langsamkeit


Jonglieren (Und zwar mit dem, was ich an Jongliermaterial gerade noch gefunden habe. Wo sind nur meine drei Jonglierbälle hin?)

5 Minuten vergeuden Achtsamkeit Gedankenleere Gedankenrasen Depression Übung Langsamkeit


Auf einer Mauer balancieren

5 Minuten vergeuden Achtsamkeit Gedankenleere Gedankenrasen Depression Übung Langsamkeit


Rückwärts gehen (Hier nach einem Wandertag auf dem Campingplatz. Ja, die anderen Camper haben gelächelt. Ob sie mich belächelt haben, mag ich nicht beurteilen ;-) )

5 Minuten vergeuden Achtsamkeit Gedankenleere Gedankenrasen Depression Übung Langsamkeit


Handstand (aus Ungeübtheit an der Wand)

5 Minuten vergeuden Achtsamkeit Gedankenleere Gedankenrasen Depression Übung Langsamkeit

(Die Fotos haben eine recht miserable Qualität. Aber sie sind nur nebenbei entstanden, als ich meine Zeitvergeudung dokumentieren wollte. Aufwendigere Fotos hätten mich vom Projekt abgelenkt.)


Ihr seht, da gibts tausend mögliche Zeitverschwendungsmöglichkeit mit Ende der Ideenseite offen. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt :-)

Ich werde versuchen, diese wertvollen 5 Minuten dauerhaft in meinen Alltag zu integrieren. Damit meine ich nicht, dass ich das zwanghaft jeden Tag umsetzen möchte. Sondern dass ich mir diese Auszeit gönne, wann immer mir danach ist. Ganz ohne Zwang und Druck, weil dadurch bei mir nur die Gefahr droht, dass es mir dann keine Entspannung mehr bringt.


Probiert es einfach mal aus! Ihr habt nichts zu verlieren. "Opfert" 5 Minuten und verschwendet sie, mit etwas, wonach euch gerade ist. Und wenn euch spontan nichts einfällt, klaut euch eine meiner Ideen und fangt einfach an. Der Anfang ist bekanntlich der schwierigste Schritt. Doch traut euch und seid mutig! Ihr könnt nur gewinnen :-) Und sei es, dass ihr lauthals lacht, weil ihr euch selbst so albern vorkommt ;-)



Den Gedankenanstoß zu diesem ganzen Projekt habe ich durch das "10-Minuten-Projekt" von Sunray bekommen. Vielen Dank für deine Inspiration, du Liebe!

Mittwoch, 8. Juni 2016

Als Schwester denke ich anders als die Autorin des Buches und des Films ´Ein ganzes halbes Jahr´

Dass ich das erste Mal jemanden begeistert von dem Buch "Ein ganzes halbes Jahr" reden hörte, war kurz nach Erscheinung des Buches. Seit dem wurde ich hin und wieder auf das Buch und meine Meinung dazu angesprochen. Ich habe es selbst nicht gelesen, weil ich schon am Anfang das Ende wusste und es zu klischeehaft und vorurteilsbehaftet finde.

In dem Buch geht es um einen Mann mit Querschnittslähmung. Am Ende des Buches bringt er sich um. Weil er behindert ist und mit der Behinderung nicht leben möchte.

Meine Zwillingsschwester ist behindert. Ihr Leben ist nicht immer einfach. Klar, sie kann viele Dinge nicht selbst machen und ist bei fast allem auf Hilfe angewiesen. Aber sie hat nie den Wunsch geäußert, wegen ihrer körperlichen Einschränkungen nicht mehr leben zu wollen.

