Freitag, 16. September 2016

Eine Diagnose und die Welt steht Kopf - oder auch: mein Hund hat Leishmaniose

Die letzte Zeit ist es hier sehr ruhig geworden. Das hatte einen einfachen Grund: der Autor meines Lebens hat gerade eine sehr kreative Phase und haut mir eine Hiobsbotschaft nach der anderen um die Ohren. Die Nachricht, die mich zur Zeit am meisten auf Trapp hält, ist Minas Diagnose.

Kurz nach unserem Schwedenurlaub wurde sie immer schlapper. Sie lag viel rum und schlief überdurchschnittlich viel. Essen fand sie auch nicht mehr so richtig spannend und nahm dementsprechend ab. An ihr ist ja eh nie so viel dran, aber nach und nach verschwanden auch die letzten kleinen Fettschichten. Anfangs schob ich es aufs Wetter, auf die Rückkehr aus dem Urlaub (sie hängt sehr an meinem Freund und wir wohnen ja nicht zusammen, sodass ich eine Art Trennungsschmerz vermutete) oder auf einfach eine Magenverstimmung. Aber als die Symptome nicht besser wurden und sie immer mehr zu einem Schatten ihrer selbst wurde, ging ich mit ihr zum Tierarzt. Mein Mutterherz war mehr als besorgt...

Dieser tastete sie ab und erschreckte sich wegen einer extrem vergrößerten Milz. Zum Glück ergab der Ultraschall, dass es schonmal keine Tumore o.ä. waren. Die Lymphknoten am ganzen Körper waren geschwollen und sie hatte zu dem Zeitpunkt 1 kg abgenommen. Bei einem Startgewicht von 9,5 kg ist das nicht mehr witzig. Das Blutbild ergab ein diffuses, aber kein hoffnungsfrohes Bild. Als nächstes ließen wir die Mittelmeerkrankheiten im Blut überprüfen. Als ehemaliger Straßenhund lag das nun leider nahe...

Mina Hund Straßenhund ehemaliger Mittelmeerkrankheit Leishmaniose
Hier ein Bild aus dem Schwedenurlaub.

Der Anruf kam am nächsten Tag: Mina ist Leishmaniose-positiv. Das ist eine Krankheit mit einer Inkubationszeit von 7 Jahren und sie ist nicht heilbar, aber behandelbar. Wenn sie früh genug erkannt wird. Leider war ihr Titer (der Antikörperwert) schon sehr hoch und auch die anderen Werte sahen nicht gut aus. Mein Tierarzt machte sich große Sorgen und schickte mich direkt weiter zur Tierklinik, die die entsprechenden Medikamente vorrätig hatten. Auch dort war man erschrocken über die schlechten Blutwerte und ihren Zustand. Von hier bekam ich Milteforan mit, das sie nun für 30 Tage bekommt und das die die Parasiten dezimieren soll. Außerdem Allopurinol, das im menschlichen Bereich gegen Gicht eingesetzt wird und hier beim Hund die Vermehrung der Leishmaniose eindämmt. Und um den Magen-Darm-Bereich zu schützen gaben sie mir noch Hartkapseln mit.

Am kommenden Tag bekam ich dann den nächsten Anruf vom Tierarzt, weil die restlichen Blutwerte da waren. Der Babesiose-Wert (ebenfalls eine, äh, wunderschöne Krankheit) sei auch sehr hoch. Aber die Behandlung wäre nicht ohne und er würde gern warten, bis Mina sich etwas stabilisiert hätte. Ihr Zustand wäre ja eh schon kritisch genug.

Ihr seht, nun hatte ich ordentlich viel Medikamente für ein Häuflein von Hund. Da begann die Suche im Internet nach näheren Informationen über die Krankheit. Schnell wurde mir klar, dass sie dringend eine purinarme Ernährung braucht. Kurzgesagt: Leishmaniose ernährt sich von Purin und Purin kommt in fast jedem Nahrungsmittel in unterschiedlichen Konzentrationen vor. Außerdem bewirkt das Allopurinol, dass die Enzyme, die sonst das im Körper vorkommende Purin in Harnsäure umwandeln um es so wieder auszuscheiden, weniger arbeiten.

