Dienstag, 1. November 2016

Schweden-Urlaubs-Rückblick Teil 4 - der nördlichste Punkt unserer Reise mit dem tollsten Übernachtungsplatz der ganzen Zeit und die Weiterfahrt nach Dalsland

Während ich mit einer hartnäckigen Erkältung röchelnd auf dem Sofa liege, überkommt mich mal wieder das Fernweh. Die drei Wochen in Schweden liegen nun schon einige Zeit zurück. Viel ist in der Zwischenzeit passiert, sodass die Zeit gerast ist. Und doch ist der Urlaub eigentlich noch ziemlich frisch in meinem Gedächtnis abrufbereit, als wäre er erst einen Monat her.

Im letzten Rückblick endeten wir in der Nähe von Villingsberg. Am nächsten Morgen packten wir unsere großen Wanderrucksäcke mit Essensrationen für drei Tage, Hundefutter, das Nötigste an Kleidung, Schlafsack, Hundeschlafsack, Isomatte, Zelt, Campingkocher, Wasserfilter und so viel Wasser, wie wir tragen konnten. Wir wollten nämlich nach Hällefors, unserem nördlichsten Punkt der Schwedenreise, und ab dort den Silverleden wandern. Das ist ein etwa 60 km langer Rundwanderweg durch sehr hügeliges Gelände, wo es (wen überrascht es in Schweden?) natürlich viele Seen gibt.

In der Touristeninfo kauften wir uns eine detailliertere Wanderkarte und fragten auch nach einer evtl. Abkürzungsmöglichkeit, falls uns der Rundweg zu anstrengend werden sollte. (Wobei das "uns" eigentlich Mina und mich meint. Mein Freund hat die stärkeren Wadenmuskeln...) Die Mitarbeiterin erklärte uns, dass der Weg stellenweise wirklich sehr anstrengend sein wird, wo wir gegebenenfalls den Rückweg antreten könnten und wo wir den Wanderparkplatz finden. Außerdem erzählte sie uns, dass es ernsthaft Menschen gibt, die diesen durchschnittlich drei Tage dauernden Rundweg an einem Tag laufen. An einem Tag 60 Kilometer. Ja, äh, das könnte mir nicht passieren...

Als wir das Auto auf dem abgeschiedenen Wanderparkplatz parkten und unsere Rucksäcke schulterten, war uns schon etwas mulmig zumute. Die etwa 15 - 18 Kilo Gepäck (ich etwas weniger, mein Freund etwas mehr) wogen schon recht schwer und die vor uns liegenden drei Tage waren unsere ersten "richtigen" Wandertage abseits der Zivilisation. So wirklich richtig trainiert mit Gepäck waren wir nicht. Wir würden unterwegs nur das Essen haben, das wir eingepackt hatten und beim Wasser mussten wir darauf vertrauen, dass die angegebenen Wasserstellen intakt waren bzw. dass wir genügend fließendes Gewässer oder möglichst sauberes stehendes Wasser für den Filter finden würden.

(Die kommenden Fotos habe ich nur mit meiner Handykamera gemacht, weil mir meine normale Kamera viel zu schwer war, um sie neben allem anderen auch noch mit mir herum zu tragen.)

Silverleden Wanderweg Rundwanderung Schweden Urlaub Camping mit Hund

Die erste Etappe starteten wir entgegen dem Uhrzeigersinn und sind den Silverleden somit eigentlich rückwärts gelaufen. 

Silverleden Wanderweg Rundwanderung Schweden Urlaub Camping mit Hund

Unser Weg führte uns viele Meter hoch und viele Meter wieder hinunter. Es ging durch Wald, Sumpf, Moos, Heidekraut, Blaubeerbüsche und blühende Gräser. Während wir gerade auf den sumpfigen Pfaden bis zu den Knöcheln im Matsch versunken, rutschten wir auf dem moosigen Untergrund hin und her. Die Abstiege waren sehr abwechselungsreich und durchaus recht anspruchsvoll. Zum Glück hatten wir im letzten Moment unsere Wanderstöcke eingepackt, die uns hierbei etwas Halt gaben. Die blühenden Gräser überragten mich teilweise um Kopfhöhe, was bei einer entsprechenden Blühenden-Gräser-Allergie jetzt nicht sooo doll ist....

Aber der Weg hielt so viele schöne Momente bereit, dass meine Allergie in den Hintergrund trat. Die Umgebung war so abwechselungsreich und hinter jeder Wegbiegung gab es einen neuen tollen Ausblick zu entdecken.