behindert schwester körperbehindert lebenswille lebensmut ein ganzes halbes jahr

Was sie (und mich als Schwester übrigens auch) viel mehr frustriert sind die vielen überflüssigen und zum Teil schmerzhaften Steine, die ihr in den Weg gelegt werden. Im Gesetz verankerte Hilfsmittel werden von der Krankenkasse nicht übernommen oder erst mit Widerspruchsverfahren. Hilfsmittel gehen viel zu schnell kaputt, werden nur schleppend repariert und sind dafür tage- bis wochenweise im Sanitätshaus oder beim Hersteller verschwunden. Die Bluetooth-Schnittstelle zwischen ihrem Talker streikt seit Wochen und sie kann deshalb keine SMS verschicken (Ein internetfähiges Smartphone damit zu verbinden ist reine Utopie.) Das Telefonieren über ihr funkgesteuertes Telefon ist auch nur schleppend möglich. Die Assistenz in ihrer ambulant betreuten WG ist nicht immer "Assistenz" im Assistenzsinne, sondern spielt sich je nach Person lieber so auf, als wenn meine Schwester keinen eigenen Willen und keine eigene Meinung hätte. Es gibt Mitarbeiter im Fahrdienst, die sie beschimpfen oder in ihrer Gegenwart negativ über sie sprechen. Wenn sie wegen eines Notfalles (z. B. ein geprellter Fuß durch einen Unfall mit einem anderen E-Rolli) in die Notaufnahme muss, kann es sein, dass der diensthabende Oberarzt mit mir über ihren Kopf hinweg spricht und mir erzählt, wie schlimm doch so ein Leben ist und dass sie mit dem Gips bald wieder laufen kann. Auf meine Gegenfrage, ob der Gips denn eine Wunderheilung vollbringt, weil sie ja noch nie laufen konnte, reagiert dann so ein Oberarzt verschnupft und wird auch mir gegenüber abfällig. Generell sprechen ihr viele Ärzte ein normales Schmerzempfinden ab und behandeln sie dementsprechend: entweder nimmt man ihre Schmerzen nicht ernst oder man betäubt sie bei kleineren Dingen erst gar nicht bis nur ein bißchen.

Diese ganzen sehr negativen Punkte sind Faktoren, die ihr Leben von außen negativ werden lassen. Hätte meine Schwester die Hilfe, die ihr vom Gesetzgeber her zusteht (was zwar schon viel, aber in manchen Punkten noch lange nicht ausreichend ist / wie zum Beispiel hier geschildert), würden Krankenkassen, Sanitätshäuser & Hersteller ihre Arbeit "richtig" tun und würden Menschen meine Schwester als gleichwertigen Menschen behandeln, würde sie ein vom Grundsatz her normales Leben führen können. Sie hat körperliche Einschränkungen, aber die schränken sie nicht in ihrer Lebenslust und ihrem Lebenswillen ein.

In dem besagten Buch hat der querschnittsgelähmte Mann all diese Steine nicht, weil er genügend Geld hat und auch sonst sein Leben so führen kann, wie er es möchte. Er möchte nicht mehr leben, weil er behindert ist.

Das ist mir zu platt. Ganz ehrlich.

Viele Leute kommen mir dann mit dem selben Argument: "Deine Schwester hat ja die Behinderung von Geburt an und weiß nicht wie es anders ist. Wenn man erst alles konnte und dann nichts mehr, dann ist das was völlig anderes." Ja, mag sein, dass meine Schwester das nicht beurteilen kann. Und kann auch sein, dass ich es nicht beurteilen kann. Aber warum sollte es jemand anderes beurteilen können, der selbst nicht behindert ist? Weder von Geburt an, noch bis zum jetzigen Zeitpunkt? Mit wie vielen behinderten Menschen hatten diese Leute schon Kontakt und wissen, wie deren Alltag wirklich aussieht? Wie sie sich fühlen, was sie denken, was sie ärgert und was sie zum Lachen bringt? Eine pauschale Meinung zu fällen, ohne jemals selbst mit einem Menschen in der Position gesprochen zu haben, ist einfach. Zumal das von den Medien so auch immer noch vorgelebt und durch uralte Phrasen weiterhin am Klischee-Behinderten festgehalten wird. (Es geht auch anders, wie z. B. hier.)