Nun wäre es ja ein leichtes, wenn ich einfach die Hundefutterdosen-Sorte ändern könnte. Ist es aber nicht. Die gibt es nämlich kaum purinarm. Weil fast jedes Hundefutter mit Innereien versetzt ist, ist der Puringehalt sehr hoch. Haut in egal welcher Variante fällt übrigens auch weg.

In meinem ersten Eifer stürmte ich einen Barf-Shop (barf = biologisch artgerechte Rohfütterung), weil ich gelesen hatte, dass barfen helfen kann, wenn man sich die Fleischbestandteile selbst zusammen stellt und die Innereien halt weg lässt. Nun bin ich dabei an einen "Experten" geraten, der mir alles möglich empfahl und mir sogar Pferdefleisch verkaufte, weil ihr das auf jeden Fall schmecken und auch helfen würde. Nun hatte ich im letzten Jahr schon mal einen Barf-Versuch gestartet und wusste, dass Mina rohes Fleisch jetzt nicht sooo witzig findet. Laut dem Inhaber des Shops müsste ich sie halt 3 Tage hungern lassen, dann würde sie es irgendwann fressen. Nö. Nicht bei einem Hund, wo mir der Tierarzt nicht sagen konnte, ob sie überlebt und nicht, wo sie gerade 1 kg abgenommen hatte. Ich habe trotzdem probiert, ihr das rohe Fleisch schmackhaft zu machen. Ohne Erfolg.

Um ihr genügend Nährstoffe zu zu führen, braucht sie zwar weiterhin Fleisch, aber der Fleischanteil muss gesenkt werden, weil Fleisch immer viel Purin enthält, auch wenn z. B. Pferd extrem viel hat und Rind, Huhn, Lamm etc. ok. sind. Das Fleisch koche ich ihr nun zusammen mit einem hohen Anteil Gemüse und etwas Obst. Das aber beides bitte Oxalsäure-arm, weil es sonst zu belastend ist. Und dazu noch etwas Reis oder Nudeln. Die Hartkapseln zum Magen-Darm-Schutz könnte ich weglassen, wenn Mina Haferschleim isst. Tja, tut sie aber nicht...

(Das übriggebliebene Barf-Fleisch hatte ich übrigens gekocht um es ihr so zumindest noch zu verfüttern. Schlechte Idee, wie ich hinterher erfuhr. Einige Hersteller packen Knochenteile mit unter das Fleisch und wenn die gekocht werden, kann das zu ganz neuen Problemen im Hund führen.)

Im Internet gibt es extra Purin- und auch Oxalsäure-Tabellen, die mir weitergeholfen haben. Außerdem bin ich auf das Leishmaniose-Forum gestoßen, wo man mir viele hilfreiche Tipps mit an die Hand gab/gibt!

Seitdem experimentiere ich herum, was sie frisst und was nicht. Sie ist da leider etwas schwierig...
 
Nun sind wir letzte Woche nochmal beim Tierarzt gewesen, weil sie eine Wunde am Auge hat, die ständig wieder anfing zu bluten und sie damit teilweise aussah wie ein Halloween-Hund. Diese Woche waren wir nochmal da, um die Medikamentation anzupassen (in der Tierklinik hatte man mir eine zu geringe Höhe gesagt). Außerdem haben wir nochmal Blut abgenommen. Am nächsten Tag kam der Anruf: die Blutwerte sind schon wieder abgesackt. Die Babesiose muss nun wirklich dringend behandelt werden, auch wenn ihr die Behandlung zusetzen wird. Ich habe sie mir dann direkt geschnappt und wir sind zu einem Tierarzt hier in der Nähe gefahren, der das Mittel da hatte. Die Spritze ist leider beim Spritzen sehr schmerzhaft und am kommenden Tag bekommt der Hund durch das Mittel wiederum Schmerzen. Super. In zwei Wochen braucht sie übrigens die zweite Spritze. Und nun hat sie auch noch Flöhe, die sie noch nie hatte, seit sie bei mir ist. Dagegen bekommt sie nun auch noch ein Mittel.