Leider waren die Wege meist wirklich sehr schmal und von Heidekraut und Blaubeergestrüpp in Minas Kopfhöhe stark zugewuchert. Gerade die letzten Kilometer fielen ihr sehr schwer. Als wir noch etwa 5 km vor uns hatten, legte sie sich irgendwann einfach hin und wollte nicht mehr aufstehen. Super Sache, so mitten in der Wildnis, wo es gerade keine geeignete Möglichkeit zum Zeltaufschlagen gibt, weil der Boden überall so steinig ist. Wir haben sie dann überredet bekommen, weiter zu gehen, aber die Erschöpfung stand ihr stark ins Gesicht geschrieben. Meine Sorgen wuchsen, ob sie es noch bis zu unserem angepeilten Platz an der Schutzhütte schaffen würde. Doch Mina war tapfer und hielt durch. Und so kamen wir völlig erschöpft an diesem See an:

Silverleden Wanderweg Rundwanderung Schweden Urlaub Camping mit Hund

Die Ruhe war unbeschreiblich. Das Gefühl, es bis hierhin geschafft zu haben, und hier sogar noch übernachten zu können, war echt wahnsinnig toll! 

Silverleden Wanderweg Rundwanderung Schweden Urlaub Camping mit Hund

Der Ort war so idyllisch und entspannend, echt einfach richtig richtig richtig toll! Das Gästebuch in der Hütte war gefüllt mit Einträgen, die einen ähnlichen Wortlaut hatten. Die vor uns da gewesenen Wanderer waren ebenso beeindruckt von diesem einmalig schönen Ort.

Nach dem Abendessen suchten wir Mina nach Zecken ab, die unvermeidlicherweise da sein mussten, und wirklich: ab 30 haben wir aufgehört zu zählen. Es dauerte eine Weile, bis wir alle von ihr entfernt hatten. Ihr Fell eignet sich leider perfekt zum Zecken einfangen und die Gräser und Büsche, die über den Weg wucherten, taten ihr übriges.

Silverleden Wanderweg Rundwanderung Schweden Urlaub Camping mit Hund

Hinter der offenen Schutzhütte schlugen wir unser Zelt auf, als der Regen einsetzte. 

Hier fällte ich aber auch eine Entscheidung. Mina ist eine zähe kleine Maus, die sich gerne bewegt. Aber die Etappe war zu anstrengend für sie. Das Ankämpfen gegen das Gestrüpp auf Kopfhöhe und die wirklich vielen Ab- und Anstiege waren zu viel für sie. Deshalb schauten wir auf der Karte nach einer kürzeren Route für den Rückweg am kommenden Tag. Auch wenn wir zwei Menschen den Silverleden wahrscheinlich komplett geschafft hätten, für Mina wäre es eine zu hohe Herausforderung gewesen.

Silverleden Wanderweg Rundwanderung Schweden Urlaub Camping mit Hund

Am nächsten Morgen filterten wir uns Wasser aus dem klaren See. Während ich meinen Instantkaffee trank und auf die Stille der kilometerweiten Natur um uns herum achtete, überkam mich ein großes Glücksgefühl. Der Ort war einfach perfekt.

Der Rückweg führte uns noch ein gutes Stück den Silverleden entlang bis wir auf eine asphaltierte Hauptstraße trafen. Ab hier lagen 10 Kilometer vor uns. Auf einer Straße, ohne richtigen Bürgersteig, so wie es nun mal typisch für außerorts liegende Straßen in Schweden ist. Der harte Bodenbelag ging ordentlich auf die Knochen und die vorbeifahrenden Autos zerstörten die Idylle des vorangegangenen Tages. Nach insgesamt locker 20 Kilometern erreichten wir irgendwann sehr ko unser Auto in Hällefors. Als wir uns im Ort in einen Imbiss setzten und dort Köttbullar mit Kartoffelbrei und Pommes mit Würstchen verspeisten, fing draußen Starkregen an. Wir hatten einen recht eigentümlichen Wanderergeruch an uns und meine ehemals dezent hautfarbenen Wandersandalen hatten dank der vielen sumpfigen Stellen einen schönen Braunton angenommen.

Der Kontrast zwischen dem Silverleden und der Zivilisation hätte nicht größer sein können. Auch wenn der Wanderweg wirklich anstregend gewesen war, so war der heutige Weg auf asphaltiertem Boden für die Knochen und Gelenke doppelt so beanspruchend. Aber auf dem Silverleden haben wir nur zwei andere Menschen getroffen. Sonst war dort niemand. Niemand. Herrlich.

Der nächste Campingplatz war zum Glück nicht mehr weit. Leider war die Wiese hier schon gut durchweicht vom Regen der vergangenen Zeit und die Kribbelmücken ließen sich nicht lange bitten, über uns herzufallen. Selbst im Auto waren wir nicht sicher vor ihnen. So packten wir am nächsten Morgen in aller Herrgottsfrühe unsere sieben Sachen zusammen und fuhren weiter an das Ufer vom Vänernsee.

Auf dem riesigen Campingplatz bei Säffle war es auf den ersten Augenschein nicht so ruhig, wie wir es gern gehabt hätten. Doch als wir etwas die Küste entlang gingen, kamen wir zu "Klippen", auf denen wir uns in die Sonne setzten und dem meeresartigen Rauschen des Vänernsees lauschten.