Wenn sich jemand umbringen will, hat er ein Problem und höchstwahrscheinliche eine psychische/seelische Erkrankung. Die kann er haben, egal ob er behindert oder nichtbehindert ist. Und diese Erkrankung kann man behandeln.

Ich werde auch in Zukunft weder das Buch lesen, noch den Film schauen. Weil mich beide Dinge schon vorher aufregen.

Wer anderer Meinung ist, ist anderer Meinung. Schließlich hat jeder eine eigene. Aber ich bleibe bei meiner, auch wenn es Menschen gibt, die sie weder nachvollziehen noch akzeptieren können.


Eine weitere Meinung zu dem Buch und dem Film findet ihr übrigens hier.

Freitag, 3. Juni 2016

'Gib Depressionen ein Gesicht' - ein Projekt von Dirk Ludwig

Anfang 2016 startete Dirk Ludwig sein Projekt "Gib Depressionen ein Gesicht". Sein Ziel ist es, mehr Verständnis in der Bevölkerung zu erreichen und die Krankheit mit all ihren verschiedenen Facetten bekannter zu machen.

Los ging es über eine Facebook-Seite, auf der er Texte von betroffenen und nicht-betroffenen Menschen veröffentlicht. Zu jedem Text stellt er ein passendes Foto, das die dahinterliegende Aussage noch mehr verdeutlichen und die Stimmung bildlicher darstellen soll. Hierdurch hat er innerhalb kürzester Zeit viele Menschen erreicht, sodass er die Idee einer eigenen Homepage weiter entwickelte und diese vor kurzem online stellte. Auf dieser Seite könnt ihr übrigens auch meinen Text lesen, der am 12. März 2016 veröffentlicht wurde.

Neben der Homepage gibt es mittlerweile einen Youtube-Kanal auf dem Tagebücher einer fiktiven depressiven Person veröffentlicht werden. In der Selbsthilfe-Gruppe "Gib Depressionen ein Gesicht" für depressive Menschen sowie Angehörige und Freunde auf Facebook findet ein reger Austausch statt. Sie hat mittlerweile über 600 Mitglieder.

Innerhalb von wenigen Monaten hat Dirk Ludwig hier einiges auf die Beine gestellt! 

Und heute habe ich Dirk Ludwig im Interview um euch sein Projekt und ihn selbst vorzustellen :-)

Dirk Ludwig Gib Depressionen ein Gesicht depressiv betroffen selbsthilfe angehörige freunde familie


Magst du Dich mit ein paar Worten vorstellen?

Mein Name ist Dirk Ludwig und ich bin seit dreißig Jahren mit meiner Frau verheiratet. Unsere beiden Töchter sind inzwischen groß und stehen auf eigenen Füßen. Nach wie vor ist die Fotografie lediglich mein Hobby. Vor wenigen Jahren wurde ich durch Burnout aus meiner Tätigkeit im Management einer Bank herausgerissen. Nun nutze ich meine Zeit als Rentner und versuche mein Hobby - die künstlerische Fotografie - mit einem „gemeinnützigen“ Engagement zu verbinden.


Wann ist die Idee zu Deinem Projekt "Gib Depressionen ein Gesicht" entstanden und wie kam es dazu? 

Die Idee zu dem Projekt selbst hatte ein Model Anfang diesen Jahres, mit der ich die erste Bildserie zum Thema Depressionen verwirklicht habe. Anna I. Ahrens – die schon seit ihrer Kindheit unter Depressionen leidet - ist unser Gesicht des Projektes, welches überall zu finden ist.


Zu dem Projekt haben schon einige Menschen ihre Geschichten und/oder Fotos beigesteuert. Wie viele sind es bisher gewesen? 

Ich schätze inzwischen sind es wohl an die 100 Beiträge, die seit Projektstart Anfang Februar 2016 veröffentlicht worden sind. Also im Duchschnitt an jedem Tag ein Beitrag.


Wie sind diese Menschen auf Dich aufmerksam geworden?