Je weiter ich mich mit der Leishmaniose beschäftige, um so mehr fügen sich einzelne Mosaiksteine zusammen. Das Humpeln im Frühling war wahrscheinlich das erste augenscheinliche Symptom. Dann die neuerdings rissigen Ballen, die seit dem Urlaub brüchigen Krallen. Die Wunde am Auge, die nicht verheilen will. Schuppige Hautstellen. Seit diesem Sommer verträgt sie warme Temperaturen nicht mehr gut und sie hechelt hin und wieder echt viel.

Zum Glück merke ich allmählich, dass Mina etwas fitter wird. (Ob eines der Medikamente sie hochputscht? Keine Ahnung...) Sie mag auch wieder kuscheln und auf Hunderunden läuft sie endlich wieder vor und nicht nur hinter mir. Ihr sonst sehr aktiven Ohren, die in letzter Zeit nur noch schlapp nach unten hingen, sind mehr in Bewegung und heben sich sogar etwas an. Die Nächte sind leider noch sehr unruhig. Manchmal muss sie mitten in der Nacht raus und ein dringendes Geschäft erledigen. Oder sie rennt unruhig in der Wohnung umher. Die etwas kühleren Temperaturen draußen tun ihr gut. Gerade in den Abendstunden geht es ihr wesentlich besser, als tagsüber. Aber von der alten Mina ist sie noch weit entfernt...

Der Tierarzt hat noch keine Entwarnung gegeben. Und ich mache mir große und viele Sorgen, auch wenn ich ihr gegenüber versuche mir diese nicht anmerken zu lassen. Dafür ist sie zu feinfühlig und ich möchte ihr nicht die eigene Hoffnung nehmen.

Drückt Mina bitte die Daumen, dass sie bald über den Berg ist und die Krankheit nicht gewinnt!


(Wenn das hier jemand liest, der sich näher mit Leishmaniose auskennt und sich über meine teilweise laienhaften Formulierungen wundert: für mich ist das Thema noch neu und ich gebe es hier so weiter, wie ich es bisher verstanden habe.)



Kommentare:

  1. das tut mir sehr leid, ich wünsche Mina und dir alles Gute und drücke ganz fest die Daumen! Liebe Grüße, Annette

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    1. Hallo Annette,
      vielen Dank fürs Daumen drücken! Die Kleine kann gerade jeden Daumen gebrauchen...
      Liebe Grüße, Frauke

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  2. Einfach schrecklich! Ich muss ganz oft an euch denken und hoffe so sehr, dass die Behandlung anschlägt!! Schlimm ist, dass man sich so hilflos fühlt, wenn die Tiere krank sind und die Sorgen einen Tag und Nacht nicht los lassen.
    Passt gut auf euch auf, Kirsten

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    1. Danke, das ist lieb!
      Ja, ich fühle mich dabei auch so hilflos. Zum einen der kranke Hund, dann die verschiedenen Meinungen zur Krankheit und zur passenden Ernährung. Und ich selbst bin erst dabei eine eigene Meinung zu entwickeln, sodass ich ratlos zwischen allen mir gebotenen Ansichten stehe und ratlos mit den Schultern zucke, wem ich Vertrauen soll.
      Mittlerweile entwickelt sich ein kleines Bauchgefühl und das fühlt sich gut an.
      Liebe Grüße, Frauke

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  3. ingrid, Bastelmaus ile17. September 2016 um 10:20