Camping Urlaub mit Hund Roadtrip Schweden Säffle Vänern Vänernsee Klippen

Nach den zwei Wandertagen war das genau richtig, um die müden Muskeln zu entspannen. Mit einem Gläschen Weißwein nahmen wir die Weite des Sees in uns auf und genoßen die Ruhe um uns herum.

Camping Urlaub mit Hund Roadtrip Schweden Säffle Vänern Vänernsee Klippen

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Der Vänernsee ist 5.500 m² groß und damit der größte See des Landes. Wir hatten von seiner beeindruckenden Größe gehört und natürlich auch bereits auf der Karte gesehen, aber in Echt wirkt so ein riesiger See dann doch echt noch mal sehr beeindruckend! Wir konnten das andere Ende vom See nicht mehr sehen, so groß ist er!

Camping Urlaub mit Hund Roadtrip Schweden Säffle Vänern Vänernsee Klippen

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Wir blieben eine Nacht länger, als im ersten Moment geplant, und wuschen unsere Wäsche in den vorhandenen Waschmaschinen, spielten eine Runde Minigolf (sehr zu meiner "Freude"... ich mag Minigolf mal so, äh, gar nicht...), schauten den sportlichen Mitcampern beim Zumba-machen zu und genoßen die übrigen Stunden auf den einsam gelegenen Felsen in der prallen Sonne. Mina genoß die wenige Bewegung sehr, nachdem sie sich auf den letzten Wanderkilometern des Silverleden so tapfer gequält hatte.

Völlig regeneriert fuhren wir von hier aus erstmal in die City von Säffle und gingen in einen typisch schwedischen Fast-Food-Imbiss namens "Sybilla". Witzigerweise würden wir in Deutschland so schnell keine Fast-Food-Kette betreten, aber irgendwie lachte der uns an. Und: dort gab es neben den standesgemäßen Burgern auch Kartoffelbrei :-)

Camping Urlaub Roadtrip mit Hund Schweden Sybilla

So gestärkt machten wir uns auf zum Tresticklan Nationalpark in Dalsland. Diese Region ist wie Schweden einmal im Miniformat. Hier gibt es die meisten Seen und keine einzigen Rolltreppe und keine Ampel weit und breit. Um zum besagten Nationalpark zu kommen, setzten wir bei Nässemark mit einer kostenlosen Fähre über einen der unzähligen Seen über.

Camping Urlaub Roadtrip mit Hund Schweden Fähre Dalsland Nössemark Nebel

Der Tresticklan Nationalpark war, oh Wunder, von Seen durchzogen und sehr nah an der norwegischen Grenze. Wir gingen einen schönen Rundwanderweg, auf dem wir erstaunlicherweise einige Menschen sahen. Wie wir dann bemerkten, führte ein Fernwanderweg von Norwegen nach Schweden genau hier entlang. Da kamen wir uns schon etwas lächerlich vor, dass wir nach nur zwei Tagen den Silverleden beendet hatten... Doch so war es besser für Mina und die hat immerhin die kürzesten Beine!

Camping Urlaub Roadtrip mit Hund Schweden Dalsland Tresticklan Nationalpark wandern

Camping Urlaub Roadtrip mit Hund Schweden Dalsland Tresticklan Nationalpark wandern

Camping Urlaub Roadtrip mit Hund Schweden Dalsland Tresticklan Nationalpark wandern

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Am Abend fuhren wir einen Campingplatz in der Nähe von Norebyn an, nachdem wir bei einem anderen mit schreckgeweiteten Augen weitergefahren waren, weil der so groß und voll war. Hier konnten wir nun direkt am See stehen.

Camping Urlaub Roadtrip mit Hund Schweden Dalsland See

Mit uns gab es noch zwei andere Camper und von den vorhandenen Holzhütten waren vielleicht zwei besetzt. Ein Campingplatz genau nach unserem Geschmack :-)

Camping Urlaub Roadtrip mit Hund Schweden Dalsland See

Camping Urlaub Roadtrip mit Hund Schweden Dalsland See


Damit kommen wir zum Ende des heutigen, mal wieder sehr lang geratenen Schweden-Rückblicks.

Auf der Übersichtskarte könnt ihr die einzelnen Stationen sehen:



Hier findet ihr alle Berichte:


Und bald nehme ich euch mit auf die letzten Tage unserer dreiwöchen Schwedenreise...

Kommentare:

  1. Wow,einfach nur Wow! Wenn ich wieder nach Schweden würde, würde ich auch nur noch so gehen und nicht in die einzelnen (Gross)Städte.
    Liebe Grüsse Alizeti

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    1. :-) Die Städte sind eh nicht mehr so ganz meines. Das war früher mal anders...
      Wer weiß, vielleicht verschlägt es dich ja nochmal nach Schweden!
      Liebe Grüße, Frauke

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Ich freu mich über jedes liebe Wort von euch :-)