Die Kampagne ist bisher allein über Facebook bekannt geworden, da ich über meine Facebook-Seite  „dirk-ludwig-fotografie“ bereits eine Menge Follower habe. Darüber hinaus habe ich mein Projekt über bestehende Facebook-Gruppen zu psychischen Erkrankungen bekannt gemacht. Und habe BloggerInnen – so wie Dich ja auch – angeschrieben, ob wir uns nicht gegenseitig vorstellen können. Je mehr Menschen über das Thema Depressionen berichten, desto eher bekommen wir diese Krankheit aus der Tabuzone heraus. Daher ist mir eine Vernetzung sehr wichtig.

Auch bitte ich jedes mal darum, meine Beiträge auf Facebook zu teilen oder den „Gefällt mir“-Button zu drücken. Dabei geht es mir nicht darum, möglichst viele Likes für den Beitrag zu bekommen, sondern es geht darum, das möglichst viele Menschen die Beiträge über Depressionen sehen. Denn über das Liken und Teilen der Beiträge, sehen die Freunde der Personen, die den Beitrag angeklickt haben, auch die Projekt-Veröffentlichungen. So verbreitet sich das Depressions-Projekt wie ein Schneeballsystem.


Ist irgendwo schon mal über Dein Projekt berichtet worden?

In der aktuellen Ausgabe des MILES!- Magazins (2/2016) – dem Magazin für seelische Gesundheit und Emotionen – wird das Projekt ausführlich vorgestellt. Mit dem Magazin ist auch eine regelmäßige und intensive Zusammenarbeit vereinbart.


Wenn Du die meist sehr persönlichen und berührenden Beiträge zugeschickt bekommst, wie gehst du damit um? Kannst du genügend Abstand für dich wahren oder gibt es auch einige Texte, die dich länger beschäftigen?

Mich erreichen ganz unterschiedlichste Texte. Zum einen sind es Gedichte zum Thema Depressionen und zum anderen persönliche Erfahrungsberichte. Die Gedichte sind wunderschön und ich mag sie sehr. Berührender sind häufig natürlich die persönlichen Schicksale, Lebensgeschichten, die ich erfahre. Es öffnen sich auch Menschen, wie z.B. Models, Fotografen oder Digitalartisten, mit denen ich schon zusammen gearbeitet habe, die ich also persönlich kenne und bei denen ich nie erwartet hätte, dass sie unter Depressionen leiden. Aber so ist die Krankheit, die meisten Menschen tragen eine Maske, dass niemand erkennen kann, dass sie depressiv sind. Doch das Tragen der Maske kostet ganz viel Kraft. Auf die mir zugeschickten Beiträge versuche ich mit Empathie einzugehen und trotzdem einen notwendigen Abstand für mich zu wahren.


Woher holst Du die Inspirationen für deine ausdrucksstarken Fotos?

Ich betreibe die künstlerische Fotografie schon seit 30 Jahren. Es ist also ganz viel Erfahrung im Spiel. Wenn ich fotografiere, dann lasse ich mich meist von der Location und vor allem vom vorhandenen Licht inspirieren. Ich arrangiere meist dann spontan, weil für mich Fotografieren das „Malen mit Licht“ ist und das kann man vorher nicht planen. Auch versuche ich mich auf das Model einzulassen, in ihre Seele zu schauen, eine Stimmung für das besondere Foto zu erzeugen.


Bitte beschreib uns deine recht neue Homepage "Gib Depressionen ein Gesicht".

Ab sofort gibt es auch eine eigene Homepage zu dem Projekt: Ihr findet sie unter www.gib-depressionen-ein-gesicht.de. Dort findet Ihr alle bisher veröffentlichten Gedichte, Texte und Bilder sowie die Spruch-Karten und die Mut-Mach-Karten.