    Ach liebe Frauke, das hört sich sooo traurig an! Klar drücke ich die Daumen , aber nicht nur für Mina , nein auch für Dich, weiss ich doch, dass Dich das alles sehr belastet.
    Ja, ich hatte mich wirklich schon gewundert, dass längere Zeit nix zu lesen war, dachte aber an Arbeitsüberlastung o.ä., wäre auch nicht schön, aber immer noch besser als Probleme massiver Art bei Mina.
    Alles, alles Liebe Euch beiden und ein hoffentlich etwas entspannteres WE wünschen Euch
    Josef und Ingrid

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    1. Ihr zwei Lieben!
      Danke schön für alle Daumen!
      Die letzte Zeit war sehr anstrengend. Mina war nur ein Teil der Hiobsbotschaften, wenn auch der, der mich am meisten beschäftigt und Kraft kostet.
      Ich hoffe, dass es nun langsam aufwärts geht. Auf dem Herd brodelt gerade eine Rinderkraftbrühe vor sich hin, die sie mit Energie versorgen soll.
      Liebe Grüße, Frauke

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  4. Auch mir tut es leid, dass es Mina so schlimm erwischt hat. Wir wünschen Euch alles erdenklich Gute. Ich weiß genau, wie es Dir geht. Als Socke erkrankte, war ich auch mehr als überfordert. Mittlerweile leben wir 3,5 Jahre mit einem kranken Hund. Es ist oft schwer, man hat keine Kraft und ist oft verzweifelt, aber es lohnt sich. wir bereuen nichts. Und ich wünsche Dir, dass Du das genauso erleben kannst...

    Alle guten Wünsche
    Sabine mit Socke

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    1. Hallo Sabine!
      Danke für deine lieben Worte!
      Es ist schön zu lesen, dass ihr euch mit eurem Hund bzw. mit seiner Krankheit so gut arrangiert habt und nicht verzweifelt seid! Wenn die lieben Hundeaugen einen tief anblicken, weiß man, wofür man seine Kraft einbringt, nicht wahr!?
      Mina geht es zum Glück seit gestern deutlich besser: sie hat wieder mehr Energie und sogar richtig Appetit! Es geht aufwärts :-)
      Liebe Grüße, auch an Socke!
      Frauke

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  5. Liebe Frauke,

    ich bin so geschockt, dass ich kaum Worte finde. Die Diagnose macht mich unendlich traurig... Ich wünsche Euch von Herzen nur das Beste!
    Wie Du selbst schon anklingen lässt: Wir müssen abwarten und nach vorne sehen. Ich werde auf jeden Fall mal mit Tierärzten sprechen und auch mit Menschen, die (Straßen-)Hunde aus Spanien vermitteln und oftmals mit "Mittelmeerkrankheiten"zu tun haben. Sobald ich mehr weiß, schreibe ich Dir.

    Fühl Euch beide ganz fest gedrückt!

    Herzliche Grüße
    Nicole

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    1. Liebe Nicole!
      Danke schön für deine lieben Worte!
      Seit gestern geht es endlich aufwärts! Mina hat wieder Appetit und sie versprüht Lebensfreude! Vorhin waren wir endlich mal wieder auf unserem geliebten Phönixwest und sie hat mit einem fremden (ebenfalls ehemaliger Straßenhund) sogar etwas gespielt! Nach mehreren Wochen endlich mal wieder eine so agile Mina zu sehen hat mich echt richtig gefreut!
      Die Richtung stimmt also und ab jetzt geht es aufwärts :-)
      Liebe Grüße! Frauke

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  6. Ich denke so oft an dich und Mina und bin froh,dass es ihr mittlerweilen ein wenig besser geht. Sie kann froh sein,hat sie eine so wundervolle Besitzerin! Und nun pass auch gut auf dich auf meine Liebe <3
    Liebe Grüsse Alizeti

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  7. Es ist so schön zu lesen dass es Mina mittlerweile etwas besser geht! Du bist die beste Hundemami! Ich drücke Dich! Nina

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    1. Danke schön für deine lieben Worte!
      Liebe Grüße, Frauke

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Ich freu mich über jedes liebe Wort von euch :-)