ZIEL des Projektes „Gib Depressionen ein Gesicht“ ist es, DEPRESSIONEN ALS KRANKHEIT bekannter zu machen. MEHR VERSTÄNDNIS für Betroffene in der Bevölkerung zu erreichen, indem durch emotionale Bilder und Worte Botschaften transportiert werden, wie sich ein depressiver Mensch fühlt. BETROFFENEN MUT ZUZUSPRECHEN, zu Ihrer Krankheit offen zu stehen. Die Krankheit aus der - nach wie vor teilweise bestehenden - TABUZONE HERAUS ZU BEKOMMEN.

Um dieses Ziel zu erreichen, ist es wichtig, über die Medien möglichst viel Aufmerksamkeit für das Thema zu erzielen. Aus diesem Grunde stellen wir den Medien über unsere Homepage gern aktuelle Presse-Informationen zu dem Projekt „Gib Depressionen ein Gesicht“ zur Verfügung. Gern können die emotionalen Bilder und die dazugehörigen Texte verschiedener Autoren - unter Nennung aller Beteiligten – für die Berichterstattung in den Medien verwendet werden.

Z.Zt. arbeite ich bei dem Projekt mit ca. 20 verschiedenen Autoren, 10 Digitalartisten und 5 Fotografen zusammen.

Besonders danken möchte ich meinem engsten Team, die mich in dem Projekt „Gib Depressionen ein Gesicht“ so toll unterstützen. Ohne sie wäre die bisherige fantastische Entwicklung nicht möglich gewesen. Der Erfolg des Projektes ist vor allem das Ergebnis eines Teams, die mit Begeisterung und Leidenschaft und alle ehrenamtlich - für den guten Zweck - zusammenarbeiten.

Stellvertretend für die vielen Unterstützer bei meinem Depressionsprojekt möchte ich fünf Personen besonders danken. Zum einen Nadine Wagner, die gemeinsam mit mir die treibende Kraft bei dem Projekt ist. Der Autorin Asmodina Tear, die speziell für meine Fotos, sehr viele berührende Gedichte schreibt. Dem Model Anna I. Ahrens, die die Idee zu dem Projekt selbst hatte und mit der ich die erste Bildserie zum Thema Depressionen verwirklicht habe. Der Autorin Lisa M. Lenardi, die für mich ebenfalls Ideengeberin ist. Und last but not least, dem Dustin Guske, der die Bildkampagne initiiert hat.


Vielen Dank für deine ausführlichen Antworten! Dein spannendes Projekt wird sich hoffentlich weiterhin so erfolgreich verbreiten :-)

Mittwoch, 1. Juni 2016

33 Jahre machten mich zu der Frau(ke), die ich heute bin

Heute vor 33 Jahren erblickte ich das Licht der Welt. In der Zwischenzeit ist einiges passiert. All die Jahre, Momente, Ereignisse formten und prägten mich. Sowohl die Jahre an die ich gerne zurückdenke, als auch die Jahre, die ich lieber aus meinem Gedächtnis streichen würde.

Doch wer bin ich heute? Was macht mich aus?



Ich bin 1,63 m groß. Ich habe kurze, blonde Haare und bin blauäugig.

Ich bin liebenswert. Ich bin offen und herzlich. Ich bin hilfsbereit. Ich bin zuverlässig. Ich bin ehrlich. Ich bin geradlinig. Ich bin vielseitig und vielschichtig. Ich gehe mit wachem Blick durch die Welt. Ich achte auf Kleinigkeit. Ich freue mich über winzige Dinge und Gesten. Ich lache und lächle viel. Ich schaue genau so oft ernst oder nachdenklich. Ich gehe gern wandern und ich liebe das Draußensein in der Natur. Ich liebe Camping, egal ob mit Zelt oder Auto. Ich mag das reduzierte Reisen. Ich treibe gerne Sport und bewege mich viel. Ich fahre super gerne Rad, auch wenn ich das mit Mina nicht mehr so oft kann. Ich bekomme schnell Muskelkater und das an den unmöglichsten Stellen. Ich bin so hellhäutig, dass ich im Sommer Carotin-Kapseln brauche um keine Sonnenallergie zu bekommen. Ich bekomme pro Jahr mindestens einen dicken Sonnenbrand. Ich habe Sommersprossen. Ich probiere gerne neue Dinge aus, auch wenn ich sie eigentlich nicht mag (Ich möchte mal in einen Trampolinpark, obwohl ich das Gefühl von Trampolinspringen hasse. Ich möchte mal Stand-Up-Paddeling ausprobieren, obwohl ich wasserscheu bin.) Ich bin Hunde- und zweifache Meerschwein-Mama. Ich nähe, häkel und stricke gerne, am liebsten frei Schnauze. Ich liebe es Augenblicke in Fotos festzuhalten. Ich denke und spreche viel in Bildern. Ich lese gerne und schnell. Ich stolpere über Rechtschreibfehler, selbst wenn ich sie nur aus dem Augenwinkel heraus wahrnehme. Ich entspanne durch Yoga. Ich bin Freundin, Liebhaberin und Weggefährtin. Ich bin Schwester und Zwillingsschwester. Ich bin Geschwister einer behinderten Frau. Ich war 12 Jahre lang gesetzliche Betreuerin meiner Zwillingsschwester. Ich bin Tochter. Ich bin Enkelin. Ich bin die gute Freundin, deren Couch im (Übernachtungs-)Notfall für ihre Freunde bereit steht. Ich glaube meist an das Gute im Menschen. Ich bin vorsichtig gegenüber Menschen, die verschlossen sind. Ich nehme viel über Ohren, Augen, Nase und Bauchgefühl wahr. Ich bin unter fremden Menschen und in mir unbekannter Umgebung eher stiller und zurückhaltend. Ich bin optimistisch. Ich bin innerlich stark. Ich hinterfrage viel und durchdenke einiges. Ich kann Kritik besser akzeptieren als Lob. Ich bin nicht immer einfach, aber einfach kann ja jeder. Ich reflektiere mich oft selbst um mich besser kennen zu lernen und zu verstehen. Ich reflektiere gerne andere Menschen, um sie besser kennen zu lernen und zu verstehen. Ich plane gerne. Ich schreibe To-Do-Listen, um die einzelnen Punkte nacheinander abhaken zu können. Ich lebe auf, wenn ich Struktur und Ordnung in etwas bringen kann. Ich brauche manchmal Stunden oder Tage ohne Handy und Internet. Ich blogge seit 2,5 Jahren. Ich hasse Schubladen und ich mag Schränke nur bedingt in meiner Wohnung. Ich liebe offene Regale. Ich mache tagsüber alle Vorhänge auf und nach Sonnenuntergang ziehe ich sie wieder zu. Ich habe in meine Handynummer mein Geburtsdatum eingebaut, das ging früher noch. Ich bin schokoladensüchtig. Ich brauche morgens und mittags einen Kaffee. Ich liebe frisches Obst und Eis. Ich brauche Essen mit Kohlenhydraten und Balaststoffen. Ich ernähre mich möglichst basisch. Ich wiege ein paar Kilo mehr, als ich gern würde und schaffe es nicht sie abzunehmen. Ich esse wenig bis gar kein Fleisch. Ich esse am allerallerliebsten Pommes-Currywurst. Ich bestelle mir niemals Majo, weil die dick macht. Ich klaue immer Majo bei meinen Mit-Essern, weil geklaute Majo keine Kalorien hat. Ich rieche Waffelduft 3 Kilometer gegen den Wind. Ich liebe Kalte Schnauze, habe sie aber noch nie selbst gemacht. Ich liebe picknicken. Ich hasse spülen. Ich habe keine Spülmaschine. Ich mag es, wenn mein Besuch bei mir spült. Ich habe keinen Fernseher. Ich schaue keine Horrorfilme und Tatort zählt für mich schon dazu. Ich habe manchmal Albträume, die sich Horrorfilm-Schreiber als Vorlage nehmen könnten. Ich liebe Blumen. Ich arbeite am liebsten mit den Händen, egal ob beim Teigkneten oder beim Einpflanzen. Ich backe und koche gerne. Ich mag türkis und alle warmen blau-grün-Töne. Ich liebe frisch bezogene Betten. Ich trockne meine Wäsche draußen, damit sie selbst nach einiger Zeit noch frisch riecht. Ich spare alle 5-€-Scheine, die mir in die Hände fallen, für meinen nächsten Urlaub. Ich nehme meistens zwei Treppenstufen auf einmal. Ich liebe Ironie und Sarkasmus. Ich bin aus dem Ruhrgebiet und stolz darauf. Ich liebe gemischte Tüten für 1 € ohne Lakritz. Ich mag da drin am liebsten Cola-Kracher und Bananen. Ich war mal auf einem ZZ-Top-Konzert. Ich habe noch kein Fußballspiel komplett gesehen, nur das, wo vor Jahren mal zwei Stunden lang versucht wurde ein Tor aufzustellen. Ich hasse Fußball, kann aber viele Fußballlieder auswendig, weil meine Zwillingsschwester leidenschaftlicher BVB-Fan ist. Ich trage am liebsten Sandalen oder Sneaker. Ich laufe gerne barfuss, auch wenn es noch sehr weh tut und ich dringend mehr Hornhaut brauche. Ich rubbel mir die Hornhaut weg, weil sie in Sandalen doof aussieht. Ich hasse Schuhe mit Absatz. Ich friere später als der Durchschnitt der Bevölkerung. Ich friere sobald ich müde werde. Ich gehe selbst im Sommer meistens mit Wärmflasche ins Bett. Ich rede manchmal zu schnell. Ich brauche immer ein Taschentuch in Griffweite, sonst fühle ich mich schutzlos gegenüber einer laufenden Nase. Ich kontrolliere immer den Herd, bevor ich aus dem Haus gehe. Ich kann nicht singen, singe aber im Auto viele Lieder aus dem Radio mit auch wenn ich den Text und die Melodie nicht kann. Ich höre zuhause so gut wie keine Musik, außer die im Küchen- oder Badradio. Ich kann gut rückwärts einparken. Ich kann mich mit Stadtplan und Kompass orientieren. Ich liebe Kerzen und den Geruch von gerade ausgehenden Streichhölzern. Ich mag den Frühling am liebsten von allen Jahreszeiten. Ich tippe mit allen 10 Fingen schneller, als so mancher reden/denken kann. Ich habe Angst vor Spinnen und Zecken. Ich hasse Rechtsradikalismus. Ich habe etwas gegen Vorurteile, auch wenn ich selbst viele habe.

Das, was ich bin, und das, was ich fühle, stimmt nicht immer überein. Manchmal sagt mir eine Stimme in meinem Kopf, dass ich zu dick, zu unsportlich, nicht liebenswert bin. Dass ich minderwertig und unfähig für alles bin und ständig versage. Manchmal verursacht mir diese Stimme schlimme Stunden. Doch ich habe gelernt, dass diese Stimme eine Zusammenfassung aller negativen Aussagen ist, die ich in meinem bisherigen Leben in Bezug auf mich gehört habe. In meinem Kopf hallen viele einzelne Stimmen nach, die von Personen stammen, die mir nichts Gutes wollten. Wenn ich nicht achtsam bin, übernehmen meine Wahrnehmung und mein Fühlen die Kerninhalte dieser Stimme. Doch ich lerne, das frühzeitig zu erkennen, um die objektive Wahrheit mit der subjektiven Stimme abzugleichen und mich der Stimme entgegen zu stellen. Ich habe Depressionen, doch sie beherrschen mich nicht und sie machen mich nicht aus. Ich bin stark genug mich selbst zu lieben. Ich habe schon einmal ums Über-/Weiterleben gekämpft und würde es wieder tun.

Ich bin Frauke. Und ich bin ab heute 33 Jahre alt.